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Der Widerstand gegen Trump formiert sich – Schüler*innen an vorderster Front

Überall in den USA gehen seit dem Wahlsieg von Donald Trump Menschen auf die Straße. Besonders Schüler*innen waren mit Schulstreiks bei den Protesten ganz vorne dabei. José Montenegro, Lehrer in Oakland, Kalifornien, schreibt in einem Gastbeitrag über die Schulstreiks und die Perspektiven des Widerstands gegen Trump.

Der Widerstand gegen Trump formiert sich – Schüler*innen an vorderster Front

In der Zeit seit dem Wahlsieg von Donald Trump haben in der Bay Area – rund um San Francisco und Oakland – große nächtliche Proteste stattgefunden. Außerdem gab es ein „Love Trumps Hate“ Event, wo 3500 Menschen eine Menschenkette um den Lake Merritt in Oakland gebildet haben, um „friedlich“ auf Trump zu antworten. Dazu kam eine Welle von „Walk-Outs“ von High School Schüler*innen, also Streikdemonstrationen aus den Klassenzimmern heraus.

Die „gewalttätigen Ausschreitungen“, über die die Medien berichten, beziehen sich auf die zwei oder drei Schaufenster von Banken, die bei solchen Protesten regelmäßig von Anarchist*innen entglast werden. Der Protest in der Nacht nach der Wahl – zu der die Socialist Alternative gemeinsam mit anderen Gruppen aufgerufen hatte – war militant und energisch, wie er durch die Straßen im Zentrum von Oakland strömte. Aber die 5.000 Demonstrant*innen waren weniger mit der Zerstörung von Eigentum beschäftigt als mit dem Rufen von Slogans, mit dem Verteilen und Empfangen von Flyern, mit Diskussionen und natürlich damit, die immerwährende Polizeipräsenz zu beobachten. Viele haben hier schon die Brutalität des Oakland Police Departments gegen Aktivist*innen zu spüren bekommen und haben dementsprechend keine Sympathien ihnen gegenüber.

Die Schulstreiks sind bisher die vielversprechendsten Widerstandsformen. Tausende Schüler*innen haben in den letzten Wochen ihre Klassenzimmer verlassen. Die Proteste wurden kurzfristig von Gruppen von Schüler*innen organisiert. Ich hatte keine Ahnung, dass diese Walk-Outs organisiert wurden, bis mir Schüler*innen am selben Morgen davon erzählten. Die Aktionen der Schüler*innen zeigen den Wunsch und den Willen junger Menschen, sich dem Horror entgegenzustellen, den Trump repräsentiert. Gleichzeitig fehlt ihnen noch Klarheit in der Analyse, Strategie und Organisierung. Weil ein Walk-Out eine unmittelbare Verweigerung des business as usual bedeutet, können Schüler*innen sie sehr schnell organisieren. Aber meistens fehlt ihnen eine Idee, wie es danach weitergehen soll. Im Idealfall könnten Lehrer*innen eine wichtige Rolle dabei spielen, Streiks zu organisieren, die auch Schüler*innen einbeziehen und ihre Fähigkeiten erweitern. Das Vakuum der Führung trägt aber dazu bei, dass der Kampf der Schüler*innen sich schnell wieder auflöst oder von professionellen NGOs kooptiert wird.

In den Versammlungen und Veranstaltungen haben ich und meine Genoss*innen betont, dass Schulkomitees gegründet werden müssen, die Mobilisierungen an verschiedenen Schulen koordinieren, Unterdrückte vor rassistischen, sexistischen und homophoben Angriffen schützen und politische Analysen der Situation austauschen können. Obwohl es eine allgemeine Wut auf das neue Regime gibt, haben Lehrer*innen hier noch nicht die politische Bildung, die notwendig ist, um die Avantgarde des Kampfes zu sein, wie es die Lehrer*innen in Chicago oder in Mexiko getan haben.

Nichtsdestotrotz geht es immer Kampf sehr schnell. Lehrer*innen und Schüler*innen organisieren eine Reihe von Demonstrationen, um Kraft und Selbstvertrauen für die Amtseinführung des Präsidenten am 20. Januar zu sammeln. Einige Gruppen fordern einen landesweiten Generalstreik. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass ein Streik einen solch allgemeinen Charakter haben würde, kann es dennoch sinnvoll sein, wenn die Organisator*innen es schaffen, Verbindungen mit strategischen Sektoren der Arbeiter*innenklasse wie im Hafen, Verkehr, Gesundheitswesen und Energiesektor aufzubauen.

Was Studierende angeht, haben sie sich bisher langsamer mobilisiert als die Schüler*innen. Ich habe von Protesten im Innern von Universitäten gehört, sowohl als Ausdruck allgemeiner Unzufriedenheit als auch als Forderung nach Unis als „Zufluchtsort“, also Räumen, die Menschen ohne Papiere und anderen Unterdrückten Schutz bieten. Ich bin kein Student mehr und bin deshalb ein bisschen abgeschnitten von dem, was dort los ist. Aber ich bin sicher, dass die studentischen Kämpfe des letzten Jahrzehnts gegen Kürzungen und Polizeigewalt nicht umsonst waren, und dass die Leute dort sich organisieren und eine Rolle in der sich entwickelnden Widerstandsbewegung spielen werden.

Die Menschen in diesem Land haben gezeigt, dass sie nicht gewillt sind, Donald Trump kampflos den Boden zu überlassen. Das ist inspirierend. Es ist außerdem strategisch wertvoll, weil viele neue Kräfte aus verschiedenen Sektoren zum Kampf dazustoßen – Jugendliche, Gewerkschafter*innen, unterdrückte Minderheiten, und Frauen. Wir haben eine große Aufgabe vor uns. Wir müssen unsere Kraft aufbauen, um Trumps rassistisches und nationalistisches Regime so viel wie möglich zu stören, während wir eine tragfähige revolutionäre Alternative aufbauen, die sich mit der rebellischen Stimmung von Millionen von Menschen vereinigen kann.

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