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Botanischer Garten: Beschäftigte machen ordentlich Krach

Am letzten Wochenende gab es einen Kunstmarkt, dieses Wochenende war es ein Weinfest. Egal aus welchem Grund die Besucher*innen den Botanischen Garten besuchten, an beiden Wochenenden bekamen viele von ihnen Flugblätter von den Kolleg*innen in den roten T-Shirts in die Hand gedrückt. Unterstützt wurden die Aktionen durch Beschäftigte des Technikmuseums, des Flughafen Tegel sowie durch Studierende der Freien Universität.

Botanischer Garten: Beschäftigte machen ordentlich Krach

Der Arbeitskampf am Botanischen Garten zieht sich mittlerweile seit 18 Monaten. Noch länger (41 Monate!) herrscht für die Kolleg*innen der Betriebsgesellschaft Botanischer Garten & Botanisches Museum (BGBM) ein tarifloser Zustand. Immerhin ca. 80 Beschäftigte betrifft das konkret. Klar, kein Vergleich zu Großbetrieben wie Amazon oder Siemens, die Auswirkungen eines möglichen Erfolgs sind sicher nicht vergleichbar. Und doch zeigen die Beschäftigten ähnlich wie die Amazon-Kolleg*innen eine beeindruckende Ausdauer. Doch nicht nur das. Auch die Führung des Arbeitskampfes lässt sich sehen. Denn sie treten immer wieder in die Öffentlichkeit. Ob vor dem Senat, an der Freien Universität oder auf SPD und Linkspartei. Auch mehrere Tageszeitungen haben das Thema mittlerweile des Öfteren aufgegriffen.

Letztlich wurde der Arbeitskampf durch die Streiks auch zum Wahlkampfthema für die Abgeordnetenhauswahlen im September. Prominente Unterstützung bekamen die Kolleg*innen bereits von Gregor Gysi persönlich, der sich als Unterstützer des Arbeitskampfes verewigt hat. Und auch die SPD hat auf ihrem Landesparteitag einen Antrag zum Botanischen Garten verabschiedet. Darin verspricht sie keine weiteren Auslagerungen bzw. Fremdvergaben zu Lasten der Beschäftigten im Botanischen Garten und der regierende Bürgermeister Michael Müller sprach selbst von „Fehlentscheidungen“ zu Lasten der Kolleg*innen. Darauf ruhen sich die Kolleg*innen aber keineswegs aus. Denn bisher bleibt es bei hohlen Wahlkampfphrasen – mehr kam zumindest bei den Streikenden nicht an. Ein Kollege sagte selbst, er sei „maßlos enttäuscht von dieser Partei“.

Verbindung zur Jugend

Von Anfang an haben die Kolleg*innen deutlich gemacht: Unterstützung von Studierenden ist ausdrücklich erwünscht. Studierende aus ihren konservativen Unisumpf zu holen ist zwar nicht einfach. Dennoch konnten immer wieder kleine Informationsveranstaltungen organisiert werden, es gab Campustouren durch die FU, während gestreikt wurde etc. Solidarität ist dabei keine Einbahnstraße. Als am 27. April Tausende Jugendliche unter dem Banner von „Jugend gegen Rassismus“ auf die Straße gingen, bekamen sie ausdrückliche Unterstützung von den Beschäftigten. Eine Soli-Erklärung, die auch am 1. Mai noch einmal von Lukas Schmolzi auf der 10 Uhr -Demo verlesen wurde. Inmitten dieser leider immer noch grauen Streikstimmung seitens der deutschen Arbeiter*innenklasse, wächst dort ein grüner Zweig. Auf diesen grünen Zweig müssen nun weitere Arbeiter*innen aufsteigen – die Lehrer*innen, die Kolleg*innen von Amazon und alle anderen Streikenden. Nicht immer ist die Tage ein Blick nach Frankreich notwendig, um sich für weitere Kämpfe zu motivieren – auch wenn die dortige Dynamik sicherlich ein beeindruckendes Beispiel der Macht der Arbeiter*innenklasse ist.

Wie kann der Streik gewonnen werden?

Natürlich wird dieser Arbeitskampf nicht zum Selbstläufer. Vielmehr muss es darum gehen, mehr Kolleg*innen in den Arbeitskampf zu bringen. Nicht nur vom Botanischen Garten, sondern auch alle anderen Kolleg*innen der FU. Denn das Lohndumping am Botanischen Garten ist nur eine Folge kapitalistischer Sparmaßnahmen. Die Lehrbeauftragten an der FU können davon ebenfalls ein Lied singen. Wenn wir verhindern wollen, dass die FU-Leitung weiter ihre Angriffe auf die Arbeiter*innen fahren kann, müssen wir nicht nur Angriffe abwehren. Vielmehr geht es darum, wer eigentlich Entscheidungen an der Uni treffen darf. Eine handvoll Bürokrat*innen hat momentan diese Gewalt. Einen Kampf gegen Angriffe seitens der Uni-Leitung zu führen, heißt auch diese Gewalt in Frage zu stellen und für demokratische Vollversammlungen aller Beschäftigten und Studierenden einzutreten. Denn kein*e Studierende*r hat ein Interesse an diesen Sparmaßnahmen. Schließlich wird das früher oder später auf uns alle zurückfallen. Die Arbeiter*innen vom Botanischen Garten zeigen uns vorbildhaft, wie ein solcher Kampf geführt werden kann.

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