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Der Kampf hat begonnen!

KITA-STREIKS: Am Freitag, den 8.5., wurde der unbefristete Streik im Sozial- und Erziehungsdienst ausgerufen. Damit ist die nächste Eskalationsstufe im Kampf der Beschäftigten um gesellschaftliche Anerkennung, eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen erreicht.

Der Kampf hat begonnen!

// KITA-STREIKS: Am Freitag, den 8.5., wurde der unbefristete Streik im Sozial- und Erziehungsdienst ausgerufen. Damit ist die nächste Eskalationsstufe im Kampf der Beschäftigten um gesellschaftliche Anerkennung, eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen erreicht. //

Nachdem die Verhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband VKA gescheitert waren, riefen die Gewerkschaften ver.di, GEW und der Beamtenbund dbb zu unbefristeten Streiks auf – zum ersten Mal in diesem Sektor. Es wird nun bundesweit gestreikt. In dem Arbeitskampf geht es um die tarifliche Eingruppierung der Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes in kommunalen Einrichtungen. Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung der Tätigkeiten und damit eine Lohnerhöhung um durchschnittlich zehn Prozent. Aber es geht ebenso um die Anerkennung der Leistungen der SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen, die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen und um die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Arbeit. Bisher beteiligen sich 40.000 Beschäftigte an den Streiks, 240.000 waren insgesamt aufgerufen.

Im Sozial- und Erziehungsdienst sind zum größten Teil Frauen beschäftigt, zum Beispiel als Erzieherinnen in Kindertagesstätten. Gesellschaftliche Rollenbilder schieben Frauen immer wieder die Verantwortung für Sorge- und Pflegearbeit zu – bezahlt und unbezahlt. Dabei werden bezahlte Tätigkeiten in sorgenden Bereichen durch die Vorstellung abgewertet, dass Frauen sie „normalerweise“ zu Hause unbezahlt zu leisten haben. Frauen wird eine „natürliche“ Fürsorglichkeit zugesprochen und dadurch ihre Ausbildung und Kompetenz abgewertet. Außerdem wird erwartet, dass die Freude, die sie dadurch empfinden, für andere da sein zu können, die schlechte Bezahlung kompensiert.

Die schlechtere Bezahlung von Frauen in diesem Sektor ist ein besonderer Ausdruck der allgemeinen Lohndiskriminierung von Frauen. Die Tatsache, dass sie weniger verdienen, verstärkt dabei immer wieder aufs Neue die Abhängigkeit und Abwertung von Frauen. Es geht bei dem Kampf der ErzieherInnen um Anerkennung, also um einen gesamtgesellschaftlichen Kampf um Geschlechterverhältnisse. Er ist ein feministischer Kampf für Gleichberechtigung und ein besseres Leben von Frauen.

Außerdem ist der Streik eine Auseinandersetzung um die Bedeutung, die der Bildungs-, Sorge- und Pflegebereich in unserer Gesellschaft hat und damit um unserer aller Lebensbedingungen. Es geht um die Frage, ob nur Profit der KapitalistInnen wichtig ist oder ob wir anders leben wollen. Der Streik muss dafür zusammengeführt werden mit dem Kampf aller ArbeiterInnen um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn, insbesondere dem der LehrerInnen und PflegerInnen. Er gliedert sich aber auch ein in die Kämpfe der Studierenden und SchülerInnen um bessere Lernbedingungen.

Auch in Berlin wird gestreikt, und zwar in den sieben Kitas und der Sozialberatung des Studentenwerks. Gerade Berliner Studierende – mit und ohne Kinder – müssen also Solidarität organisieren. Denn es geht sehr konkret um ihre Lebensbedingungen und die Betreuung ihrer Kinder, die es ihnen erst ermöglicht besser zu studieren.

Gerade ein Streik im Erziehungssektor benötigt die Solidarität breiter Sektoren, vor allem der Eltern, da sie es sind, die direkt betroffen sind. Viele Eltern haben sich bereits solidarisch erklärt. Das ist sehr wichtig. Die Streikenden müssen aber darüber hinaus selber gesellschaftliche Solidarität organisieren, indem sie hinaus gehen und ihren Kampf erklären. Sie müssen ihren Streik selbst in die Hand nehmen.

Die ersten existierenden Anzeichen der Unterstützung müssen so zu einer massive Bewegung der Solidarität werden, von Studierenden, SchülerInnen und Eltern, ArbeiterInnen und FeministInnen. Denn der Kampf der ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen ist ein Kampf für unserer aller Zukunft.

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