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Auf 3.000 Meter Höhe: Größte Kupfermine der Welt im Streik

2.500 Kumpel der chilenischen Kupfermine Escondida befinden sich seit drei Wochen im Ausstand. Der imperialistische Konzern greift den Streik gemeinsam mit der Regierung an. Doch der Kampf droht sich auszuweiten.

Auf 3.000 Meter Höhe: Größte Kupfermine der Welt im Streik

Escon­di­da, ver­steckt, nen­nt sich der größte Kupfertage­bau der Welt. Er befind­et sich im Nor­den Chiles, 170 Kilo­me­ter von der Hafen­stadt Antofa­gas­ta ent­fer­nt, auf mehr als 3.000 Meter Höhe in der Ata­ca­ma-Wüste. Die Kumpel sind den Bedin­gun­gen dieser unbe­wohn­baren Umge­bung aus­ge­set­zt, von drastis­chen Tem­per­aturschwankun­gen bis hin zu chro­nis­chen Krankheit­en durch die gefährliche Arbeit in der Mine.

Um diese Arbeits­be­din­gun­gen auszu­gle­ichen genießen die Kumpel gegenüber dem Rest der chilenis­chen Arbeiter*innenklasse beson­dere Rechte und ver­di­enen ein höheres Gehalt. Genau diese Kon­pen­sa­tio­nen will das britisch-aus­tralis­che Unternehmen BHP Bil­li­ton, drittgrößter Berg­baukonz­ern weltweit mit einem Umsatz von 50 Mil­liar­den US-Dol­lar, nun angreifen.

Der Tar­ifver­trag soll aufgelöst, Pausen­stun­den gekürzt und Loh­nun­ter­schiede zwis­chen älteren und jün­geren Kolleg*innen einge­führt wer­den. Als Gehalt­ser­höhung schlug BHP null Prozent vor – ein Real­lohn­ver­lust, während der multi­na­tionale Konz­ern alleine im zweit­en Semes­ter 2016 Gewinne von 3,2 Mil­liar­den US-Dol­lar ein­fuhr.

All das führt das Unternehmen auf die gefal­l­enen Kupfer­preise zurück. Die Krise der Rohstoff­preise soll auf die Arbeiter*innen abge­lagert wer­den, die den größten Reich­tum des kupfer­ab­hängi­gen Anden­lan­des abbauen. Doch die Kumpel ließen sich nicht über den Tisch ziehen – und trat­en in den Streik.

99 Prozent der Gewerkschafter*innen stimmten für die Arbeit­snieder­legung, 2.500 beteili­gen sich am Streik. Mit einem Streik­camp, das rund um die Uhr funk­tion­iert, überwachen sie die Eingänge zum Tage­bau und ver­hin­dern den Ein­satz der Lei­har­bei­t­en­den als Streikbrecher*innen. Drei Wochen sind seit Streik­be­ginn ver­gan­gen, doch die Moral bleibt hoch und der Kampf dro­ht sich auszuweit­en.

Schon jet­zt hat er eine Sig­nal­wirkung für andere Teile der Arbeiter*innenklasse gewon­nen. Auch in anderen Spat­en der Mon­tanin­dus­trie in der Region fan­den und find­en Streiks statt, wie bei der Molyb­dän-Bear­beitungs­fab­rik Molyb. Gemein­sam mit den Kolleg*innen von Molyb demon­stri­erten die Arbeiter*innen der Escon­di­da-Mine am ver­gan­genen Fre­itag durch das Stadtzen­trum von Antofa­gas­ta und set­zten somit ein klares Zeichen für die Ein­heit der Arbeiter*innen.

Auch die Unternehmer*innen und ihre poli­tis­chen Repräsentant*innen ste­hen geschlossen dem Streik gegenüber. Die bürg­er­liche Presse und die Regierung beschuldigen die Streik­enden, für die Ver­langsamung der Wirtschaft ver­ant­wortlich zu sein, und das Unternehmen greift die „Unnachgiebigkeit“ der Arbeiter*innen an.

In einem Beitrag auf der linken Nachricht­en­seite La Izquier­da Dario Chile riefen drei antibürokratis­che Gewerkschaftssekretär*innen der Partei Rev­o­lu­tionär­er Arbeiter*innen (PTR) dazu auf, den Kampf mit den ver­schiede­nen sozialen Bewe­gun­gen im Land wie der Frauen­be­we­gung oder der Bewe­gung gegen das pri­vate Renten­sys­tem zu verbinden.

Sollte sich diese Per­spek­tive ver­wirk­lichen, kön­nte der aktuelle Streik eine noch größere Sprengkraft erlan­gen. Denn der Kampf um das Kupfer spielte auch his­torisch eine große Rolle: In den Hän­den der impe­ri­al­is­tis­chen – und auch der chilenis­chen – Bour­geoisien dient Kupfer der Bere­icherung ein­er kleinen Min­der­heit auf Kosten der Bevölkerung und der Ökolo­gie. In den Hän­den der arbei­t­en­den Mehrheit kön­nten mit dem Rohstoff bessere Löhne und Arbeits­be­din­gun­gen, ein kosten­los­es Bil­dungs- und Gesund­heitssys­tem und gute Renten ermöglicht wer­den. Auch darum geht es bei dem Streik – nicht umson­st prangert auf dem Streik­camp der alte Slo­gan „El cobre es nue­stro“: Das Kupfer gehört uns.

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