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Die katalanischen Massen gehen gegen das Urteil auf die Straße

Zehntausende haben in ganz Katalonien auf das schändliche Urteil des Obersten Gerichtshofs und des Regimes von 1978 reagiert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir eine zweite Runde von Mobilisierungen erleben werden.

Die katalanischen Massen gehen gegen das Urteil auf die Straße

Nach einem sehr harten Urteil gegen die Anführer*innen der Unabhängigkeitsbewegung gingen Zehntausende von Studierenden und alle Sektoren des katalanischen Volkes sofort auf die Straße. Innerhalb weniger Stunden brach eine riesige Demonstration aus, die zeigte, dass die katalanische Unabhängigkeitsbewegung nicht besiegt wurde. Das Problem ist, dass ihre politische Führung nicht dazu aufgerufen hatte.

Die Mobilisierungen, die im Wesentlichen von Tsunami Democràtic und Pícnic x la República aufgerufen wurden, haben eine enorme Unterstützung erfahren. Blockaden der Hauptverkehrsstraßen der katalanischen Hauptstadt, Demonstrationen in Richtung des zentralen Plaça Catalunya kamen in wenigen Stunden zustande. Eine große Mehrheit zog zum Flughafen. Ein weiterer Sektor blieb im Stadtzentrum und führten Straßensperrungen durch, die den Verkehr behinderten.

Hervorzuheben ist die Rolle der Studierendenbewegung, die von der Universitat de Barcelona (UB) und der Universitat Autónoma de Barcelona (UAB) aus auf die Plaça Catalunya marschiert ist, um sich dort zu versammeln. Sie haben so einen großen Tag des Widerstands gegen die Repression der Nationalpolizei angeführt, der bis in die Nacht andauerte.

Viele Stunden lang wurde der internationale Flughafen von El Prat de Llobregat von einer Flut von Menschen erfüllt, die entweder mit der U-Bahn oder dem Zug ankamen. Als die Bahnverbindungen unterbrochen wurden, kamen sie zu Fuß und machten damit auch die Zufahrt zum Flughafen über die Straße unmöglich. Die katalanische Polizei versuchte zusammen mit der Nationalpolizei mit großem Eifer den Protest zu unterdrücken.

Gleichzeitig wurde in der Abenddämmerung eine Kundgebung auf der Plaça Sant Jaume organisiert. Sie war so groß, dass der Platz überfüllt war und die Kundgebung sich auf die gesamte Umgebung ausdehnte. Die Straße Via Laietana vor dem Polizeipräsidium war für einen Großteil der Nacht besetzt. Auch in dieser Mobilisierung haben die „Sicherheitskräfte“ „gründlich“ gearbeitet.

Keine Stadt und kein Dorf – auch wenn sie noch so klein sind –, in dem die Abneigung gegen das Urteil nicht zum Ausdruck gebracht wurde. In ganz Katalonien gab es Straßenblockaden. In der Provinzhauptstadt Girona wurden wichtige Straßen blockiert, wie die AVE, die den ganzen Tag über nicht befahrbar war.

Klar ist, dass dieser erste Tag der Proteste und Mobilisierungen den enormen Wunsch des Volkes gezeigt hat, dieses Urteil, die gesamte Repression der Justiz, die Verhaftungen vom 23. September und aller Betroffenen in diesen zwei Jahren der Unterdrückung zu bekämpfen und zu beenden. Die Plattform Tsunami Democràtic kündigte für Dienstag einen weiteren Tag des Protestes und der Mobilisierung an.

Allerdings haben sich weder die Anführer*innen der Parteien Junts per Catalunya, PDeCAT, noch Esquerra Republicana an die Spitze der Massenproteste gestellt. Genauso wenig der Präsident Torra oder der Parlamentspräsident Torrent. Wie wollen diese Anführer*innen das ungerechte Urteil zurückweisen? Indem sie mit dem Richter Marchena oder der PSOE in Dialog treten?

Im Gegensatz dazu war die gesellschaftliche Reaktion auf das Urteil beeindruckend. Sogar der Trainer von Manchester City, Pep Guardiola, verlas die Stellungnahme von Tsunami Democràtic. Ebenso zeigten die Reaktionen des ehemaligen Barça-Spielers Xavi Hernández oder der aktuellen Spieler Gerard Piqué und Sergi Roberto, wie breit das Urteil abgelehnt wird.

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass wir uns in den ersten Momenten einer neuen Welle des Kampfes der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung befinden. Es gibt Hinweise darauf, dass der souveränistische Block wichtige Veränderungen erfährt, da die Mobilisierungen nicht von ihnen aufgerufen, sondern lediglich toleriert wurden.

Klar ist jedoch, dass das Regime von 1978 bereit ist, die katalanische Unabhängigkeitsbewegung zu besiegen und die Regierung von Puigdemont zu köpfen. Der Beweis dafür ist das Urteil und die Reaktivierung des europäischen Haftbefehls gegen ihn.

Um zu gewinnen, ist es notwendig, die Kraft der Jugend, der Studierendenbewegung, der Arbeiter*innenklasse und der armen Massen zu vereinen. Deshalb ist es wichtig, den Streik vom Freitag, dem 18. Oktober, mit massiven Mobilisierungen zu verstärken. Wir müssen den 3. Oktober 2017 wiederholen und übertreffen, um die katalanische demokratische Bewegung in neue Höhen zu katapultieren, die Freiheit der Gefangenen zu erreichen und die Selbstbestimmung Kataloniens Wirklichkeit werden zu lassen.

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2 thoughts on “Die katalanischen Massen gehen gegen das Urteil auf die Straße

  1. Wolfgang Lange sagt:

    Warum wird von den Befürwortern der Unabhängigkeit nicht zur Kenntnis genommen dßsie gleichzeitig die EU verlassen. Mi

    1. kim sagt:

      Immer noch diese Frage? Wer möchte in einer solchen EU sein? Ja Europa, Nein EU. Freiheit.

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