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Capitalism Kills: Wie der Sparzwang im Krankenhaus tötet

Tödliche Arbeitsunfälle gibt es nicht nur bei BASF: Jährlich sterben in Deutschland etliche Menschen an den Folgen des Sparzwangs. Allen voran in den Krankenhäusern.

Capitalism Kills: Wie der Sparzwang im Krankenhaus tötet

Jedes Jahr infizieren sich etwa eine Millionen Menschen in deutschen Krankenhäusern mit Keimen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) sterben in Folge einer Infektion jedes Jahr 40.000 Patent*innen. Etwa 500.000 dieser Infektionen wären vermeidbar. Doch der Sparzwang im Namen des Profits verhindert dafür notwendige Hygiene-Maßnahmen.

Laut RBB sind seit 2011 allein in Berlin mindestens 151 Menschen an den Folgen einer Infektion mit sogenannten Krankenhauskeimen gestorben. In einer Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales hieß es, das liege an Mängeln bei „hygienerelevanten Arbeitsabläufen“. Weniger bürokratisch ausgedruckt: Es gibt zu wenig Personal für die Reinigung.

Aber genau hier liegt der Haken, denn mehr Personal bedeutet auch mehr Kosten für den*die Betreiber*in. Dies würde die Profite schmälern lassen, also den Bossen schaden. Laut einer Markteinschätzung der Unternehmensberatung Kienbaum Management Consultants liege das Jahresgehalt der Chefärzt*innen an Universitätskliniken fächerübergreifend zwischen 250.000 bis 400.000 Euro, teilweise aber auch noch deutlich darüber hinaus. Das Jahresgehalt des Vorstandsvorsitzenden der Charité Karl Max Einhäupl liegt bei einer halben Million Euro.

Währenddessen erhalten die 2.200 Beschäftigten der CFM, einem Tochterunternehmen der Charité und unter anderem verantwortlich für die Reinigung, nur Hungerlöhne. Ihre Gehälter liegen 30-40 Prozent unter Tarifniveau. Zu dem geringen Lohn der Beschäftigten kommt ein großer Zeit- und Leistungsdruck hinzu. Die Arbeit im Krankenhaus ist schwere körperliche Arbeit und der Zeitplan ist so eng, dass Abstriche gemacht werden müssen. Selbst Schüler*innen im Praktikum und Auszubildende müssen mit anpacken, anstatt etwas zu lernen. Diese zusätzlichen Arbeitskräfte sind von der Klinikleitung fest mit eingeplant. Dabei werden Verstöße gegen geltende Gesetze bewusst in Kauf genommen, denn viele Aufgaben dürfen von Auszubildenden und Praktikant*innen gar nicht erledigt werden.

2011 legten die Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH deshalb für dreizehn Wochen die Arbeit nieder. Doch der Streik wurde von der bürokratischen Führung der Gewerkschaft ver.di in eine Sackgasse geführt. Deswegen halten die Probleme bis heute an. Immer wieder gibt es kleinere Aktionen. Am 7. September diesen Jahres gab es einen eintägigen Warnstreik  Sie wollen eine Angleichung an den Tarifvertrag – aber auch mehr Personal, um durch die Einhaltung hygienischer Mindeststandards zusätzliche Infektionen verhindern. Heute findet der zweite Warnstreik in diesem Jahr für die Anpassung der Löhne und gegen Befristungen statt.

Aber auch die Gegenseite bleibt nicht passiv. Um die Streikbewegung zu schwächen wurden Logistikaufgaben an eine Fremdfirma vergeben. Zusätzlich dienen bürgerliche Medien immer wieder als Sprachrohr der Charité-Leitung. So behauptete Einhäupl letztes Jahr in einem Interview mit der Berliner Morgenpost, ein Streik der Pfleger*innen an der Charité würde den Patient*innen schaden. Dabei hatten die Pfleger*innen gestreikt, um für mehr Personal zu kämpfen. Dies würde die Versorgungsqualität der Patent*innen steigern. Den Patient*innen wirklich schaden tut die Sparpolitik der Berliner Senatsverwaltung und des Vorstandsvorsitzenden der Charité.

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