Deutschland

Autos, Bier und Bundesliga wichtiger als zweite Welle verhindern

Autos zu verkaufen ist wichtiger als Menschenleben zu retten. Das ist die Botschaft der bayerischen Landesregierung. Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen im ganzen Land zeigen die Absurdität eines auf Profit orientierten Wirtschaftssystems.

Autos, Bier und Bundesliga wichtiger als zweite Welle verhindern

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger weiß, worauf es in Zeiten einer Pandemie ankommt – Bier trinken und Autos kaufen. So verkündete er bei der gestrigen Pressekonferenz zur Lockerung der Corona-Maßnahmen:

Es ist höchste Zeit, dass wir dem Patienten Wirtschaft wieder die Infusion geben, die er braucht. Die Infusion ist ein zirkulierender Geschäftsbetrieb, ist das Einkaufsverhalten der Bevölkerung. Wer zuhause in der Wohnung sitzt und nicht raus darf, der kauft auch kein neues Auto, wenn man wieder raus darf, wenn man wieder in den Biergarten gehen darf, wenn man wieder seine Freunde treffen darf, wenn man wieder zur Oma fahren darf, dann kauft man auch wieder ein neues Auto. Wir öffnen Handel und Gastronomie mit der Perspektive, die Autoindustrie wieder anzuwerfen.

Auch die Regierungen weiterer Bundesländer verkündeten weitreichende Lockerungen für die nächsten Tage und Wochen. Zwar sollen einige Kontaktbeschränkungen aufrechterhalten bleiben, aber Hotels, Bars, Restaurants, Geschäfte oder Kitas sollen nach und nach öffnen. Sogar die Schüler*innen sollen schrittweise wieder in ihre Klassenzimmer zurückkehren. Während Sport mit Körperkontakt in Deutschland verboten bleibt, soll die Fußball-Bundesliga noch im Mai wieder starten. Dafür sollen die Spieler regelmäßigen Tests unterzogen werden.

So wünschenswert Massentests für alle wären, auch diejenigen ohne Symptome, so zeigt das Beispiel der Bundesliga den ganzen Irrsinn: Viele Beschäftigte aus gefährdeten und systemrelevanten Berufsgruppen wie Verkäufer*innen im Supermarkt bekommen keine regelmäßigen Tests, hochbezahlte Fußballer schon – Hauptsache die TV- und Sponsoren-Gelder stimmen.

Das gefährliche Spiel mit der zweiten Welle

Wer die Lockerungen betrachtet, könnte meinen, der Corona-Virus sei bereits besiegt. Vergessen scheinen die über 250.000 bestätigten Todesfälle weltweit und 7.000 in Deutschland. Bisher waren die Kapazitäten in den Krankenhäusern noch nicht überlastet. Ein zweiter größerer Ausbruch könnte auch hier Bilder erzeugen, wie in Norditalien oder New York.

In einer Prognose warnte der Epidemiologie Michael Osterholm von der Universität von Minnesota vor einer möglichen zweiten Corona-Welle, welche die bisherigen Infektionen bei Weitem in den Schatten stellen würde.

Die Lockerungen sind ein riesiges Menschenexperiment, das Tausende Tote in Kauf nimmt, um die Profite aus Bereichen wie dem Profifußball und der Automobilindustrie zu sichern, die für das tägliche Leben völlig irrelevant sind. Bevor nicht regelmäßig, flächendeckende Tests stattfinden und jede Infektionskette nachvollziehbar ist, ist ein Hochfahren der Wirtschaft unverantwortlich.

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