Brot und Rosen

Berlin: Tausende gegen christliche Fundamentalist*innen und die Festung Europa [mit Fotos]

Während tausende Abtreibungsgegner*innen am Samstag in Berlin demonstrierten, stellten sich ihnen ebenfalls tausende Gegendemonstrant*innen entgegen und forderten die Ausweitung des Abtreibungsrechts. Parallel demonstrierten zudem fast 10.000 Menschen gegen rassistische Abschottungspolitik und für die Rechte von Geflüchteten.

Berlin: Tausende gegen christliche Fundamentalist*innen und die Festung Europa [mit Fotos]

Auf der Wiese vor dem Reichstag versammelten sich am Samstag laut Polizei 3.000 Menschen für den „Marsch für das Leben“. Die Katholische Nachrichten-Agentur meldete 7500 Teilnehmer*innen. Die Veranstaltung gegen das Recht auf Abtreibung fand schon zum 13. Mal statt. Es sollte ein „Schweigemarsch“ durch Berlin sein – doch die christlichen Fundamentalist*innen mit ihren weißen Kreuzen bekamen lautstarken Gegenwind auf fast jeder Straßenkreuzung. Überall gab es Gegendemonstrant*innen mit Trillerpfeifen, Schildern und satirischen Sprüchen. „Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“, war wohl der beliebteste Slogan.

Das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“, zu dem die Linkspartei und die Grünen gehören, organisierte eine Kundgebung am Brandenburger Tor mit mehreren hundert Teilnehmer*innen mit anschließender Demonstration. Zuvor kamen zu einer Demonstration des queer-feministischen Bündnisses „What The Fuck“ bis zu 2.000 Menschen. Hier führte die Polizei im Vorfeld Taschenkontrollen durch und konfiszierte „gefährliche Gegenstände“ wie Trillerpfeifen und Konfetti.

Während der Demo standen konservativ angezogene junge Frauen am Rand des „Marsches für das Leben“ und verteilten Flyer. Auf den Faltblättern sah man Babys und Wiesen und schwangere heterosexuelle Paare – ganz die Ästhetik der christlichen Fundamentalist*innen. Aber aufgepasst! In ihrem Text ging es darum, dass man sich für ein „lebenswertes Leben“ einsetzen soll, in dem alle Menschen gleiche Rechte haben. Auf der Rückseite des Flyers stand ein Gedicht von Kurt Tucholsky.

Aufgrund von zahlreichen kleinen Blockaden musste der „Marsch für das Leben“ immer wieder anhalten und die geplante Route erheblich verkürzen. Nach einer sehr kurzen Strecke durch die Innenstadt waren die Abtreibungsgegner*innen wieder vor dem Reichstag.

Vier katholische Bischöfe nahmen an der Demonstration teil, und der Bundestagspräsident Norbert Lammert und weitere Bundestagsabgeordnete schickten ein schriftliches Grußwort – ein Zeichen, wie verwoben die CDU bisweilen mit dem ultrarechten Spektrum ist.

Die Abtreibungsfeind*innen, die mehrheitlich aus dem evangelikalem Spektrum kamen, sprachen sich gegen Pränatal-Diagnostik aus. Einzelne Schilder relativierten den Holocaust, in dem sie freiwilligen Schwangerschaftsabbruch mit Euthanasie verglichen. Aber die große Mehrheit trug nur die vorgefertigten Schilder, die eine „Willkommenskultur für Babys“ und ähnliches forderte.

Gegen den Rassismus, der in dieser Forderung mitschwingt, stellte sich am Nachmittag auch eine weitere Demonstration. Laut Veranstalter*innen demonstrierten bis zu 10.000 Menschen bei der „We’ll come united“-Demo gegen die Festung Europa und für gleiche Rechte für Geflüchtete.

Mit den Demonstrationen gegen den „Marsch für das Leben“ und für die Rechte von Geflüchteten zeigte der heutige Tag, dass eine neue feministische und antirassistische Bewegung auf Berlins Straßen entstehen könnte. Junge Menschen – Männer, Frauen und andere Geschechter, teils ganz schwarz angezogen, teils sehr bunt – stellten sich den Fundis mit Freude und Leidenschaft in den Weg. „Wir wollen ein Recht auf Abtreibung“, hieß es auf dem Flugblatt von Brot und Rosen, „aber auch noch viel Mehr!“

Die Reaktion hat Angst vor weiblicher Selbstbestimmung. Sie haben Angst, dass Frauen ihre Sexualität ausleben können, ohne dafür mit einer ungewollten Schwangerschaft bestraft zu werden. Sie haben Angst, dass Frauen aufhören, unentgeltlich Reproduktionsarbeit zu leisten und in den „typischen Frauenberufen“ weniger Geld zu verdienen.

Das Kapital und das Patriarchat bilden ein mörderisches Bündnis. Wenn wir für Gleichberechtigung kämpfen wollen, müssen wir gegen den Kapitalismus kämpfen. Mit dieser Vision sind wir von der Revolutionären Internationalistischen Organisation (RIO) zusammen mit der Revolutionär-Kommunistischen Jugend (RKJ) und der Antirassistischen Bewegung Weißensee (ARBW) auf die Straße gegangen. Wir brauchen einen klassenkämpferischen und antirassistischen Feminismus, um gegen die Rechte, die Kirchen, gegen das Kapital und gegen die Festung Europa zu kämpfen.

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