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Die Empfindlichkeit des Kapitalismus gegenüber Krisen-Katastrophen-Situationen

Der Corona-Virus zeigt wieder einmal, wie empfindlich das derzeitige kapitalistische System ist. Die Börsen stürzen ab, die klinische Versorgung bricht bei Streik zusammen und möglicherweise ist auch noch die allgemeine Infrastruktur in Gefahr. Was ist die Alternative?

Die Empfindlichkeit des Kapitalismus gegenüber Krisen-Katastrophen-Situationen

Die Ausbreitung des Corona-Virus hat schon in China Teile der Produktion zum Erliegen gebracht. Nun breitet er sich auch in Europa aus. Der Dax fällt und es werden Engpässe befürchtet. Grund dafür ist die fragile weltweite Produktion. Da die Lieferketten auch noch aus Kostengründen international aufgebaut sind, brechen diese schnell bei größeren Krisensituationen zusammen. Das betrifft in Europa auch große Teile der Versorgung mit medizinischen Wirkstoffen, da diese die zu großen Teilen in China produziert werden, wo derzeit der Corona-Ausbruch große Teile der Industrieproduktion lahmlegt.

Würden alle unverzichtbaren Produkte nach Bedarf vor Ort produziert, wobei die Rohstoffversorgung weltweit gesichert sein muss, wäre das krisenfester. Auch Krankenhäuser gehören zur allgemeinen Daseinsvorsorge und auch hier sieht man wieder, was die so hoch gelobte Privatisierung angerichtet hat. Schon ein Streik in einer Tochterfirma gefährdet angeblich die Patientenversorgung. Das liegt jedoch nicht an den angeblich überzogenen Forderungen der Kolleg*innen oder an ihrer „Verantwortungslosigkeit“; sondern im Gegenteil daran, dass die Privatisierung in Krankenhäusern und selbst die konsequente Profitmaximierungslogik der öffentlichen Krankenhäuser wie der Charité den grundlegenden Bedürfnissen der Bevölkerung vollständig entgegengesetzt sind. Unter dem Stichwort „Unternehmerische Freiheit“ ist alles erlaubt: Alles was den freien Märkten ausgeliefert wird ist zwangsläufig den Gesetzmäßigkeiten des Profitstrebens unterworfen, mit anderen Worten, die medizinische Daseinsvorsorge wurde an die Märkte verkauft.

Auch sehr viele andere Bereiche der Daseinsvorsorge wurden privatisiert, wie zum Beispiel die Wasserversorgung in Berlin, die dann aufwendig von der öffentlichen Hand zurückgeführt wurde (woran sich die ehemaligen Besitzer ein zweites Mal eine goldene Nase verdiente). Nun soll der Öffentliche Nahverkehr, die S-Bahn, neu ausgeschrieben und in mehrere Teilbetriebe zerstückelt werden. Das soll Geld einsparen und die Qualität erhöhen. Wie so etwas effektiv und krisenfest zu organisieren sein soll, erschließt sich hier aber nicht, denn es hat in den letzten Jahrzehnten lediglich an Investitionen zur rechten Zeit gefehlt. Da die Aufgaben doch die gleichen bleiben, wie sollen es da Fremdfirmen besser ausführen? Überfüllte Züge sind jetzt schon ein gewaltiges Problem und bieten Viren ideale Bedingungen, um sich auszubreiten, zumal von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit oft keine Rede sein kann. Was geschieht erst bei richtig großen Krisen, etwa Totalstillstand?

Zusammengefasst ist klar: Der kapitalistische Markt kann es eben nicht regeln, und eine grundsätzlich andere Alternative ist nötig. Um eine Gesundheitsversorgung, einen öffentlichen Transport, gute Bildung und insgesamt gute Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle unabhängig von ihrem Geldbeutel zu gewährleisten, ist eine sozialisierte Wirtschaft nötig, organisiert mittels einer Rätestruktur mit guter Expertise.B Eine solche sozialistische Planwirtschaft, die nicht von den Profitinteressen der Bossen und den „Märkten“ abhängig ist, sondern ausschließlich dem Bedarf dient, wäre zugleich demokratischer und krisenfester zu organisieren.

In einer sozialistischen Gesellschaft, die nicht den Gesetzen des Marktes und der Profite unterworfen wäre, könnten wir eine Infektionswelle einfach aussitzen und die Produktion so weit wie möglich ruhen lassen. Im Kapitalismus bricht deswegen gleich die Weltwirtschaft zusammen. Aber warum nicht einfach gleich präventiv zu Hause zu bleiben, anstatt während der Inkubationszeit zur Arbeit zu gehen und womöglich seine Kolleg*innen anzustecken? Volle U-Bahnen während der Stoßzeiten sind perfekte Umgebungen für Viren und Keime. Wenn weite Teile der Produktion ruhen, gibt es weniger Möglichkeiten, dass sich Krankheiten ausbreiten können.

Aber nicht nur Privatisierung und Sparpolitik in der öffentlichen Daseinsvorsorge haben uns anfällig gemacht, auch die Weltwirtschaft ist bereits angeschlagen. Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China beunruhigt die Märkte. Der Corona-Virus ist der perfekte Anlass dafür, dass sich die Situation zuspitzt. Deshalb purzeln an der Börse gerade die Kurse. Vor allem der Deutsche Aktienindex ist betroffen. Innerhalb von fünf Tages ist er um 12 Prozent gefallen. Weltweit hat sich an den Börsen ein Verlust von 12 Billionen Dollar angehäuft. Das alles allein wegen einem kleinen Virus. Man spricht gar von dem schlimmsten Börseneinbruch seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Allerdings kann der Börsenabsturz auch als Korrektur für die weltweit angespannte Konkurrenzsituation gesehen werden, wo in vielen Bereichen hauptsächlich Konsumartikel auch viel zu viel auf Halde produziert wird (Überproduktionskrise). Artikel und Dienstleistungen, die nur dem privatem Konsum dienen, sind prädestiniert dafür, in Krisensituationen weniger oder gar nicht nachgefragt zu werden, da diese die Krisensituationen oft nicht einmal abmildern können. Die Gebrauchsgüter und Dienstleistungen zur Grundversorgung sind nun oft Mangelware und wir werden oft dazu angehalten, selber Sicherheiten durch Vorräte und andere Maßnahmen aufzubauen. Um dieses Thema der Krisen ist nun auch die Prepper-Szene auf dem Vormarsch, in dem jeder letztendlich nur für sich und oder der eigenen Familie vorsorgt. Dabei wäre eine gemeinschaftliche Absicherung wesentlich effizienter. Wer will sich schon den Rest seines Lebens von Konserven ernähren, nur um den eigenen Bestand auf dem Laufenden zu halten?

Eine Gesellschaft, deren Wirtschaft nicht den Gesetzen des Profits unterworfen wäre, in der es also kein Privateigentum an den Produktionsmitteln gäbe, könnte viel besser mit so etwas umgehen. Schon allein Kurseinstürze wie in den letzten Tagen wären gar nicht möglich. Zudem könnte eine Ausbreitung des Corona-Virus viel effizienter verhindert werden, zudem lassen sich Notvorräte viel effizienter aufbauen und durch eine bessere Expertise auf einem noch besseren technischen Level auf dem Laufenden halten. Die meisten heutigen Krisen ließen sich von vornherein ganz abwenden.

One thought on “Die Empfindlichkeit des Kapitalismus gegenüber Krisen-Katastrophen-Situationen

  1. Karl sagt:

    Sehr guter Artikel
    Nicht NUR theoretisch,sondern auch praktisch,verwendbar.Wenn wir in einer humanen und sozialen Welt leben wollen,ist das alternativlos.

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