Frauen und LGBTI*

Wolf Down: Bandauflösung nach Bekanntwerden sexualisierter Übergriffe

Am gestrigen Mittwoch tauchte ein Beitrag im Internet auf, in dem zwei betroffene Frauen* ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt beschreiben. Verantwortlich für die Gewalt war der Gitarrist der deutschen Hardcore-Punk-Band Wolf Down. Heute morgen löste sich die Band infolge des Outings auf. Eine Betroffene beschreibt die Band, die sich sonst sozialkritisch gibt und in linken Kreisen unterwegs ist, schlichtweg als sexistischen Männerbund.

Wolf Down: Bandauflösung nach Bekanntwerden sexualisierter Übergriffe

Sex­u­al­isierte Gewalt bis hin zu Verge­wal­ti­gun­gen sind in Deutsch­land alltäglich. Im Jahr 2016 wurde sog­ar ein Anstieg von Verge­wal­ti­gungs­de­lik­ten und sex­ueller Nöti­gung von bis zu zwölf Prozent im Ver­gle­ich zu 2015 verze­ich­net – und das sind nur die angezeigten Fälle. Dabei wer­den Betrof­fene oft genug selb­st zu Mitschuldigen erk­lärt oder sog­ar der Lüge bezichtigt, wenn sie solche Fälle öffentlich machen, wie der Fall von Gina-Lisa Lohfink im let­zten Jahr gezeigt hat.

Der aktuelle Fall um den Gitar­ris­ten von Wolf Down zeigt, dass die poli­tis­che Linke auch nicht frei davon ist. Immer­hin beze­ich­nen sich Wolf Down selb­st als Band, die den „Tier­be­freiungs­gedanken“ sowie „antifaschis­tis­che und anar­chis­tis­che Mes­sages“ ver­bre­it­en. Auch Auftritte auf linken Fes­ti­vals waren für die Band alltäglich. Doch von Verge­wal­ti­gungsvor­wür­fen wollte der Gitar­rist Tobias offen­bar nichts hören.

Rechtfertigung statt Einsicht

In dem Beitrag beschreiben die betrof­fe­nen Frauen immer wieder von nicht-kon­sen­sualen sex­uellen Hand­lun­gen. Dabei hat ihnen Tobias teil­weise jede Möglichkeit genom­men, über­haupt zuzus­tim­men oder die fehlende Zus­tim­mung schlichtweg ignori­ert oder umgedeutet. Sie beschreiben auch die patri­ar­chalen Macht­struk­turen in het­ero­sex­uellen Beziehun­gen, die beson­ders Frauen oft in Abhängigkeit­spo­si­tio­nen brin­gen und ihre Hand­lungsspiel­räume mas­siv ein­schränken. Als sie ihn auf die Vor­würfe ange­sprochen haben, reagierte der Gitar­rist vor allem mit recht­fer­ti­gen­den Äußerun­gen, wie “als bayrisch­er dor­fjunge hat mir nie­mand etwas über kon­sens beige­bracht”. Auch dem Schlagzeuger Sven wer­den dabei schwere Vor­würfe gemacht. Mit­tler­weile hat auch die ehe­ma­lige Sän­gerin der Band Laris­sa Stu­par auf face­book von ihren Erfahrun­gen mit Sven berichtet.

Recht­fer­ti­gung­sti­raden sind längst kein Einzelfall. Let­ztlich sind es Ver­suche, die Tat­en zu rel­a­tivieren. Die geringe Zahl von Anzeigen geschweige denn Verurteilun­gen von Verge­wal­ti­gun­gen sind dabei ein Aus­druck ein­er ins­ge­samt sex­is­tis­chen Gesellschaft, in der patri­ar­chale Gewalt geschützt und die Unter­drück­ung von Frauen* gerecht­fer­tigt wird. Eine Unter­drück­ung, die – wie auch im Beitrag beschrieben — zu psy­chis­chen Prob­le­men bis hin zu Suizidgedanken führen kann. Unsere Sol­i­dar­ität gilt den drei Frauen und allen Betrof­fe­nen, machis­tis­ch­er, sex­u­al­isiert­er Gewalt.

In dem Sinne kön­nen wir uns den Forderun­gen der bei­den Betrof­fe­nen nur anschließen:

GEMEINSAM fordern wir bei­de, dass wolf down die kon­se­quen­zen aus diesem out­ing ziehen, wie auch immer diese ausse­hen wer­den. klar ist für uns, dass wir sie danach bew­erten wer­den, wie sie auf dieses out­ing reagieren. wir haben die geduld mit mack­ern, sex­is­ten und verge­waltigern ver­loren. soll­ten wolf down ver­suchen, sich beziehungsweise das ver­hal­ten einiger ihrer mit­glieder zu recht­fer­ti­gen oder abzus­tre­it­en, oder gar die anschuldigun­gen schlichtweg zu ignori­eren, wer­den sie nicht ungestört bleiben.

Der gesamte Out­ing-Beitrag ist hier nachzule­sen.

Als Kon­se­quenz auf das Out­ing erk­lärte die Band heute Mor­gen auf Face­book ihre Auflö­sung:

2 thoughts on “Wolf Down: Bandauflösung nach Bekanntwerden sexualisierter Übergriffe

  1. Jeff sagt:

    Bezüglich Gina Lisa ist das nicht wirk­lich dein Ernst, oder?
    Hast du Beweise in pet­to, die ihre Unschuld ein­wand­frei ent­las­ten? Sim­ple Antwort, bitte.

  2. Jeff sagt:

    *die sie ein­wand­frei ent­lastet

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