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Australien brennt – doch die Regierung leugnet den Klimawandel

Während Australien brennt, mehr als eine Milliarde Tiere durch die Feuer getötet werden und die Landschaft verwüstet wird, leugnet die australische Regierung den Zusammenhang zwischen den Buschfeuern und dem Klimawandel.

Australien brennt – doch die Regierung leugnet den Klimawandel

Bild: Matthew Abbott/The New York Times via Redux

Nach­dem die schreck­lichen Buschbrände in Aus­tralien Bericht­en zufolge mehr als eine Mil­liarde Säugetiere, Vögel und Rep­tilien getötet haben, bestre­it­et die aus­tralis­che Regierung weit­er die Verbindung des mas­siv­en Feuers mit dem Kli­mawan­del. Scott Mor­ri­son, der Pre­mier­min­is­ter, und sein Min­is­ter für Energie- und Emis­sion­sre­duzierung, Angus Tay­lor, weigerten sich, einen sin­nvollen Ansatz zur Reduzierung der Emis­sio­nen zu ver­fol­gen. Sie tat­en dies, obwohl UN-Wissenschaftler*innen den Zusam­men­hang zwis­chen Kli­mawan­del und Brän­den und der immensen Belas­tung des Lebens und der Nar­ben­bil­dung in den einst üppi­gen Wäldern bestätigt haben. Die vorsät­zliche Igno­ranz dieser Regierung hat Aus­tralien viele Men­schen­leben gekostet und wird die Welt noch viel mehr kosten, wenn es keine mächtige Oppo­si­tion auf der ganzen Welt gegen Mor­ri­son, Trump und die Klimawandelleugner*innen gibt.

Das Leiden der Tiere

Ein Bericht über die Brände hat ergeben, dass über eine Mil­liarde Tiere in den aus­tralis­chen Wäldern lebendig ver­bran­nt waren. Viele Wissenschaftler*innen glauben, dass von dieser Mil­liarde wahrschein­lich viele unent­deck­te Arten waren, die jet­zt aus­gestor­ben sind. Viele Tiere wur­den auch ver­let­zt, mussten schmerzhafte Ver­bren­nun­gen ertra­gen und haben nun wenig Heimat, in die sie zurück­kehren kön­nen.

Bilder von verkohlten Kän­gu­rukör­pern taucht­en auf, einige von ihnen in Zäunen gefan­gen. Andere waren zu langsam, oder ihre Müt­ter waren gezwun­gen, sie zurück­zu­lassen. Aber diese unschuldigen Krea­turen kamen nicht wegen ihrer eige­nen Schwäche um, son­dern wegen der konz­ertierten Dis­tanziertheit der Täter*innen, näm­lich der Bour­geoisie und der kap­i­tal­is­tis­chen Regierun­gen, die sich geweigert haben, die Ursache der Massen­brände zu bekämpfen: den Kli­mawan­del, der durch die Emis­sio­nen fos­siler Brennstoffe verur­sacht wird. Der Wider­stand der aus­tralis­chen Regierung dage­gen, einen ehrgeizigeren Ansatz bei der Reduzierung der Emis­sio­nen zu ver­fol­gen, ist der Zynis­mus, der ein Feuer dieser Größenord­nung entste­hen ließ — und sie für den erhe­blichen Schaden ver­ant­wortlich macht.

Vorgetäuschte Unwissenheit

Trotz ein­er drei­jähri­gen Dürre, die diesen his­torisch mas­siv­en Brän­den voraus­ging, weigern sich Scott Mor­ri­son und Angus Tay­lor, den Zusam­men­hang zwis­chen dem Kli­mawan­del und den Brän­den anzuerken­nen. Sie gehen sog­ar so weit zu argu­men­tieren, dass sie für die Erre­ichung ihres Ziels, die Emis­sio­nen bis 2020 zu reduzieren, Anerken­nung ver­di­enen. Im let­zten Inter­view des Pre­mier­min­is­ters wollte er sich höch­stens zu ein­er “offe­nen Unter­suchung” der Brände verpflicht­en, aber er ver­säumte es dabei, wesentliche Änderun­gen in der Wirtschaft­spoli­tik vorzuschla­gen, die den Kli­mawan­del bee­in­flussen.

Obwohl die aus­tralis­che Regierung ihre Emis­sion­sziele erre­icht hat, hat sie es ver­säumt, einen wesentlichen Beitrag zur Bekämp­fung des Kli­mawan­dels zu leis­ten (was darauf hin­deutet, dass größere Maß­nah­men zur Eindäm­mung weit­er­er Tragö­di­en notwendig sind). UN-Wissenschaftler*innen haben wieder­holt bestätigt, dass größere Brände auf höhere Tem­per­a­turen zurück­zuführen sind. Aus­tralien hat­te im Jahr 2019 Reko­rdtem­per­a­turen erlebt. Der Zusam­men­hang zwis­chen dem Kli­mawan­del und den Brän­den, die Aus­traliens Tier­welt ver­nicht­en, ist unbe­stre­it­bar.

Umweltverschmutzung und die australische Wirtschaft

Die aus­tralis­che Regierung hat deut­lich gemacht, dass sie den Schutz des pri­vat­en Prof­its als Grund für ihre Zurück­hal­tung sieht, wirk­lich zur Eindäm­mung des Kli­mawan­dels beizu­tra­gen. Aus­tralien ist der weltweit größte Expor­teur von Flüs­sig­gas und ein wichtiger Expor­teur von Kohle. Nur von den Vere­inigten Staat­en übertrof­fen, pro­duziert Aus­tralien auch die meis­ten Kohlen­stof­fe­mis­sio­nen pro Kopf der Welt. Eine Reduzierung der Emis­sio­nen in dem Maße, wie es notwendig ist, um der glob­alen Erwär­mung ent­ge­gen­zuwirken und eine weit­ere Kli­makatas­tro­phe zu ver­hin­dern, würde drastis­che Verän­derun­gen in den Prak­tiken der aus­tralis­chen Großun­ternehmen, ins­beson­dere in der Öl- und Kohlein­dus­trie, erfordern; solche Verän­derun­gen wür­den jedoch zweifel­los die Gewinne behin­dern und die materiellen Inter­essen der aus­tralis­chen Unternehmen direkt in Frage stellen.

Am 31. Dezem­ber sagte Tay­lor, dass “es in den meis­ten Län­dern nicht akzept­abel ist, eine Poli­tik der Emis­sion­sre­duzierung zu betreiben, die die Leben­shal­tungskosten erhe­blich erhöht, Arbeit­splätze ver­nichtet und das Wach­s­tum behin­dert”. Aber er erk­lärte nicht, wie diese Poli­tik der aus­tralis­chen Bevölkerung schaden würde. Vielle­icht glauben sie, dass sie gezwun­gen sein wer­den, höhere Steuern zu zahlen, und dass die Unternehmen gezwun­gen sein wer­den, die Steuern auf bes­timmte Pro­duk­te zu erhöhen. Wenn man es so for­muliert, wird die aus­tralis­che Regierung jedoch dargestellt, als prak­tizierten sie altru­is­tis­che Zurück­hal­tung, die für die Men­schen vorteil­haft ist. Doch es sind nicht die arbei­t­en­den Men­schen, die besteuert wer­den müssen. Obwohl es nicht aus­re­icht, das The­ma voll­ständig anzuge­hen, kön­nte ein Schritt darin beste­hen, die ver­ant­wortlichen Unternehmen, wie z.B. die Flüs­sig­ga­sun­ternehmen, zu besteuern und zu reg­ulieren. Die Regierung wird dies jedoch nicht tun, da sie auf das Wach­s­tum dieser Unternehmen fix­iert ist, auch wenn ihr Wach­s­tum mit steigen­den Tem­per­a­turen und mas­siv­en Brän­den kor­re­liert.

Eine strik­te Emis­sion­sre­duzierung würde in der Tat die Gewinne der größten aus­tralis­chen Unternehmen für fos­sile Brennstoffe schmälern. Aber es ist völ­lig zynisch zu sagen, dass diese Maß­nah­men der aus­tralis­chen Bevölkerung schaden wür­den. Im Gegen­teil, nur so lassen sich noch mehr tödliche und zer­störerische Brände, Dür­ren und Hitzewellen ver­mei­den, die Aus­traliens Arbeiter*innen, Arme und Indi­gene am härtesten tre­f­fen. Größere Emis­sion­sre­duk­tio­nen kön­nen ohne Steuer­erhöhun­gen für die aus­tralis­che Arbeiter*innenklasse erre­icht wer­den. Hohe Steuern für die Reich­sten des Lan­des und die Ver­staatlichung der Unternehmen für fos­sile Brennstoffe wür­den die notwendi­gen Ressourcen für eine drastis­che Reduzierung der Emis­sio­nen erzeu­gen. Dies würde auch einen raschen Über­gang zu erneuer­baren Energien und zur Bere­it­stel­lung von kosten­los­er oder kostengün­stiger Energie für die aus­tralis­che Bevölkerung ermöglichen. Tat­säch­lich haben viele Australier*innen argu­men­tiert, dass der derzeit­ige Man­gel an Reg­ulierung ihre Energierech­nun­gen nur erhöht hat.

Der Wider­stand gegen eine aggres­si­vere Reduzierung der Emis­sio­nen verdeut­licht auch den kurzsichti­gen Charak­ter kap­i­tal­is­tis­ch­er Regierun­gen, die lieber dem Flüs­sig­ga­s­ex­port und dem damit ver­bun­de­nen „Wach­s­tum” den Vor­rang geben. Die kap­i­tal­is­tis­che Regierung wird diese Prof­ite vertei­di­gen, selb­st wenn die Unternehmensgewinne auf Kosten von ein­er Mil­liarde lebendig ver­bran­nter Tiere geschehen, quälende Dür­ren im Land und im Aus­land verur­sachen, und die Australier*innen ihre Energierech­nun­gen nur schw­er bezahlen lassen. Und obwohl sich die UNO der Gefahren dieses zutief­st ver­nach­läs­si­gen­den Ver­hal­tens bewusst ist, wird die von den USA dominierte Insti­tu­tion die aus­tralis­che Regierung kaum dazu zwin­gen, ihren Kurs zu ändern.

Die Kurzsichtigkeit des Kapitalismus und wie wir überleben können

Die Brände sind nicht nur ein unglück­lich­es Ereig­nis, dem diese Tiere zum Opfer fie­len. Dies war eine Tragödie, die hätte ver­mieden wer­den kön­nen, wenn die Bekämp­fung des Kli­mawan­dels und die Erhal­tung des Lebens auf der Erde eine Pri­or­ität in dieser Gesellschaft gewe­sen wäre. Im Kap­i­tal­is­mus jedoch wird die Erhal­tung des Lebens als unnötige Kosten ange­se­hen und der Plan­et wird nur als eine weit­ere Ressource ange­se­hen, die aus­ge­beutet wer­den muss, was diese Tragö­di­en unver­mei­dlich macht, solange dieses Sys­tem aufrechter­hal­ten wird.

Kap­i­tal­is­tis­che Regierun­gen sind von Natur aus darauf aus­gerichtet, den Kap­i­tal­is­mus zu erhal­ten. Das zeigt sich in ihrem offe­nen Wider­willen, diese schädlichen Wirtschaft­sprak­tiken aufzugeben, und in der Erlaub­nis, die ihnen von ihren bürg­er­lichen Aufseher*innen erteilt wird. Die Ergeb­nisse müssen täglich nicht nur von Men­schen, son­dern auch von Tieren und der Natur erlebt wer­den.

Die mas­siv­en Buschfeuer sind sowohl eine Man­i­fes­ta­tion der kap­i­tal­is­tis­chen Zer­störung als auch eine Erin­nerung daran, dass der Kap­i­tal­is­mus der Vor­bote von Qualen und dem Unter­gang von mehr als nur men­schlichem Leben ist. Angesichts der jüng­sten Ereignisse in Aus­tralien ist es zwin­gend notwendig, dass die arbei­t­en­den Men­schen die Dinge selb­st in die Hand nehmen und nicht mehr darauf warten, dass die bürg­er­lichen Regierun­gen ihnen Recht geben. Die Werk­täti­gen müssen den Kap­i­tal­is­mus zer­stören und eine sozial­is­tis­che Regierung schaf­fen, die auf der Grund­lage der Sol­i­dar­ität der Arbeiter*innen, der Umwelt und der Tiere gegrün­det ist, ein Sys­tem, das darauf aus­gerichtet ist, das Leben zu erhal­ten und nicht auszubeuten.

Während dieser Artikel geschrieben wird, gehen Hun­dert­tausende von Australier*innen auf die Straße, um gegen den Wider­stand der Regierung den Kli­mawan­del einzudäm­men zu protestieren. Während die Feuer wüteten, gin­gen die Men­schen in die Wälder, um Koalas zu ret­ten — sie ret­teten sie in ihren Autos oder gaben den dursti­gen Tieren Wass­er. Die Energie, der Eifer und die Wut der Men­schen ist spür­bar und schwappt auf den Asphalt über. Jet­zt, wo die Zeit drängt, ist es von größter Wichtigkeit, dass konz­ertierte Anstren­gun­gen unter­nom­men wer­den, um den Kap­i­tal­is­mus und die Regierun­gen, die ihn vertei­di­gen, zu zer­stören. Mit der Wut des Volkes über den Auf­schwung und die Ver­wüs­tung des Kap­i­tal­is­mus, die neue Gen­er­a­tio­nen junger Erwach­sen­er trau­ma­tisiert, ist eine Rev­o­lu­tion mehr als möglich.

Dieser Artikel erschien zuerst am 13. Jan­u­ar 2020 bei Left Voice.

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