Frauen und LGBTI*

Auf die Straßen am 25.11. – Gewalt an Frauen stoppen!

Frauen sind ständig unterschiedlichen Formen von Gewalt ausgesetzt, die alle Lebensbereiche umfassen. Deshalb gehen wir am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, auf die Straße.

Auf die Straßen am 25.11. – Gewalt an Frauen stoppen!

Am 25. Novem­ber jeden Jahres demon­stri­eren weltweit Frauen und sol­i­darische Men­schen gegen die Gewalt, der wir Frauen tagtäglich aus­ge­set­zt sind. Die Zahlen sind immer wieder schock­ierend: 40 Prozent der Frauen in Deutsch­land erlebten seit ihrem 16. Leben­s­jahr kör­per­liche und/oder sex­u­al­isierte Gewalt. Ein Vier­tel der Tat­en wurde von aktuellen oder früheren Part­nern began­gen. Im Jahr 2017 wurde in Deutsch­land durch­schnit­tlich alle drei Tage eine Frau von ihrem aktuellen oder früheren Lebens­ge­fährten ermordet.

Diese neuen Sta­tis­tiken des Bun­deskrim­i­nalamtes haben zur bre­it­eren The­ma­tisierung des Frauen­mordes (Fem­izid) geführt. Kör­per­liche und sex­u­al­isierte Gewalt an Frauen wird von vie­len bürg­er­lichen Demagog*innen immer noch als Abwe­ichung der gesellschaftlichen Norm dargestellt. Die Tat­en wer­den auf pathol­o­gis­che Ver­an­la­gun­gen des Einzel­nen reduziert. Bei migrantis­chen Täter*innen/Opfern wer­den Kul­tur­ras­sis­men bedi­ent. Gewalt gegen les­bis­che, bisex­uelle und Trans­gen­der­frauen kommt hinge­gen oft gar nicht zur Sprache. Mit der Fokussierung auf den Begriff der „häus­lichen Gewalt“ ver­suchen die Herrschen­den, struk­turelle Gewalt gegen Frauen in das Pri­vate zu ver­schieben und diese auf Beziehungsebene zu reduzieren. Hin­ter ihr ver­birgt sich jedoch ein Mech­a­nis­mus, der tief in unser­er Pro­duk­tion­sweise ver­ankert ist. Diszi­plin­ierung, Gehor­samkeit, Zwang, Kon­trolle und Ein­schüchterung von Frauen hat das Ziel, die patri­ar­chale soziale Ord­nung aufrecht zu erhal­ten. Diese Ord­nung wird geschützt durch den kap­i­tal­is­tis­chen Staat, dessen Funk­tio­nen die Grund­säule der Prekarisierung und des Frauen­mordes bilden.

Die Gewalt an Frauen erschöpft sich nicht in Mord oder Verge­wal­ti­gung. Sie find­et in allen Lebens­bere­ichen statt und tritt in unter­schiedlichen Stufen und Aus­drucks­for­men auf.

Die weib­lichen Opfer impe­ri­al­is­tis­ch­er Kriege sind ein Aus­ruck. Sie erfahren in mil­itärischen Angrif­f­en und auf der Flucht an Grenz­zäunen und auf über­füll­ten Ret­tungs­booten kör­per­liche und sex­u­al­isierte Gewalt. In Lagern sind geflüchtete Frauen den Über­grif­f­en von Polizei und pri­vat­en Secu­ri­ty­fir­men oft schut­z­los aus­ge­set­zt. Es ist ihnen auf­grund der vorherrschen­den Machtver­hält­nisse schw­er möglich, sex­u­al­isierte und kör­per­liche Über­griffe anzuzeigen. Die fehlende Pri­vat­sphäre in Lagern, sowie ständi­ge unbe­grün­dete Razz­ien sind vor allem für junge Frauen und Müt­ter eine Zumu­tung. Ständi­ge Anhörun­gen, Ein­schränkung von Bewe­gungs­frei­heit (z.B. Res­i­den­zpflicht), Bil­dungs- und Arbeitsver­bote und famil­iäre Tren­nun­gen durch willkür­liche Bleiberecht­sentschei­dun­gen üben enor­men psy­chis­chen Druck auf Frauen aus. Auf Ämtern und in Gerichtssälen wer­den unsere kur­dis­chen Genoss*innen wegen ihrer poli­tis­chen Arbeit von der Jus­tiz stig­ma­tisiert und krim­i­nal­isiert. Die Regierun­gen von Bund und Län­dern tra­gen Ver­ant­wor­tung für Gewalt an Frauen, wenn sie das Recht auf Asyl, Fam­i­li­en­nachzug und das Infor­ma­tion­srecht über Abtrei­bun­gen ver­weigern, oder sex­is­tis­che und ras­sis­tis­che Geset­ze wie das PAG und PKHG ver­ab­schieden.

In der Medi­zin führt die struk­turelle Fix­ierung auf männliche Gesund­heit zu kör­per­lichem und seel­is­chem Schaden an Frauen. Die meis­ten Ver­hü­tungsmit­tel, die Frauen und Mäd­chen zur Ver­fü­gung ste­hen, haben neg­a­tive Auswirkun­gen auf ihre Gesund­heit. Die Neben­wirkun­gen von Hor­mon­prä­parat­en reichen von Schmerzen bis hin zu Lun­gen­ver­sagen, auch das Ein­set­zen von Spi­ralen ist mit gesund­heitlichen Risiken ver­bun­den. Dabei ist die Aufk­lärung über Ver­hü­tungsmeth­o­d­en in Schulen, Eltern­häusern und Medi­en rudi­men­tär und willkür­lich. Auch Abtrei­bung ist nicht nur gesellschaftlich tabuisiert, son­dern fast über­all auf der Welt durch Kirche und Staat ille­gal­isiert. Fast die Hälfte der Abtrei­bun­gen weltweit (20 von 47 Mil­lio­nen) find­en unter unsicheren Bedin­gun­gen statt. Bei diesen Ein­grif­f­en ster­ben jährlich 68.000 Frauen. In Deutsch­land sind die Bedin­gun­gen für Straf­frei­heit hoch und wirken let­z­tendlich als Bestra­fung von Frauen und Mäd­chen für unge­wollte Schwanger­schaften.

Doch auch wenn eine Schwanger­schaft gewollt ist und Frauen das Kind aus­tra­gen, kön­nen sie Gewalt erfahren. Nicht sel­ten nehmen Ärzt*innen während der Geburt unabge­sproch­ene, irre­versible Ein­griffe (z.B. Damm­schnitt) an Patient*innen vor. Die Kaiser­schnit­trate in Deutsch­land liegt bei unge­fähr 33 Prozent, während die WHO bei max­i­mal 10 Prozent der Geburten einen solchen Ein­griff emp­fiehlt. Ein Kaiser­schnitt wird im deutschen Fall­pauschalen-Sys­tem bess­er bezahlt als eine Spon­tange­burt. Gesund­heit wird hier zum Geschäft – häu­fig auf Kosten der Patient*innen.

Die Sex­u­al­isierung des weib­lichen Kör­pers und der per­ma­nente Druck, immer rig­oroseren Schön­heit­side­alen zu entsprechen, zwingt Frauen zu teil­weise lebens­bedrohlichen Ein­grif­f­en und begün­stigt psy­chis­che Krankheit­en wie etwa Essstörun­gen, von denen Mäd­chen und Frauen über­pro­por­tion­al betrof­fen sind. Frauen, die nicht in die Geschlechter­nor­men der patri­ar­chalen Gesellschaft passen, wer­den von staatlichen und religiösen Insti­tu­tio­nen ver­fol­gt und sind tagtäglich ver­balen und physis­chen Angrif­f­en aus­ge­set­zt. Auch Frauen, die von der Klas­sen­ge­sellschaft stig­ma­tisierte Berufe ausüben, sind meist vor Gewal­tan­grif­f­en schut­z­los.

Fast alle von uns haben eine oder mehrere For­men von psy­chis­ch­er, kör­per­lich­er, sex­u­al­isiert­er oder staatlich-insti­tu­tion­al­isiert­er Gewalt erlebt. Was die ver­schiede­nen For­men patri­ar­chaler Gewalt vor allem verbindet, ist, dass ihre Hin­ter­gründe und Motive einan­der ähneln: Es geht um die Kon­trolle unser­er Kör­p­er und Arbeits­fähigkeit, die Unter­drück­ung unseres Wider­stands und die Aufrechter­hal­tung eines sta­tus quo, welch­er uns abw­ertet. An jedem Ort und zu jed­er Zeit ist ein Glied der Kette der struk­turellen Gewalt in der Klas­sen­ge­sellschaft zu find­en – durch den Staat und dessen Insti­tu­tio­nen und Repres­sivkräfte, die Schule, die Kirche und die Medi­en, in der Arbeitswelt und auf der Straße. Wir, die Frauen von Brot und Rosen, sind der Mei­n­ung, dass der Schutz durch den kap­i­tal­is­tis­chen Staat keine Antwort auf die Gewalt ist. Denn let­ztlich ist es genau der Staat, der das patri­ar­chale und kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem aufrechter­hält, das die Wurzel unser­er Unter­drück­ung und Aus­beu­tung ist. Deshalb müssen wir uns unab­hängig von staatlichen Struk­turen und von den kap­i­tal­is­tis­chen Parteien organ­isieren, und gemein­sam mit allen, die sich gegen den Kap­i­tal­is­mus und seine Auswirkun­gen wehren wollen, für eine ganz andere Gesellschaft kämpfen.

Wenn wir uns von aller Art der Gewalt befreien wollen, müssen wir mit all den Über­resten dieser Gesellschaft aufgeräumt haben, die auf der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung von Mil­lio­nen von Men­schen beruht – und auf ihren Trüm­mern eine neue sozial­is­tis­che Gesellschaft auf­bauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.