Geschichte und Kultur

Ein Kommunist hat sich das Interview von Bushido mit Storch angeschaut – damit ihr es nicht müsst

Bushido hat sich mit Beatrix von Storch von der AfD und Niko vom Backspin-Magazin zusammengesetzt und eine Diskussion geführt. Was dabei passiert ist und wieso alle Bushido unterschätzt haben, könnt ihr hier lesen.

Ein Kommunist hat sich das Interview von Bushido mit Storch angeschaut – damit ihr es nicht müsst

Wenn man Bushi­dos Musik hört, merkt man sich­er schnell, dass er ein reak­tionäres Arschloch ist. Seine Texte sind homo­phob, frauen­ver­ach­t­end und ver­her­rlichen klein­bürg­er­liche Gewalt.

Nun hat sich Bushi­do mit Beat­rix von Storch, eine der reak­tionärsten Vertreter*innen der AfD, zusam­menge­set­zt und eine poli­tis­che Diskus­sion geführt. Dabei haben viele Bushi­do unter­schätzt.

Als ich ange­fan­gen habe das Inter­view zu schauen, dachte ich mir, ich werde mich recht schnell fremd­schä­men. Doch dem war nicht so. Bushi­do hat sich erstaunlich geschickt angestellt und war dabei sog­ar in Teilen bess­er als die Interviewer*innen der bürg­er­lichen Presse. Er hat seine Stärken wie Schlagfer­tigkeit gut genutzt und eine Spitzen­poli­tik­erin der AfD mehrmals richtig ins Schwim­men gebracht.

Er hat sich offen­sichtlich Noti­zen gemacht, führte das Inter­view recht frei und würdigte von Storch mit keinem Blick. Er war voll auf sich fokussiert und brachte von Storch durch sein ganzes Auftreten dazu, sehr unsich­er zu sein und sich recht­fer­ti­gen zu müssen. Doch auch inhaltlich hat er über­rascht.

Rassistischer Feminismus

Erst­mal wird disku­tiert, was Deutsch-Sein eigentlich bedeutet, und dabei kommt nicht viel raus. Dann spricht Bushi­do den Islam an. Beat­rix von Storch argu­men­tiert, dass der Islam eine beson­ders reak­tionäre Ide­olo­gie ist und leugnet, dass es lib­erale Ausle­gun­gen der Reli­gion gibt. Sie fordert eine Ref­or­ma­tion des Islam. Bushi­do antwortet geschickt mit einem Inter­view-Zitat aus der Jun­gen Frei­heit, ein­er recht­sradikalen Zeitung, in dem von Storch gesagt hat, dass es „mit dem Islam […] keine Kom­pro­misse geben“ darf.

Beat­rix von Storch bringt vor allem den juris­tis­chen Anspruch des Islams als ver­meintlich­es Argu­ment, dass er nicht zu deutschen „Werten“ passen würde. Bushi­do fragt, was sie mit den Werten meint und sie zählt unter anderem die Gle­ich­berech­ti­gung der Frauen und Tol­er­anz für Homo­sex­uelle auf.

Bushi­do fragt von Storch dann, ob sie nicht auch etwas gegen die Gle­ich­stel­lung der Geschlechter habe. Meint sie damit die Gle­ich­stel­lung von nur Frau und Mann oder auch von Mann und Mann? Beat­rix von Storch kommt richtig ins Schwim­men, stot­tert rum und will wieder auf den Islam lenken. Sie führt an, dass er Islam dazu führt, dass die Essen­skul­tur sich ändern würde und gerät auf den Kon­ter, dass das ja auch für Veganer*innen, Vegetarier*innen und Jüd*innen gilt, wieder ins Schwim­men. Man kann Bushi­do sich­er vor­w­er­fen, dass er selb­st homo­phob ist und das auch vertei­digt – aber er hat es wirk­lich gut geschafft, den ras­sis­tis­chen Pseu­do­fem­i­nis­mus der AfD zu ent­lar­ven.

„Wir Deutsche?“

Zu einem späteren Zeit­punkt kam die Frage der Inte­gra­tion auf. Die AfD-Poli­tik­erin ist der Mei­n­ung, dass Inte­gra­tion etwas ist, das Men­schen, die hier herkom­men, leis­ten müssten. Sie soll­ten sich an „uns Deutsche“ anpassen. Bushi­do hält dage­gen:

Wir Deutsche? Das Einzige, was wir Deutsche gemein­sam haben, ist unsere Staats­bürg­er­schaft und den Ort, wo wir leben. Soziale Unter­schiede führen dazu, dass es kein “wir” gibt. Wollen Sie mir sagen, dass der Mil­lionär dort hin­ten in Grunewald irgend­was mit einem Hartz4-Empfänger in Licht­en­berg gemein­sam hat? Denken sie da gibt es ein “Wir”-Gefühl?

Beat­rix von Storch führt dann an, dass alle Deutschen die gle­iche Geschichte hät­ten. Bushi­do fragt: „Wo haben die die gle­iche Geschichte?“ Natür­lich haben Bonzen und Proletarier*innen nichts gemein­sam. Auch wenn Bushi­do sich­er kein tief­greifend­es Klassen­ver­ständ­nis hat, hat er den­noch die Ide­olo­gie des Nation­al­is­mus gut durch­schaut.

Den Ursprung des aktuell aufk­om­menden Ras­sis­mus und des Recht­sruck­es erken­nt er auch gut. Gegen die geheuchelte Argu­men­ta­tion­slin­ie von von Storch, die den Islam für Ter­ror ver­ant­wortlich macht, kon­tert Bushi­do, dass Ter­ror nicht nur beim Islam vorkommt. Doch nie­mand fordert Christ*innen auf, sich von christlichen Terrorist*innen zu dis­tanzieren.

Was uns das Interview über bürgerlichen Journalismus sagt?

Wenn man darüber nach­denkt, dass Bushi­do Rap­per ist, dann kann man fest­stellen, dass er recht ähn­lich agiert hat wie bei einem Dis­strack. Er hat sich über von Storch informiert, hat ihre Schwach­stellen aus­find­ig gemacht und Fin­ger in die Wunde gedrückt. Dabei hat er es bess­er als viele bürg­er­liche Journalist*innen und Moderator*innen geschafft, den ras­sis­tis­chen Pseu­do­fem­i­nis­mus und die Deutschtümelei der AfD zu zer­legen.

Doch da kommt die Frage auf: Wenn selb­st ein Reak­tionär wie Bushi­do es schafft, die AfD fer­tig zu machen, warum schafft es dann kein­er der bürg­er­lichen Zeitun­gen und Talk­shows? Schlicht und ein­fach, weil sie noch weniger Antworten auf die AfD haben als Bushi­do. Sie sind unfähig, ihren Charak­ter zu erken­nen und sie dafür anzu­greifen. Doch um es nicht einem Bushi­do zu über­lassen, die AfD anzu­greifen, braucht es unab­hängige Zeitun­gen der rev­o­lu­tionären Linken.

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