Geschichte und Kultur

VfL Wolfsburg: Frauen holen das Double, feiern dürfen sie nicht

Das Frauenteam des VfL Wolfsburg hat sowohl den DFB-Pokal als auch die Deutsche Meisterschaft erringen können. Weil aber die Herrenmannschaft des Vereins vom Abstieg bedroht ist, verbietet die Geschäftsführung den Frauen das Feiern. Und ja, das ist sexistisch.

VfL Wolfsburg: Frauen holen das Double, feiern dürfen sie nicht

Der VfL Wolfs­burg, das sportliche Anhängsel des VW-Konz­erns, ist sicher­lich eines der unsym­pa­this­chsten Unternehmen des deutschen Fußballs. In Wolfs­burg dürfte man dankbar dafür sein, dass RB Leipzig als neues tra­di­tion­slos­es Erfol­gspro­jekt momen­tan den Großteil der Abnei­gung der Fan­land­schaft auf sich zieht.

Etwas auf­polieren kon­nte das Image des Konz­ern­klubs in den let­zten Jahren das Wolfs­burg­er Frauenteam. Mit gutem Fußball errangen sie in den ver­gan­genen vier Jahren ganze neun Titel – zweimal die Cham­pi­ons League, drei Meis­ter­schaften und vier Pokaler­folge. Ihre Erfol­gsserie set­zten die Wolfs­burg­erin­nen auch in dieser Sai­son fort. Nach ihrem einiger­maßen knap­pen Sieg im DFB-Pokal­fi­nale über den SC Sand am Sam­stag war die Freude über das errun­gene Dou­ble natür­lich groß.

Bloß: Feiern dür­fen die Frauen vor­erst nur unter Auss­chluss der Öffentlichkeit. Geschäfts­führer Dr. Tim Schu­mach­er ließ über die Web­seite des VfL, wohlge­merkt ohne das Team darüber in Ken­nt­nis zu set­zen, ver­laut­baren, dass es eigentlich gute Tra­di­tion sei, dass die “Wölfinnen” nach Ende der Sai­son ihre Titel vor dem Wolfs­burg­er Rathaus feiern.

Allerd­ings fokussiert sich der gesamte VfL in diesen Tagen natür­lich kom­plett auf die Rel­e­ga­tion, weshalb die grün-weiße Par­ty für die Frauen­mannschaft bewusst erst zum Start der kom­menden Sai­son stat­tfind­en wird.

Der dro­hende Abstieg der Her­ren­mannschaft ist der VfL-Führung also wichtiger als der Erfolg der Frauen – natür­lich. Dass die Feier zu Beginn der kom­menden Sai­son im August nachge­holt wer­den soll, ist beina­he höh­nisch. Außer­dem, so wandte VfL-Coach Ralf Keller­mann ein, wer­den dann einige Spielerin­nen gar nicht mehr im Vere­in sein. “Das tut sehr weh, es hat uns hart getrof­fen”, äußerte sich Keller­mann über­raschend offen.

Der VfL Wolfs­burg hat sich mit dieser Entschei­dung nicht nur einen weit­eren Imageschaden einge­han­delt. Es wurde vielmehr erneut deut­lich, wie sex­is­tisch der deutsche Fußball noch immer ist. Immer­hin pfeift Bib­iana Stein­haus in der neuen Sai­son als erste Frau in der ersten Bun­desli­ga der Her­ren. Doch auch dieser Schritt war begleit­et von etlichen chau­vin­is­tis­chen Sprüchen, die die Kom­men­tarspal­ten fluteten – vorge­bracht von Män­nern, die sich den Fußball als Ort, wo Män­ner noch echte Män­ner sein dürften und Frauen nichts ver­loren hät­ten, nicht nehmen lassen wollen.

Immer­hin zeigt die Empörung über die Entschei­dung des VfL, dass längst nicht mehr ganz Fußballdeutsch­land so denkt. Doch es bleibt ein langer Weg, bis vielle­icht irgend­wann sportliche Leis­tung und nicht das Geschlecht über Würdi­gung entschei­det.

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