Unsere Klasse

Der Streikkurier von TV-Stud: zweite Ausgabe erschienen

Die streikenden Studentischen Beschäftigten gehen in die zweite Woche des Streiks. Pünktlich dazu erheben sie auch mit der zweiten Ausgabe ihres „Streikkuriers“ ihre Stimme.

Der Streikkurier von TV-Stud: zweite Ausgabe erschienen

Der Streikkuri­er der stu­den­tis­chen Beschäftigten ist ein voller Erfolg. Pünk­tlich zur zweit­en Streik­woche erschien die zweite Aus­gabe mit 16 Seit­en. Die The­men reichen von den his­torischen Erfahrun­gen Frauen in Streiks bis zu konkreten Mel­dun­gen zum Ver­lauf des Streiks. Die gesamte Zeitung kann auf der Seite der TV-Stud-Kam­pagne herun­terge­laden wer­den.

Im fol­gen­den veröf­fentlichen wir die Artikel, die von Autor*innen von Klasse Gegen Klasse geschrieben wur­den.

Von Petrograd bis Panrico – Frauen in Streiks


Von Tabea Win­ter (ASH)

Seit über 100 Jahren ste­hen Frauen in den ersten Rei­he von bedeu­ten­den Streiks und Arbeit­skämpfen. Seit der Indus­tri­al­isierung, die dazu führte, dass mehr Frauen in den Betrieben und Fab­riken arbeit­en und dabei noch schlechter bezahlt wer­den als ihre männlichen Kol­le­gen, kämpfen die arbei­t­en­den Frauen auch für ihre Rechte — als Frauen und als Arbei­t­erin­nen. Der Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen­streik in New York im Jahr 1857 an den am inter­na­tionalen Frauen*kampftag erin­nert wird, wurde von Frauen ange­führt. Die Arbei­t­erin­nen wehrten sich gegen ihre mis­er­ablen Arbeits­be­din­gun­gen, den 12-Stun­den-Tag und die Angriffe der Polizei. Am 8. März 1917 streik­ten Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen in Pet­ro­grad gegen den Krieg und die Erhöhung der Brot­preise und änderten damit den Lauf der Geschichte. Beim Streik der Panrico-Arbeiter*innen in Barcelona 2014 waren Frauen von Anfang an beteiligt — doch in den Streikver­samm­lun­gen und in öffentlichen Auftrit­ten dominierten anfangs die Män­ner.

Die Arbei­t­erin­nen akzep­tieren das nicht, forderten Diskus­sio­nen über Sex­is­mus, Streikdemokratie und konkrete Fra­gen: wer organ­isiert die Kinder­be­treu­ung während des Streiks? Wer küm­mert sich um die Verpfle­gung der Streik­enden? Sie wur­den zu Anführerin­nen des Streiks, vertei­digten aber auch Frauen­rechte, wie das Recht auf Abtrei­bung.

Sowohl die Arbei­t­erin­nen aus Pet­ro­grad als auch von Pan­ri­co kön­nen uns als Vor­bilder dienen: Frauen ver­di­enen im gle­ichen Job nach wie vor durch­schnit­tlich 7% weniger als ihre männlichen Kol­le­gen. Sie arbeit­en beson­ders viel in Teilzeit und prekären Arbeitsver­hält­nis­sen. Lasst uns den Streik in unsere Hände nehmen! Lasst uns auf Streikver­samm­lun­gen mit­disku­tieren und unsere
Forderun­gen benen­nen! Für einen Tar­ifver­trag, in dem alle gle­ich viel ver­di­enen!

SHK, Barista, Deliveroo-Kurier – Generation Prekär

Von Ste­fan Schnei­der (FU Streik­gruppe)

Die Arbeits­be­din­gun­gen von Stu­den­tis­chen Hil­f­skräften an den Berlin­er Unis sind katas­trophal: Lohn­still­stand seit 17 Jahren, kein Wei­h­nachts­geld, weniger Urlaub als Fes­tangestellte, Kurzzeit­be­fris­tun­gen usw.. Dage­gen lohnt es sich zu streiken. Nicht nur für die Verbesserung der eige­nen Bedin­gun­gen, son­dern als Sig­nal für viele andere junge (und auch nicht mehr so junge) Men­schen.

Denn seit den vor mehr als 15 Jahren ent­wor­fe­nen „Hartz“-Gesetzen wur­den die Aus­sicht­en auf
feste Jobs, mit denen man seinen Leben­sun­ter­halt ver­di­enen kann, für eine ganze Gen­er­a­tion ver­nichtet. Die aller­meis­ten Jugendlichen in Deutsch­land müssen sich mit der Real­ität befris­teter Verträge, Mini­jobs, Mehrfachjobs, unbezahlten Prak­ti­ka und ultra­flex­i­bler Arbeit­szeit­en herum­pla­gen. Und das alles bei steigen­den Mieten und erhöhter Konkur­renz auf dem Arbeits­markt.

Gegenüber ein­er Schicht als Aushil­f­skraft im Café oder als Deliv­eroo-Kuri­er wirken SHK-Jobs manch­mal wie ein Paradies. Schließlich gibt es ja wenig­stens einen Tar­ifver­trag. Doch wenn Tar­ifverträge zu lange nicht erneuert wer­den, wer­den aus ihnen Fes­seln statt Werkzeuge
zur Durch­set­zung besser­er Arbeits­be­din­gun­gen. 17 Jahre ohne Lohn­er­höhung bedeutet 17 Jahre Real­lohn­ver­lust und für immer mehr Kolleg*innen die Notwendigkeit, neben dem Studi­um noch einen zweit­en Job anzunehmen.

Als SHKs sind wir aber in gewiss­er Weise tat­säch­lich in ein­er besseren Sit­u­a­tion als so viele andere prekäre Kolleg*innen: Wir sind aktuell immer bess­er gew­erkschaftlich organ­isiert, und wir wer­den immer mehr. Wir befind­en uns in einem Arbeit­skampf, an dessen Ende eine mas­sive Lohn­steigerung ste­hen kann, die ein Vor­bild für viele weit­ere Kämpfe sein kann. Wenn wir trotz unser­er prekären Lage 30 Prozent Lohn­er­höhung durch­set­zen kön­nen, dann kön­nen das andere
auch. Dazu braucht es nur Mut und Entschlossen­heit. Lasst uns dazu beitra­gen, diesen Mut zu erschaf­fen.

Wir wissen, wo der Schuh drückt

Von Ste­fan Schnei­der

Der TVS­tud bet­rifft 8.000 Stu­den­tis­che Beschäftigte in Berlin. Viele haben sich in den let­zten Monat­en mobil­isiert, beim ersten Streik stu­den­tis­ch­er Beschäftigter seit 32 Jahren am let­zten Dien­stag waren wir bis zu 1500 Per­so­n­en. Das sind viele, doch wir brauchen noch viel mehr. Viele Bere­iche wer­den noch nicht erre­icht, viele trauen sich nicht rauszuge­hen. Wir sind zer­split­tert, in ver­schiedene Unis, Hochschulen und Insti­tute, in ver­schiedene Arbeits­bere­iche und auf unter­schiedlich­sten Campi. Der Aktivenkreis der Kam­pagne ist sehr aktiv, doch seine
Kapaz­itäten sind begren­zt. Wenn wir alle erre­ichen wollen, müssen wir jede*n einzelne*n Kolleg*in ein­binden, mit ihren*seinen Vorschlä­gen, Sor­gen, kreativ­en Ideen.

Das wichtig­ste Mit­tel dafür sind tägliche Streikver­samm­lun­gen. Dezen­tral an den einzel­nen Unis, und wenn möglich auch zen­tral mit allen Streik­enden. Das ist ein­er­seits eine demokratis­che Frage – sie sind oft der einzige Ort, wo sich Streik­ende, die oft selb­st nur sehr begren­zte Ressourcen haben, direkt ein­brin­gen kön­nen –, aber vor allem ist es eine Frage von Sieg oder Nieder­lage des Streiks.

Denn wir haben ein großes Prob­lem: Die Unileitun­gen haben kein Inter­esse an einem neuen Tar­ifver­trag, und wenn wir sie wirk­lich zum Ein­lenken brin­gen wollen, müssen wir mit so vie­len SHKs und sol­i­darischen Unterstützer*innen wie möglich das Kräftev­er­hält­nis zu unseren Gun­sten verän­dern. Und das heißt vor allem: die Schwach­punk­te der Unileitun­gen aus­nutzen. An welchen Orten ist der Streik am effek­tivsten? Auf welchen Wegen kön­nen wir Druck auf­bauen? Wie kön­nen wir schwank­ende Beschäftigte vom Streik überzeu­gen? Wie Sol­i­dar­ität organ­isieren?

Die Unileitun­gen wer­den nicht von allein einknick­en. Dafür brauchen wir die Kreativ­ität aller Streik­enden. Denn wir, die wir jeden Tag in den Bib­lio­theken und Insti­tuten arbeit­en, Tuto­rien geben oder im Infos­er­vice am Schal­ter ste­hen, wis­sen am besten, wo der Schuh drückt, wo die
Knack­punk­te des Streiks sind. Wann wir wie viele Streik­tage brauchen, ob wir zen­trale Orte der Uni­ver­sität block­ieren müssen oder welch­es Ange­bot der Unileitun­gen wir für aus­re­ichend hal­ten. Diese Dinge wollen und kön­nen wir jeden Tag disku­tieren.

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