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Die Elite-Uni FU will 31 Arbeiter*innen auf die Straße setzen

Die Freie Universität Berlin als Elite-Uni kann nicht nur Wissenschaft im Sinne der Herrschenden betreiben: Sie ist auch exzellent in Prekarisierung, Outsourcing und Tarifflucht.

Die Elite-Uni FU will 31 Arbeiter*innen auf die Straße setzen

In der Vergangenheit machten beispielsweise Lehrbeauftragte, die sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln, auf sich aufmerksam. Besonders hart trifft das arbeiter*innenfeindliche Verhalten der FU nun Beschäftigte am Botanischen Garten: 31 Menschen stehen kurz vor der betriebsbedingten Kündigung, weil sie es wagen, sich gegen Spaltungsversuche und Ungleichbehandlung zu wehren.

Exzellent bei der Prekarisierung

Seit 2008 ist ein Teil der Arbeiter*innen im Botanischen Garten nicht mehr bei der FU angestellt, sondern bei einer Betriebsgesellschaft, die wiederum eine 100 Prozentige Tochtergesellschaft der Universität ist. Sie verdienen sage und schreibe bis zu 72 Prozent (!) weniger als ihre Kolleg*innen, die bei der FU beschäftigt sind. Denn die Betriebsgesellschaft ist nicht an den Tarifvertrag (TV-L) gebunden, der für den Rest der Beschäftigten am Botanischen Garten gilt. Und genau das ist Tarifflucht, also ein illegales Verhalten, um einen Tarifvertrag für die Beschäftigten zu verhindern.

Dazu kommen noch viele offene Stellen, welche die Arbeitsbelastung für alle in die Höhe schießen lassen. Das führte in der Vergangenheit zu schweren gesundheitlichen Belastungen. Die Betriebsgesellschaft soll auch Überstundenzuschläge unterschlagen und bis zu unglaubliche 1350 Urlaubstage verweigert haben. Den Arbeiter*innen wird gleichzeitig massiv Angst gemacht, wenn sie sich gegen diese miserable Behandlung wehren.

Aber trotzdem haben sich die Kolleg*innen gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen und die Ungleichbehandlung gewerkschaftlich organisiert. Damit sind sie ein sehr ermutigendes Beispiel für große Teile der Arbeiter*innenklasse, die unter ähnlichen menschenverachtenden Bedingungen zu arbeiten haben. Ver.di forderte 2,50 Euro mehr pro Stunde. Perspektivisch soll auch für die outgesourcten Beschäftigten der Tarifvertrag zur Anwendung kommen. Die Reaktion der Uni: Sie droht mit der Schließung der Betriebsgesellschaft. Stattdessen sollen nun mehr Aufträge an Fremdfirmen vergeben werden. Das würde für 31 Kolleg*innen die Arbeitslosigkeit bedeuten, darunter 14 aktive Gewerkschafter*innen. Damit ist eindeutig, dass die FU jegliche gewerkschaftliche Organisierung verhindern will; auch das ein illegales Verhalten.

Gewerkschaftsfeindlicher Angriff

Zuvor schon hatte die Unileitung alles versucht, um die Belegschaft zu spalten und sich unliebsame Gewerkschafter*innen vom Hals zu halten. Sie werden gemobbt, indem sie zum Beispiel in unterbelegte Schichten eingeteilt und mit Gerichtsverfahren überzogen werden. Der damalige technische Leiter und heutige Betriebsleiter soll sogar ein Betriebsratsmitglied körperlich angegriffen haben. Und auch jetzt geht der Versuch der Spaltung weiter: Den Aktiven im Betrieb soll die Kündigung in die Schuhe geschoben werden.

Dabei geht es keineswegs um Geld. „Im großen Haushalt der FU spielen doch solche Lohnerhöhungen für 70 Beschäftigte keine Rolle“, sagt dazu eine Sprecherin von ver.di. Um die Spaltung aufrecht zu erhalten und die Lohnsenkungen so „effizient“ wie möglich zu gestalten, hatte die Universität sogar kostspielige Aufträge an Unternehmensberatungen vergeben – dies ging soweit, dass ein Mitarbeiter der Unternehmensberatung als Gärtner in den Betrieb eingeschleust wurde, um Zwietracht zu säen. Mehr als 340 000 Euro sollen aufgewendet worden sein, um durch Gerichtsverfahren und andere Maßnahmen, die Prekarisierung der Arbeiter*innen durchzusetzen. Dies zeigt, dass die Schamlosigkeit der FU keine Grenzen kennt: selbst mafiöse Mittel werden gegen die Kolleg*innen eingesetzt.

Es geht der Unileitung also auch darum, ein Exempel zu statuieren und dem Rest der Beschäftigten an der Universität Angst einzujagen: Wehe, ihr wehrt euch, denn uns sind alle Mittel recht! Dagegen braucht es eine große Welle der Solidarität unter den Beschäftigten und Studierenden der FU. Die Kolleg*innen vom Botanischen Garten rufen alle auf, sie in die nächste Kuratoriumssitzung, bei der über ihr Schicksal beraten wird, zu begleiten (Mittwoch 16.12. um 10 Uhr, Goldener Saal des Präsidiums, Kaiserswerther Str. 16 – 18).

Alle Studierenden sind aufgerufen, diesen enorm wichtigen Kampf zu unterstützen und vor Ort solidarisch mit den Kolleg*innen zu sein! Der Kampf um ihre Arbeitsbedingungen ist gleichzeitig der Kampf um unsere Arbeitsbedingungen von morgen!

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