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Bayern: „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“

In München demonstrieren Tausenden Beschäftigte im TVöD aus ganz Südbayern für mehr Geld. Viele fordern dazu aber auch bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Morgen findet in Nürnberg der nächste Warnstreik statt.

Bayern: „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“

Schon gegen neun Uhr war vor dem Münchner Gewerkschaftshaus kaum noch ein Durchkommen. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren mehrere tausend Menschen vor Ort. Insgesamt streikten in Südbayern rund 8000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Kommunen und des Bundes. Während die Beschäftigten am Münchner Flughafen dort ihre Kundgebung abhielten, zogen 7.500 Kolleg*innen aus dem Allgäu, Schwaben, Oberbayern, der Oberpfalz und München durch die Innenstadt zum Marienplatz. Sie bildeten damit die größte Demonstration in der Geschichte der Gewerkschaft ver.di in München seit ihrer Gründung 2001.

Die Demonstration führten die bei der ver.di-Jugend organisierten Azubis an. Lautstark und kreativ forderten sie unter anderem die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Während die Arbeitgeber an der Akademie des städtischen Klinikums mit der Ansetzung von Prüfungen und der Androhung von Repressalien die Streikbeteiligung zu drücken versucht hatten, skandierten die betroffenen Azubis selbstbewusst: „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“ Sie bieten den störrischen Arbeitgebern die Stirn, indem sie auch morgen weiter streiken. Ab acht Uhr werden sie morgen von der Akademie zum Sitz der Geschäftsführung ziehen.

Für die ver.di-Jugend sprach unter anderem Maximilian Kadach, selbst Pflege-Azubi beim Städtischen Klinikum München. Er klagte die Blockadehaltung der Arbeitgeber in den Verhandlungen an, machte aber auch darauf aufmerksam, dass genug Geld da ist, um alle Forderungen zu erfüllen:

„Lieber verpflichten sie sich die Militärausgaben für das Nato-Bündnis auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Das wären 2024 75 Milliarden Euro nur für die Militärausgaben Deutschlands. Und wir Azubis fordern nur 50 Euro Lehrmittelzugabe für die Pflege. Und das soll nicht gehen? Wollt ihr uns eigentlich verarschen?“

Das Thema der prekären Situation in der Pflege war auch im Demonstrationszug auf vielen Schildern und Transparenten sichtbar. Die Initiative „Bessere Pflege München“ forderte auf einem Transparent, dass den Versprechungen für mehr Anerkennung der Pflegeberufe handfeste Konsequenzen folgen müssen, nämlich mehr Geld und Personal.

Die Auswirkungen des Streiks waren in der ganzen Stadt deutlich zu spüren. Nur zehn Prozent der Mülltonnen wurden geleert, die Wertstoffhöfe blieben genauso geschlossen wie vier der Bäder der Münchner Stadtwerke. Alleine die Lufthansa musste in München 280 Flüge streichen. Deutlich mehr als die Hälfte der städtischen Kitas öffneten nicht. In mehreren Kliniken wurde in insgesamt zehn OP-Sälen heute streikbedingt nicht operiert. Die Abendvorstellung in den Kammerspielen wurde ersatzlos abgesagt.

Vor der dritten Verhandlungsrunde um den TVöD in der kommenden Woche haben die Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Bayern so Stärke demonstriert. Am morgigen Mittwoch gehen die Streiks für die Beschäftigten in Nordbayern weiter. Zwar stellen sich die Verhandlungsführer*innen der Arbeitgeberseite weiterhin stur. Doch die Beschäftigten sind ebenso beharrlich. Als der ver.di-Geschäftsführer für München, Heinrich Birner, von der Bühne fragte, wer bereit sei weiter zu streiken, gingen auf dem Marienplatz alle Hände nach oben.

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