Brot und Rosen

Die Lage der Geburtshilfe in Deutschland ist bedrohlich

Die Situation der Geburtshilfe in Deutschland verschlechtert sich seit Jahren zunehmend. Der Kampf gegen die Schließung des Kreißsaals in München-Neuperlach ist ein wichtiger feministischer Kampf.

Die Lage der Geburtshilfe in Deutschland ist bedrohlich
Bild: Natalia Deriabina / shutterstock.com

Seit Jahren werden in Deutschland Kreißsäle geschlossen. Meist aus Gründen der „Wirtschaftlichkeit“ oder wegen Personalmangels. Im Zuge der Zentralisierungstendenzen im Gesundheitssektor werden diejenigen Bereiche ausgesondert, die zu wenig Profit abwerfen. Das Ergebnis: Die Grundversorgung nimmt immer weiter ab. Gefährliche Versorgungslücken entstehen, die unter Umständen Leben kosten können.

Besonders dramatisch ist die Situation in der Geburtshilfe. In den vergangenen 30 Jahren reduzierte sich laut Zahlen des Deutschen Hebammenverbandes die Anzahl der Kliniken, in denen Geburten möglich waren, um fast die Hälfte.

Der Verband hat dazu eine „Landkarte der Unterversorgung“ erstellt. Das Schockierende: 1991 gab es noch 1186 Kliniken, in denen Geburten möglich waren. 2018 waren es nur noch 655 Kliniken mit Geburtshilfe.

Seit 2015 sind 115 geschlossene oder von der Schließung bedrohte Kreißsäle in der Landkarte dokumentiert. 87 wurden seit 2015 vollständig geschlossen, 22 vorübergehend, sechs sind von Schließung bedroht. Fast überall sind die Gründe „Wirtschaftlichkeit“ (sprich: zu wenig Profit) oder Personalmangel (sprich: kein Personal wegen zu schlechter Arbeitsbedingungen).

Unter den von der Schließung bedrohten Kreißsälen befindet sich auch die Geburtshilfestation im Klinikum Neuperlach in München. Die Hebammen dort wollen sich damit aber nicht abfinden und haben sich organisiert. Vor Kurzem haben sie eine Petition gestartet, die schon über 15.000 Unterschriften hat. Wie Charlotte und Leonie, zwei Hebammen in Neuperlach, die auch bei Klasse Gegen Klasse organisiert sind, schreiben:

Das findet im Zuge mehrerer Zentralisierungen im ganzen Gesundheitssystems statt, mit denen die SPD und insbesondere Karl Lauterbach Sparmaßnahmen durchsetzen wollen. Wir denken, dass Geburtshilfe nicht an Profiten orientiert sein darf, sondern die Gesundheit von Familien und Kindern in den Mittelpunkt stellen muss.

Wenn die Grundversorgung im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt nicht mehr gewährleistet ist, wird das Recht auf körperliche Selbstbestimmung von Schwangeren massiv beschnitten und die Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen massiv gefährdet. Insbesondere in strukturschwachen Regionen, wo lange Fahrtwege ins Krankenhaus inzwischen die Regel sind, kann dies zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

Deshalb ist der Kampf für den Erhalt der Kreißsäle wie in Neuperlach und insgesamt der Kampf für ein Gesundheitssystem im Interesse der Patient:innen und Beschäftigten und nicht im Interesse der Profite auch ein feministischer Kampf, der insbesondere am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen eine große Wichtigkeit hat.

Kundgebungen zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Berlin: Freitag, 25. November 2022, 18 Uhr
Rosa-Luxemburg-Platz

München: Freitag, 25. November 2022, 18 Uhr
Josephsplatz

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