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Die Katastrophe in Minas Gerais und ihre ökologischen Folgen

Im Brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais ereignete sich Anfang November eine der größten Umweltkatastrophen der letzten Jahre. Die Folgen für Mensch und Natur sind fatal. Es zeigt sich wieder einmal, dass die kapitalistischen Unternehmen für ihren Profit alles in Kauf nehmen.

Die Katastrophe in Minas Gerais und ihre ökologischen Folgen
Resplendor (MG) - Imagem aéra mostra a a lama no Rio Doce, na cidade Resplendor ( Fred Loureiro/ Secom ES)

Am Nachmittag des 5. November kam es nahe der Stadt Mariana zum Bruch zweier Staudämme. Sie waren in Bento Rodrigues von dem Bergbauunternehmen Samarco, einem Joint-Venture der Firma Vale do Rio Doce und der anglo-australischen BHP, errichtet worden. Die Tragödie offenbart das Gewinnstreben um jeden Preis der großen Unternehmen und die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber sozialen und ökologischen Fragen.

Die Tragödie wird als die größte Umweltkatastrophe des Landes angesehen. Der (biologische) Tod des Rio Doce, des bedeutendsten Flusses des Bundesstaats Minas Gerais wurde in der Woche nach dem Bruch der Staudämme von Expert*innenen verkündet. Auf seinem Weg zum Meer dringt der mineralische Klärschlamm in den Boden und ins Grundwasser ein und verhindert damit das Wachstum von Pflanzen und die Nutzung der Brunnen.

Der Tod des Flusses ist durch Laboranalysen bestätigt worden, in denen sich Anteile von Schwermetallen fanden, darunter Blei, Aluminium, Eisen, Barium, Kupfer, Bor und Quecksilber. Und dies obwohl der Konzern behauptet, dass der Schlamm hauptsächlich aus Silicaten bestehe. Laut der Erklärung von Luciano Magalhães, Direktor des Autonomen Wasser- und Abwasserdienstes (SAAE) von Baixo Guando – die für die Analyse des Flusses zuständige Stelle – darf das Wasser nicht für die Bewässerung genutzt werden und noch viel weniger für den Konsum durch Mensch und Tier. Der Pathologe Paulo Saldiva warnt außerdem davor, dass der Vormarsch des Schlammes durch mehrere Ortschaften die Gesundheit der dortigen Bevölkerung gefährde.

Weiterhin verursacht der Schlamm Umweltprobleme. Denn abgesehen davon, dass die Biodiversität der Region verschüttet und damit zerstört wurde, blockiert die schiere Masse des Schlamms (ungefähr ausreichend für 20.000 Schwimmbecken der Olympianorm) den natürlichen Lauf des Flusses. Dies wird verfrüht für seine Austrocknung sorgen. Außerdem verwandelt sich dieser Schlamm beim Trocknen in eine Art Zement, der das Einsickern von Wasser in den Boden unmöglich macht.

Der Regen ist ebenfalls ein Faktor, der die Situation verkompliziert. Denn während er einerseits den Schlamm löst und die Bildung einer undurchdringlichen Schicht verhindert, wird er andererseits diesen verseuchten Schlamm schneller verbreiten und so die Fläche des kontaminierten Bodens ausdehnen. Darüber hinaus spült er diese kontaminierten Bestandteile ins Grundwasser.

Die Tragödie nimmt ein noch größeres Ausmaß an, wenn man bedenkt, dass das toxische Wasser und der toxische Schlamm drei geschützte Bereiche passiert, bevor er in den Atlantischen Ozean fließt. Das beeinträchtigt dem Biologen André Ruschi zufolge den Kreislauf der Nährstoffe in der Nahrungskette des fünftgrößten hydrographischen Einzugsgebietes Brasiliens und setzt damit das Leben im Wasser für mindestens 100 Jahre aufs Spiel. Dies ist von Bedeutung, da das von der jahrelangen Schlammablagerung betroffene Gebiet eine wichtige Brutstätte ist.

Diese Katastrophe offenbart erneut die Gleichgültigkeit der Landes- und Bundesregierung, sowie der großen Konzerne hinsichtlich sozialer und ökologischer Fragen. Der für Aufsicht und Kontrolle zuständigen Behörde wurden die Bundesmittel gekürzt. Der Chef des Öko-Effizienzprogramms des Unternehmens, Maury Souza Júnior, berichtet, wie weggeschaut wurde, als es um den Sicherheitskoeffizienten der Stützwände der Dammstruktur ging. Die Abgeordneten, die nun das Geschehene aufklären sollen, bekamen Spenden von dem beteiligten Unternehmen Vale do Rio Doce für ihren Wahlkampf.

Innerhalb des kapitalistischen Systems können wir die ökologischen und sozialen Probleme, die von (Umwelt)-Eingriffen verursacht werden, nicht voraussehen, geschweige denn lösen. Situationen wie diese zeigen, dass in der heutigen Gesellschaft die Ausbeutung der Ressourcen im Dienste der sofortigen Bereicherung über jeder Form der nachhaltigen Verwaltung der Naturressourcen und dem Leben der jetzigen und zukünftigen Generationen steht. Die Tragödie wird nicht aufgeklärt werden, die wirklichen Schuldigen werden nicht bestraft und die resultierenden Probleme nicht gelöst werden, solange es keine unabhängige Aufklärung gibt, die von der Gewerkschaft, den Basisorganisationen der Arbeiter*innen und der Anwohner*innen organisiert wird. Nur durch eine solche unabhängige Untersuchung kann eine Strafe für die Verantwortlichen, Hilfe für die betroffene Bevölkerung und die größtmögliche Wiederherstellung der betroffenen Regionen erreicht werden.

Erstmals veröffentlicht am 18. November in Esquerda Diário.

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