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Die Feuerhölle am Mittelmeer ist eine kapitalistische Katastrophe

Der Klimawandel droht immer größere Teile des Mittelmeerraumes zu zerstören, doch am Katastrophenschutz wird gespart. Faschistische Banden in der Türkei nutzen die Waldbrände als Vorwand, um Kurd:innen und Geflüchtete zu attackieren.

Die Feuerhölle am Mittelmeer ist eine kapitalistische Katastrophe

Athen ist von dichten Rauchwolken bedeckt. Sich ohne hochwertige Atemschutzmasken auf den Straßen aufzuhalten, kann lebensbedrohlich werden. Die Flammen sind mittlerweile in die Athener Vororte gedrungen. Der Metropole drohen Stromausfälle. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis rechnet damit, dass „das Schlimmste noch bevorsteht“. Weiterhin sind keine erlösenden Regenfälle in Aussicht, stattdessen bleibt die extreme Hitze von über 40 Grad.

Die hohen Temperaturen haben neben Griechenland auch in der Türkei, Italien, Albanien, Nordmazedonien, Bulgarien und dem Kosovo Waldbrände ausgelöst. Der Grund für die Hitze sind heiße Luftmassen aus der Sahara, die sich in der Region festgesetzt haben. In der Regel würden die Großwetterlagen durch den Jetstream weiter geblasen. Doch durch den Klimawandel fällt dieser Höhenwind schwächer und unregelmäßiger aus. Somit bleibt die Luft in der Region derzeit tage- oder wochenlang stehen, wie zuletzt schon in Westkanada.

Seit langem sinkt der Grundwasserspiegel rund um das Mittelmeer und die Ägäis, weil das Wasser für aufwändige Hotelanlagen und die Landwirtschaft genutzt wird. Die Region droht immer stärker auszutrocknen. Dort wo Brände Wälder zerstört haben, bleiben Brachflächen. Wenn es dann doch mal regnet, kann der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen, sondern es fließt einfach ab.

EU zwang Griechenland dazu, bei der Feuerwehr zu sparen

Probleme wie Flächenversiegelung und Abholzung schreiten seit Jahrzehnten voran. Waldbrände kommen in der Region fast jedes Jahr vor, doch mittlerweile immer schwerwiegender. In der Türkei sind es die intensivsten Brände seit Beginn der Datenerfassung 2003. Durch den Klimawandel ist damit zu rechnen, dass Rekordtemperaturen tendenziell noch häufiger werden. Doch bisher geschieht nicht viel, um sich dem anzupassen und den Katastrophenschutz auszubauen.

Im Gegenteil: In Griechenland sanken die Ausgaben für die Brandschutzdienste von 663 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 510 Millionen Euro im Jahr 2016. Als 2017 schon mal Brände wüteten, konnten von 16 Löschflugzeugen nur vier eingesetzt werden, weil sie nicht modernisiert wurden. Der Grund hierfür sind die harten Sparauflagen, die die EU der griechischen Regierung in den 2010er Jahren diktierte.

Türkei: Erdoğan sabotiert den Kampf gegen die Flammen

Am Katastrophenschutz wird auch im Nachbarland gespart, der Türkei. Für den Brandschutz von Wäldern hat die türkische Regierung dieses Jahr bisher gerade mal 400.000 Euro ausgegeben (zum Vergleich Portugal: 65 Millionen Euro). Jahrelang wurden Löschflugzeuge kaum gewartet oder mit Ersatzteilen ausgerüstet, weshalb der Regierung in der aktuellen Krise nur drei aus Russland gemietete Maschinen zur Verfügung standen. Mittlerweile haben weitere Staaten ihre Flugzeuge in die Türkei geschickt.

In den sozialen Medien haben Menschen eine Kampagne gestartet, um unter dem Slogan #HelpTurkey für internationale Unterstützung zu werben. Doch statt das Engagement zu begrüßen, sieht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan darin eine unerlaubte Kritik seiner Regierung, die er mit der Staatsanwaltschaft verfolgen lässt. Der Opposition wirft er „Lügen-Terror“ vor.

Darüber hinaus werden Verschwörungstheorien verbreitet, dass Anhänger:innen der kurdischen Freiheitsbewegung Brände absichtlich legen würden. Davon angestachelt greifen Faschist:innen kurdische Personen an, wie etwa in Aydın, wo ein Lynchmob aus 100 Leuten die Insassen eines Autos attackiert und misshandelt hat.

Anpassung an den Klimawandel?

Die jetzigen Waldbrände sind ein düsterer Vorgeschmack auf die extremen Hitzewellen und Trockenheit, die die Region in Zukunft noch regelmäßiger und intensiver treffen werden. Sowohl in der Türkei als auch in Griechenland zeigt sich die Unfähigkeit der Regierungen, langfristige Anpassungen an den Klimawandel vorzunehmen und die Einsatzkräfte materiell und personell deutlich aufzurüsten.

Statt über Besteuerung von großen Vermögen und Unternehmen die nötigen Gelder dafür aufzubringen, bedienen sie lieber die Interessen des Groß- und Finanzkapitals, das alle Möglichkeiten nutzt, um Profit aus den Ländern zu ziehen, sei es durch Privatisierungen von öffentlicher Infrastruktur, den Bau großer Hotelbetriebe oder industrielle Methoden der Landwirtschaft.

Erdoğan stachelt die faschistischen Banden an, um dieses System aufrechtzuerhalten und das Versagen seiner eigenen Regierung zu vertuschen. Statt einer Anpassung an den Klimawandel wird es so nur immer größere Teile des Mittelmeerraums geben, die zu unbewohnbaren Wüsten werden. Eine nachhaltige Zukunft für die Region kann es nur gegen die Interessen der EU und die Konzerne geben.

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