Unsere Klasse

Befristungen zurückschlagen!

AMAZON: Während der Kampf um den Tar­ifver­trag weit­erge­ht, wehren sich fünf mutige Betrieb­sratsmit­glieder gerichtlich gegen Befris­tun­gen.

Befristungen zurückschlagen!

// AMAZON: Während der Kampf um den Tar­ifver­trag weit­erge­ht, wehren sich fünf mutige Betrieb­sratsmit­glieder gerichtlich gegen Befris­tun­gen. //

Für multi­na­tionale Konz­erne wie Ama­zon ist Deutsch­land in viel­er­lei Hin­sicht ein El Dora­do: ein riesiger Bin­nen­markt, Sub­ven­tio­nen en masse, und durch Hartz-IV-Schikane und Job­cen­ter-Erpres­sung gefügig gemachte – und noch dazu bil­lige – Arbeit­skräfte. Die Regierung Schröder/Fischer hat mit der Agen­da 2010 ein neues deutsches Akku­mu­la­tion­s­mod­ell geschaf­fen: beruhend auf Befris­tung, Lei­har­beit, drakonis­chen Sank­tio­nen für Jobcenter-„KundInnen“, und das alles im Herzen der hochtech­nisierten deutschen Wirtschaft.

Für die lohn­ab­hängige Klasse hinge­gen bedeutete die Agen­da 2010 einen in der Nachkriegszeit beispiel­losen Zer­fall ihrer Lebens­be­din­gun­gen. Ver­bun­den mit der Kapit­u­la­tion der Gew­erkschafts­führun­gen vor der Agen­da 2010 erwuchs daraus ein Ein­bruch des gew­erkschaftlichen Organ­i­sa­tion­s­grads. Eine neue Gen­er­a­tion prekär Beschäftigter ent­stand, die nicht nur nichts anderes kan­nte als Befris­tung, Lei­har­beit und Hunger­löhne, son­dern die auch noch nie einen Arbeit­skampf, geschweige denn einen Sieg, miter­lebt hat­te.

Eine neue Generation

Also wirk­lich alles goldig für Ama­zon und Co.? Nicht ganz. Denn in den let­zten Jahren rüt­teln immer mehr prekär beschäftigte Kol­legIn­nen an den Grund­festen dieses Akku­mu­la­tions- und Aus­beu­tungsmod­ells. Oft ohne vorherige Kampfer­fahrung, mit niedri­gen Organ­i­sa­tion­s­graden und ohne den Rück­halt fes­ter Arbeitsver­hält­nisse sind sie dabei häu­fig mit UnternehmerIn­nen kon­fron­tiert, die auf die max­i­male Abpres­sung des Mehrw­erts bauen und dabei jeglich­es Hin­der­nis – wie gew­erkschaftliche Organ­isierung im Betrieb – aus dem Weg räu­men wollen. Doch nichts­destotrotz sagen immer mehr prekär Beschäftigte: „Es reicht!“. Diesen Mut, diese Klassen­moral kann man gar nicht über­schätzen.

Beson­ders die radikale Linke in Deutsch­land, die lange schon die Vorstel­lung der Arbei­t­erIn­nen­klasse als Sub­jekt des Kampfes aufgegeben hat, muss es nun begreifen: Vor unseren Augen entste­ht eine neue Gen­er­a­tion von KämpferIn­nen – anfänglich, mit vie­len Gren­zen und ohne viel Erfahrung, doch mit Mut und Entschlossen­heit. Die Gew­erkschaft­sap­pa­rate sind dabei häu­fig eher Hin­der­nis als Hil­fe im Kampf. Umso notwendi­ger, dass Rev­o­lu­tionärIn­nen Per­spek­tiv­en von Koor­dinierung und Selb­stor­gan­i­sa­tion in diese Auseinan­der­set­zun­gen hinein­tra­gen.

Eine neue Stufe

Beson­ders aus­dauernd kämpfen die Beschäftigten von Ama­zon. Seit nun­mehr zwei Jahren kämpfen sie für einen Tar­ifver­trag, der bessere Löhne, mehr Urlaub, mehr Wei­h­nachts­geld und ein Ende von Befris­tung und gren­zen­los­er Überwachung bedeuten würde. Zu Ostern schlu­gen die Ama­zon-Kol­legIn­nen ein neues Kapi­tel in ihrer Streikgeschichte auf: Nicht nur streik­ten sie erst­mals in Leipzig und Bad Hers­feld aus dem laufend­en Betrieb her­aus (also ohne vorherige Ankündi­gung), son­dern sie streik­ten auch gemein­sam mit ihren Kol­legIn­nen der Deutschen Post/DHL.

Der Kampf der Ama­zon-Kol­legIn­nen braucht diese neue Stufe der Koor­di­na­tion und Verbindung mit anderen Arbei­t­erIn­nen. Das Sig­nal wäre klar: Gemein­sam lassen sich Befris­tung, Lei­har­beit und Hunger­löhne zurückschla­gen. Die Forderung nach einem Tar­ifver­trag bei Ama­zon ist deshalb nicht ein­fach so eine ökonomis­che Forderung, son­dern ein Grund­stein zur Verän­derung der Kräftev­er­hält­nisse der Klassen im impe­ri­al­is­tis­chen Zen­trum.

Für Entfristung kämpfen!

Während die Ama­zon-Beschäftigten an sechs Stan­dorten für einen Tar­ifver­trag kämpfen, ist der Organ­i­sa­tion­s­grad am Stan­dort Briese­lang bei Berlin noch zu niedrig für einen Streik. Das heißt aber nicht, dass die dor­ti­gen Kol­legIn­nen sich kampf­los dem Willen der Geschäfts­führung beu­gen. Im Gegen­teil: Sie ver­suchen auf ihre Weise, an den Kräftev­er­hält­nis­sen zu drehen. Gemein­sam mit dem Berlin­er Sol­i­dar­ität­skreis für die Beschäftigten bei Ama­zon organ­isieren sie seit Monat­en eine Kam­pagne gegen Befris­tung, dem gravierend­sten Prob­lem und Hin­der­nis für gew­erkschaftliche Organ­isierung in Briese­lang.

Schon im Dezem­ber, kurz vor Neu­jahr, hat­te die Geschäfts­führung mehr als 900 befris­tete Verträge nicht ver­längert. Im Jan­u­ar fol­gte dann das Ende des Arbeitsver­trags für weit­ere 45 Kol­legIn­nen. Unter ihnen sind auch fünf Betrieb­sratsmit­glieder, die sich dage­gen vor dem Arbeits­gericht wehren. Die näch­sten Gericht­ster­mine ste­hen am 28. Mai und 24. Juni an. Dort wollen die Beschäftigten gemein­sam mit dem Sol­i­dar­ität­skreis wie schon zuvor laut­stark sagen: Es reicht! Ent­fris­tung jet­zt! Dabei wollen sie auch für die mehr als 200 Kol­legIn­nen kämpfen, deren Verträge bis zum 30. Juni befris­tet sind.

Eine mas­sive Kam­pagne gegen Befris­tung bei Ama­zon, unter­stützt von der haupt­städtis­chen Linken und von gew­erkschaftlichen Basisor­gan­i­sa­tio­nen, wäre ein großer Schritt zur Ver­bre­iterung der Streik­front. Denn ein Sieg vor dem Arbeits­gericht, ver­bun­den mit ein­er Bewe­gung im Betrieb, die sich gegen die skan­dalöse Befris­tung­sprax­is stellt, kön­nte den Boden dafür bere­it­en, dass auch Briese­lang bald in den Streik tritt. Gemein­sam müssen wir dem Mod­ell Ama­zon den Kampf ansagen!

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