Deutschland

“Die Bewegung in Frankreich hat begriffen, dass das Problem nicht Macron ist, sondern die Welt, für die er steht”

Am Donnerstag demonstrierten 150 Menschen vor der Französischen Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin unter dem Motto "Solidarität mit dem Kampf der Gelbwesten in Frankreich". Unser Genosse Andrés Garcés hat dort eine Rede im Namen von Organize:strike gehalten.

Wir ste­hen heute vor der franzö­sis­chen Botschaft, um unsere Sol­i­dar­ität mit der Massen­be­we­gung in Frankre­ich kundzugeben.

In unserem Nach­bar­land ist eine Massen­be­we­gung ent­standen, die als Aus­lös­er die Erhe­bung ein­er Kraft­stoff­s­teuer hat­te. Dies war jedoch nur der Tropfen, der das Fass zum über­laufen brachte. Die Gründe, weswe­gen Hun­dert­tausende wöchentlich auf die Straße gehen, sitzen tiefer: es sind Jahrzehnte der Ver­ar­mung und des Sozial­ab­baus.

Kein Wun­der, dass so eine Steuer so unbe­liebt ist, wenn der öffentliche verkehr abge­baut wird und viele auf Autos angewiesen sind. Kein Wun­der, wenn die Bevölkerung so wütend ist, hat sie doch in den let­zten Jahren Hun­derte Euros an Kaufkraft ver­loren.

Die Gelb­west­en zeigen uns, wie mächtig wir sind, wenn wir uns zusam­men­schließen, um gegen neolib­erale Kürzungspoli­tik zu kämpfen!

Arbeiter*innen, Selb­st­ständi­ge und Rentner*innen ste­hen gemein­sam mit Frauen und Migrant*innen auf der gle­ichen Seite der Bar­rikade auf dem Champs Ely­sees. Natür­lich, denn let­ztere sind der Teil der Gesellschaft, der am meis­ten von prekär­er Beschäf­ti­gung und Arbeit­slosigkeit betrof­fen ist.

Wir kön­nen daraus ler­nen: die Herrschen­den ver­suchen, uns nach dem „teile und herrsche“ Prinzip gegeneinan­der aufzus­tacheln, und somit zu ver­hin­dern, dass wir gemein­sam kämpfen. Eine falsche Front wird aufgemacht zwis­chen Deutschen und Nicht­deutschen, zwis­chen Gefüchteten und Ein­heimis­chen, damit wir bloß nicht die bekämpfen, die für Hartz 4 und prekäre Beschäf­ti­gung ver­ant­wortlich sind. Die AfD, aber auch die etablierten Parteien wis­sen, dass wir unaufhalt­bar sind, wenn wir uns zusam­men­schließen, und ver­suchen die Prof­ite der Unternehmen zu sich­ern.

Die Massen in Frankre­ich sehen klar, dass Macron und die EU keine Lösung für ihre Prob­leme sind. Genau­sowenig ist dies aber eine Illu­sion in den franzö­sis­chen Nation­al­staat, denn die franzö­sis­chen Kapitalist*innen haben genau­sowenig Inter­esse an ein­er Lösung der sozialen Prob­leme.

Die Studieren­den in Frankre­ich haben das gese­hen: weil die Regierung die Stu­di­enge­bühren für aus­ländis­che Studierende auf das sechzehn­fache erhöhen wollte, organ­isierten sie massen­hafte Ver­samm­lun­gen und fordern eine Uni­ver­sität ohne Gren­zen. Sie ver­brüdern und verbinden sich mit den Gelb­west­en, weil sie wis­sen, dass in der Ein­heit der Studieren­den mit den Arbeiter*innen und Massen eine soziale Kraft entste­ht, die ganz wie vor 50 Jahren die Regierung in die Knie zwin­gen kann.

In Deutsch­land haben wir genü­gend Gründe, um das gle­iche zu tun. Der Berlin­er Mieten­wahnsinn, Lei­har­beit, die Unter­drück­ung der Geflüchteten, die Per­spek­tivlosigkeit der Jugendlichen, für die ein Uni­ver­sitätsab­schluss oder eine Aus­bil­dung noch lange keine Garantie für ein würdi­ges Leben ist.
Die Bewe­gung in Frankre­ich hat begrif­f­en, dass das Prob­lem nicht Macron ist, son­dern die Welt, für die er ste­ht: Eine Welt des Kap­i­tals und der Unternehmen, was für ihre Gewinne dazu bere­it ist, Men­schen zu Armut und Krieg zu ver­dammen. Sie haben ver­standen, dass diese Welt nicht reformier­bar ist, son­dern nur durch die Welt der Arbeiter*innen und der Jugend zu erset­zen ist. Die Studieren­den schreien auf den Demos immer lauter “A Anti Ant­i­cap­i­tal­ista”.

Machen wir es wie in Frankre­ich! Hoch die inter­na­tionale Sol­i­dar­ität! A Anti Ant­i­cap­i­tal­ista!”

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