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Argentinien: Massenkundgebung der FIT-Unidad gegen IWF, Macri und Peronismus

Am Samstag fand in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires eine riesige Kundgebung der Front der Linken und der Arbeiter*innen – Einheit (Frente de Izquierda y de los Trabajadores – Unidad, FIT-Unidad) statt. Die Menschenmenge aus Zehntausenden füllte die emblematische Allee 9 de Julio mehrere Blöcke lang. Zeitgleich fanden in den wichtigsten Städten des Landes, von Jujuy im Norden über Córdoba bis nach Neuquén im patagonischen Süden, weitere Kundgebungen mit tausenden Teilnehmer*innen statt.

Argentinien: Massenkundgebung der FIT-Unidad gegen IWF, Macri und Peronismus

Neben den Blöck­en der in der FIT-Unidad organ­isierten Parteien PTS, PO, Izquier­da Social­ista und MST gab es Blöcke von Dutzen­den von klassenkämpferischen Basis­gew­erkschafts­grup­pen, der unab­hängi­gen Bewe­gung von Arbeit­slosen und vie­len der Sek­toren, die aktuell Kämpfe führen und auf der Bühne ihre Kämpfe vorstellen kon­nten.

Nicolás del Caño und Romi­na del Plá, Präsi­dentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidat*innen für die FIT-Unidad, waren für den Abschluss der Ver­anstal­tung ver­ant­wortlich. Del Caño richtete in sein­er Rede, die der Höhep­unkt der Kundge­bung war, eine heftige Kri­tik an die neolib­erale Macri-Regierung und die per­o­nis­tis­che Oppo­si­tion und rief zur Stärkung der Linken bei den Wahlen und in den kom­menden Kämpfen auf.

Zuvor hat­ten mehrere Anführer*innen der FIT-Unidad zu der Menge gesprochen. Eröffnet wurde die Kundge­bung durch den PO-Anführer Nés­tor Pitro­la, der den “Pakt zwis­chen der auss­chei­den­den Macri-Regierung und dieser kon­ser­v­a­tiv­en Koali­tion von Alber­to Fer­nan­dez und der Frente de Todos” verurteilte.

Anschließend sprach Myr­i­am Breg­man, Kan­di­datin für den Nation­alkongress in der Stadt Buenos Aires. Die Anführerin der PTS begann zu kri­tisieren, dass “Macri geht, aber die Anpas­sungspoli­tik und der IWF bleiben.” Dann prangerte sie die Poli­tik der großen Minen- und Erdgas-Konz­erne an, die Rohstoffe und Prof­ite außer Lan­des schaf­fen und die Gesund­heit und die Umwelt der lokalen Bevölkerung zer­stören.

Sie sprach sich auch für die sofor­tige Legal­isierung von Abtrei­bung aus: “Anstatt Abtrei­bung zu legal­isieren, schla­gen sie die Entkrim­i­nal­isierung als großen Schritt vor. Das ist der Tropfen, der das Fass zum Über­laufen bringt! Wenn du nicht stirb­st, garantieren sie dir, dass du nicht ins Gefäng­nis kommst. Das ist nicht unsere Forderung, wir unter­stützen den Geset­zen­twurf der Kam­pagne für das Recht auf Abtrei­bung. Wir sind diejeni­gen, die entschei­den wollen. Nur die FIT garantiert, dass auf ihren Wahllis­ten keine Abtreibungsgegner*innen ste­hen. Wir fordern die legale Abtrei­bung im Kranken­haus.”

Abschließend erk­lärte Breg­man, dass “unser Ziel nicht darin beste­ht, das Elend des Kap­i­tal­is­mus mitzu­ver­wal­ten, son­dern diesem Sys­tem der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung ein Ende zu set­zen, sich endgültig aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Frei­heit zu bewe­gen”.

Auf Myr­i­am fol­gten weit­ere Reden und Grußbotschaften von Vertreter*innen sozialer Kämpfe bis hin zu ver­schiede­nen Organ­i­sa­tio­nen, die mit der FIT den Kampf auf den Straßen und in dieser Wahlkam­pagne teilen.

Beson­ders wichtig war die Präsenz von Del­e­ga­tio­nen aus ver­schiede­nen Kämpfen, die in der Mitte der Kundge­bung auf die Bühne trat­en. Unter ihnen waren Arbeiter*innen von Kim­ber­ley, Mady­Graf, Ans­abo, Ran­Bat, Petronas, Coca-Cola, La Nir­va sowie vom Polo Obrero und Tere­sa Vive.

So zeigten sie, wie die Linke in jedem der Kämpfe gegen die Schließun­gen und Ent­las­sun­gen der let­zten Monate präsent war – das Gegen­teil der Hal­tung der Gew­erkschafts­bürokratie und des Per­o­nis­mus.

Auch im Block der PTS hat­ten die Arbeiter*innendelegationen aus mehreren dieser Kämpfe sowie Grup­pen aus Dutzen­den von Gew­erkschaften eine her­vorge­hobene Präsenz: Luft­fahrt, Eisenbahner*innen, Telefonarbeiter*innen, U‑Bahn-Fahrer*innen, Grafiker*innen, Lebensmittelarbeiter*innen, Metallarbeiter*innen, Mechaniker*innen, Busfahrer*innen, Werften, Ölarbeiter*innen, Lehrer*innen, öffentlich­er Dienst, Gas­tronomie, Call Cen­tern und andere.

Nach weit­eren Reden – unter ihnen Celeste Fier­ro von der MST, Juan Car­los Gior­dano von Izquier­da Social­ista und Romi­na del Plá von der PO – schloss Nicolás del Caño die Kundge­bung mit ein­er flam­menden Rede.

Eine Zukunft für die Arbeiter*innen, Frauen und Jugendlichen

Del Caño, Anführer der PTS-FIT, begann mit der Fest­stel­lung,  dass “diese Kundge­bung umso wertvoller ist, weil wir ein Szenario der Polar­isierung durch­brechen, in dem es ange­blich nur zwei Optio­nen gibt.”

Dann prangerte er scharf an: “Während die Mehrheit der Men­schen in Arbeit­slosigkeit und Elend versinkt, schafften einige wenige unter Macris Regierung 81 Mil­liar­den Dol­lar aus dem Lande. Die Banken macht­en 21 Mil­liar­den Dol­lar Prof­it. Die pri­vatisierten Strom- und Gasun­ternehmen legten zwis­chen 1.000 und 4.000 % zu. Wenn wir sagen, dass die Krise von den Kapitalist*innen und nicht von den Arbeiter*innen bezahlt wer­den soll, meinen wir damit jene Gewinner*innen dieser und aller Krisen. Wir bezahlen für ihre Par­ty mit 35% Armut, mit mehr Arbeit­slosigkeit, mit einem Ver­lust von 20% des Real­lohns.”

Dann wies er auf die inter­na­tionale wirtschaftliche und poli­tis­che Sit­u­a­tion hin. “Es gibt weltweit eine his­torische Ten­denz zu ein­er skan­dalösen Konzen­tra­tion des Reich­tums in den Hän­den von Multimillionär*innen, während die großen Mehrheit­en einen immer kleineren Teil des Kuchens erhal­ten.” Dann hob er den Kampf der Gelb­west­en und die mas­siv­en Mobil­isierun­gen in Ecuador her­vor, die dem Beispiel von Cos­ta Rica, Nicaragua, Sudan, Tune­sien, Hon­duras oder Haiti fol­gen. “Das sind unsere Ver­bün­de­ten, die arbei­t­en­den Massen der vom IWF und Impe­ri­al­is­mus unter­drück­ten Län­der”, sagte Nico.

Er erk­lärte, dass “die Jugendlichen auf der ganzen Welt gegen die kap­i­tal­is­tis­che Irra­tional­ität mobil­isieren, die den Plan­eten in die Umweltkrise führt. Die Jugendlichen sagen, dass unser Leben und unser Plan­et mehr wert sind als ihre Gewinne! Deshalb ist unser Kampf ein grundle­gen­der Kampf zur Beendi­gung von Aus­beu­tung und Unter­drück­ung, für eine Regierung der Arbeiter*innen und des Sozial­is­mus.”

Dann wandte sich seine Rede entsch­ieden gegen die per­o­nis­tis­che Oppo­si­tion und ihre Ver­ant­wor­tung in der Krise, in der wir leben. “So wie wir die Gewinner*innen dieser Krise aufgezeigt haben, sagen wir auch deut­lich, dass Macri diese Katas­tro­phe nicht ganz allein verur­sacht hat. Er hat­te Kompliz*innen.” Daraufhin verurteilte er die Hal­tung der ver­bün­de­ten Gouverneur*innen des per­o­nis­tis­chen Präsi­dentschaft­skan­di­dat­en Alber­to Fer­nan­dez bei den Abstim­mungen gegen die Rentner*innen, für Geier­fonds und gegen legale Abtrei­bung.

Am Ende sein­er Rede, die die Aufmerk­samkeit der gesamten Menge auf sich gezo­gen hat­te, rief Del Caño: “Der Kampf und die Organ­i­sa­tion ist der einzige real­is­tis­che Weg, um zu ver­hin­dern, dass die Mehrheit der Bevölkerung für diese Krise bezahlt. Wir haben in den drei Wochen vor den Wahlen einen großen Kampf. Ein Kampf mit Blick auf die Zukun­ft. Eine Zukun­ft für die Arbeiter*innen, Frauen und Jugendlichen.” 

 


Inter­na­tionale Erk­lärung zur Unter­stützung der FIT‑U in Argen­tinien

Hun­derte Organ­i­sa­tio­nen, Intellek­tuelle und Referent*innen aus ver­schiede­nen Län­dern unter­stützen die Front der Linken und der Arbeiter*innen – Ein­heit (FIT‑U) in Argen­tinien bei den kom­menden Wahlen am 27. Okto­ber.

Zur Erk­lärung

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