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Brand am Bahnhof Dahlem Dorf enthüllt erneut BVG-Missmanagement

Am Donnerstag herrschte Verkehrschaos in Dahlem. Ein nächtlicher Brand des mit Reet gedeckten Asia-Imbisses am U-Bhf. Dahlem Dorf brachte den Zugverkehr bis um 10:30 Uhr weitgehend zum Erliegen und löste ein Verkehrschaos aus - dessen Gründe allerdings tiefer liegen und zum Kern der Causa ÖPNV Berlin führen.

Brand am Bahnhof Dahlem Dorf enthüllt erneut BVG-Missmanagement

Der Mor­gen für die Studieren­den und Beschäftigten der Freien Uni­ver­sität Berlin war verkehrsmäßig katas­trophal. Alle fünf Minuten spuck­te ein U‑Bahn-Zug am Bahn­hof Bre­it­en­bach­platz Massen an Fahrgästen aus. Schon gewöh­nt sind die Fahrgäste die unzu­mut­bare Über­fül­lung der U3-Züge — statt den eigentlich möglichen Acht-Wagen-Zügen fahren (auch wenn keine Baustelle da ist) nur Sechs-Wagen-Züge und sog­ar viele soge­nan­nte Kurz­züge mit vier Wagen. Auch wer­den die Fahrgäste oft schon am Bre­it­en­bach­platz des Zuges ver­wiesen und müssen sich in den Fol­gezug quetschen, der weit­er Rich­tung Dahlem fährt. Am Don­ner­stag­mor­gen aber kam da nichts. Der Zugverkehr war zwis­chen Bre­it­en­bach­platz und Thielplatz voll­ständig unter­brochen. Zwis­chen Thielplatz und End­bahn­hof Krumme Lanke fuhr ein Pen­delzug hin und her. Und dazwis­chen?

Ganze fünf (externe) Großraum­tax­en hat­te das größte inte­gri­erte Verkehrsun­ternehmen Deutsch­lands aufzu­bi­eten. Kein Ersatzbus. Wer kon­nte und keine falschen Illu­sio­nen hat­te, ging zu Fuß. Auch ich schloss mich den Fußgänger*innen an — auf meinem Weg zu den Kolleg*innen vom Pen­delzug, die ich zur Pause ablösen sollte. Bei meinem Marsch vor­bei an den Insti­tu­tio­nen von Wis­senschaft und Forschung traf ich immer wieder ori­en­tierungslose Leute, denn die Infor­ma­tion der Fahrgäste war passend zum Ersatzverkehr erbärm­lich aus­gestal­tet. Zu dumm nur, dass auch wir BVG-Arbeiter*innen selb­st nicht ordentlich informiert wer­den.

Das The­ater, dass da gestern in Dahlem geschah und immer wieder an ver­schiede­nen Orten Berlins aufge­führt wird, ist eine Insze­nierung des BVG-Mis­man­age­ments unter der Regie der über­bezahlten Man­agerin Sigrid Nikut­ta, unter Schirmherrschaft des Berlin­er Sen­ats. Seit den 90er Jahren wird der Berlin­er ÖPNV kaputtges­part, wird die BVG nach der mark­twirtschaftlichen Dok­trin gegen die Wand gefahren (wie die gesamte öffentliche Daseinsvor­sorge).

Die BVG-Arbeiter*innen müssen das seit Jahrzehn­ten mit anse­hen. Lange kon­nte die Schieflage mit Ach und Krach ver­bor­gen wer­den. Doch die jahrzen­te­lan­gen Bemühun­gen von (schwarz-rot­er, rot-rot­er, rot-rot-grün­er) Lan­despoli­tik und BVG-Mis­man­age­ment kom­men inzwis­chen voll zur Ent­fal­tung. Das Prob­lem: Die Politiker*innen und die Missmanager*innen bekom­men den Mist für den sie ver­ant­wortlich sind gar nicht selb­st zu spüren. Die Fahrgäste und wir BVG-Arbeiter*innen sind die Betrof­fe­nen. Wir müssen es gemein­sam aus­baden. Und das führt dann leicht dazu, dass — während die Ver­ant­wortlichen sich im nagel­neuen Audi durch die Stadt chauffieren lassen — wir uns gegen­seit­ig an die Gurgel gehen. Auf dem Bahn­hof Krumme Lanke schimpfte eine zurecht verärg­erte Frau, die drin­gend zu Arbeit musste, zu unrecht mit ein­er Fahrerin.

In der durch Arbeitsverdich­tung, schlechte Behand­lung durch das Miss­man­age­ment und das tägliche Durcheinan­der gestressten Belegschaft wird unter uns natür­lich schnell der Fahrgast als Stören­fried wahrgenom­men. Ver­stärkt dadurch, dass natür­lich umgekehrt so manch­er Fahrgast die*den BVG-Arbeiter*in vor sich als die Verkör­pe­rung der BVG sieht und für sein Unglück ver­ant­wortlich macht. Das alles ist spal­ter­isch­er Quatsch, wo wir uns eigentlich in unser­er nur zu berechtigten Wut gegen diese Verkehrsver­hält­nisse zusam­men­schließen müssen.

In gewis­sem Sinne ist diese Iden­ti­fika­tion von uns Verkehrsarbeiter*innen mit dem Betrieb aber schon völ­lig richtig: Wir sind die Verkör­pe­rung der BVG, die kaputtgemacht wird. Es gibt keine BVG ohne uns. Es gibt keinen ÖPNV ohne tätige Belegschaft. Wen die BVG — die Arbeiter*innen und die Fahrgäste — nicht gebrauchen kann, sind die über­bezahlten Missmanager*innen.

Nicht nur wäre eine solche Scheiße wie gestern nicht passiert, wenn wir Arbeiter*innen den Laden selb­st in der Hand hät­ten. Tat­säch­lich ist eine zukun­fts­fähige BVG nur durch die Über­nahme des Betriebs als lan­de­seigen­em Betrieb durch uns Beschäftigte und Fahrgäste selb­st möglich. Raus mit den Chefs! Wir bewe­gen Berlin! Ret­tet unseren Nahverkehr!

#BVGkollek­tivieren

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