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Autonome Ästhetik: G20 als Holi-Festival?

#KGKcamp: "Colour the Red Zone" hieß es in einem Aufruf der Interventionistischen Linken (IL) zu den G20-Protesten. Mit verschiedenfarbigen "Fingern", also Demonstrationszügen, die in blauen, roten, grünen oder lilanen Klamotten liefen, sollte das Sperrgebiet, die Rote Zone Hamburgs, durchbrochen werden. Von seiner Ästhetik her erinnert das an ein Holi-Festival. Die Demonstration als große Party. Diese Ästhetik wurde auf einem Workshop auf dem Sommercamp von Klasse Gegen Klasse kritisiert.

Autonome Ästhetik: G20 als Holi-Festival?

Diese Auf­machung ist nicht nur reine Tak­tik, etwa um die “Fin­ger” bess­er koor­dinieren zu kön­nen. Auf einem Work­shop beim Som­mer­camp von Klasse gegen Klasse sprach  Mar­co Blech­schmidt über die Hin­ter­gründe von autonomer Ästhetik. Anhand von Videos und Bildern hoben er ihre zen­trale These her­vor: Da sich autonome Strö­mungen nicht auf die Arbeiter*innenklasse als rev­o­lu­tionäres Sub­jekt beziehen, set­zen sie auf eine gesicht­slose Masse als kämpferische Akteur*innen.

Egal ob Arbeiter*in oder nicht, während der poli­tis­chen Aktion wer­den sie zur “Mul­ti­tude”, zum poli­tis­chen Sub­jekt von Toni Negri und Michael Hardt – eine Strate­gie, die let­ztlich darauf verzichtet, Arbeiter*innen in ihren Betrieben zu organ­isieren.

Auf einem Video zur Hafen­block­ade des Ums-Ganze-Bünd­nis bei G20 läuft ein Demon­stra­tionszug an einem LKW vor­bei und der Fahrer grüßt sol­i­darisch mit der Faust. Aber in der anony­men Masse der Demon­stra­tion gibt es keine Bezugsper­son, der sich der LKW-Fahrer anschließen kön­nte.

In der autonomen Ästhetik ste­ht nicht eine Klasse im Mit­telpunkt, son­dern alles kann anonymisiert Teil ein­er Aktion sein. Entsprechend wer­den Ref­eren­zen auf die Arbeiter*innenbewegung iro­nisiert und ver­fremdet, um eine Dis­tanz aufzubauen. Auf einem Bild zur Münch­n­er Rätere­pub­lik sind Bar­rikaden zu sehen. Wo sind die Men­schen dahin­ter? So wird die Insze­nierung selb­st zum Zweck, zum “Statthal­ter ein­er besseren Prax­is” (Adorno), ohne die Ver­hält­nisse dahin­ter mit einzubeziehen.

Die Aktio­nen, zu denen die IL mit “Colour the Red Zone” aufrief, erre­icht­en das Sper­rge­bi­et. Dort wur­den sie mit mas­siv­er Polizeige­walt zurückge­drängt. Hier zeigte sich, dass ihre Demos keine Par­tys, son­dern wichtige poli­tis­che Aktio­nen waren.

Um gegen die Repres­sion und die G20 effek­tiv­er vorzuge­hen, müssen wir die organ­isierte Arbeiter*innenklasse ein­beziehen. Den Kap­i­tal­is­mus wer­den wir nicht mit einem Holi-Fes­ti­val, son­dern mit einem Auf­s­tand stürzen.

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