Auf 3.000 Meter Höhe: Größte Kupfermine der Welt im Streik

07.03.2017, Lesezeit 3 Min.
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Workers from BHP Billiton's Escondida, the world's biggest copper mine, gather outside the company gates during a strike, in Antofagasta, Chile February 11, 2017. REUTERS/Juan Ricardo EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVE

2.500 Kumpel der chilenischen Kupfermine Escondida befinden sich seit drei Wochen im Ausstand. Der imperialistische Konzern greift den Streik gemeinsam mit der Regierung an. Doch der Kampf droht sich auszuweiten.

Escondida, versteckt, nennt sich der größte Kupfertagebau der Welt. Er befindet sich im Norden Chiles, 170 Kilometer von der Hafenstadt Antofagasta entfernt, auf mehr als 3.000 Meter Höhe in der Atacama-Wüste. Die Kumpel sind den Bedingungen dieser unbewohnbaren Umgebung ausgesetzt, von drastischen Temperaturschwankungen bis hin zu chronischen Krankheiten durch die gefährliche Arbeit in der Mine.

Um diese Arbeitsbedingungen auszugleichen genießen die Kumpel gegenüber dem Rest der chilenischen Arbeiter*innenklasse besondere Rechte und verdienen ein höheres Gehalt. Genau diese Konpensationen will das britisch-australische Unternehmen BHP Billiton, drittgrößter Bergbaukonzern weltweit mit einem Umsatz von 50 Milliarden US-Dollar, nun angreifen.

Der Tarifvertrag soll aufgelöst, Pausenstunden gekürzt und Lohnunterschiede zwischen älteren und jüngeren Kolleg*innen eingeführt werden. Als Gehaltserhöhung schlug BHP null Prozent vor – ein Reallohnverlust, während der multinationale Konzern alleine im zweiten Semester 2016 Gewinne von 3,2 Milliarden US-Dollar einfuhr.

All das führt das Unternehmen auf die gefallenen Kupferpreise zurück. Die Krise der Rohstoffpreise soll auf die Arbeiter*innen abgelagert werden, die den größten Reichtum des kupferabhängigen Andenlandes abbauen. Doch die Kumpel ließen sich nicht über den Tisch ziehen – und traten in den Streik.

99 Prozent der Gewerkschafter*innen stimmten für die Arbeitsniederlegung, 2.500 beteiligen sich am Streik. Mit einem Streikcamp, das rund um die Uhr funktioniert, überwachen sie die Eingänge zum Tagebau und verhindern den Einsatz der Leiharbeitenden als Streikbrecher*innen. Drei Wochen sind seit Streikbeginn vergangen, doch die Moral bleibt hoch und der Kampf droht sich auszuweiten.

Schon jetzt hat er eine Signalwirkung für andere Teile der Arbeiter*innenklasse gewonnen. Auch in anderen Spaten der Montanindustrie in der Region fanden und finden Streiks statt, wie bei der Molybdän-Bearbeitungsfabrik Molyb. Gemeinsam mit den Kolleg*innen von Molyb demonstrierten die Arbeiter*innen der Escondida-Mine am vergangenen Freitag durch das Stadtzentrum von Antofagasta und setzten somit ein klares Zeichen für die Einheit der Arbeiter*innen.

Auch die Unternehmer*innen und ihre politischen Repräsentant*innen stehen geschlossen dem Streik gegenüber. Die bürgerliche Presse und die Regierung beschuldigen die Streikenden, für die Verlangsamung der Wirtschaft verantwortlich zu sein, und das Unternehmen greift die „Unnachgiebigkeit“ der Arbeiter*innen an.

In einem Beitrag auf der linken Nachrichtenseite La Izquierda Dario Chile riefen drei antibürokratische Gewerkschaftssekretär*innen der Partei Revolutionärer Arbeiter*innen (PTR) dazu auf, den Kampf mit den verschiedenen sozialen Bewegungen im Land wie der Frauenbewegung oder der Bewegung gegen das private Rentensystem zu verbinden.

Sollte sich diese Perspektive verwirklichen, könnte der aktuelle Streik eine noch größere Sprengkraft erlangen. Denn der Kampf um das Kupfer spielte auch historisch eine große Rolle: In den Händen der imperialistischen – und auch der chilenischen – Bourgeoisien dient Kupfer der Bereicherung einer kleinen Minderheit auf Kosten der Bevölkerung und der Ökologie. In den Händen der arbeitenden Mehrheit könnten mit dem Rohstoff bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, ein kostenloses Bildungs- und Gesundheitssystem und gute Renten ermöglicht werden. Auch darum geht es bei dem Streik – nicht umsonst prangert auf dem Streikcamp der alte Slogan „El cobre es nuestro“: Das Kupfer gehört uns.

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