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ArbeiterInnen an der Elite-Uni

500 Arbei­t­erIn­nen und Studierende set­zen Zeichen für Zusam­men­führung der Kämpfe

ArbeiterInnen an der Elite-Uni

// 500 Arbei­t­erIn­nen und Studierende set­zen Zeichen für Zusam­men­führung der Kämpfe //

Am 24. Jan­u­ar hat­ten die franzö­sis­chen Gew­erkschaftsver­bände CGT und SUD, mit Unter­stützung der Links­front (FdG) und der Neuen Antikap­i­tal­is­tis­chen Partei (NPA), zu einem Tre­f­fen gegen Ent­las­sun­gen und für die Zusam­men­führung der Kämpfe aufgerufen. Auf dem Podi­um des mit über 500 Men­schen gut besucht­en größten Hör­saals der Paris­er Eli­te­u­ni­ver­sität Sci­ences Po trat­en AktivistIn­nen der wichtig­sten aktuellen Kämpfe der franzö­sis­chen Arbei­t­erIn­nen­klasse auf.

Arbei­t­erIn­nen von den Auto­her­stellern PSA und Renault, der Reifen­fab­rik Goodyear Amiens, der Laden­kette Vir­gin, des Phar­maun­ternehmens Sanofi, des Zeitungszustellers Presstal­is, Air France und der Kam­pagne Licenci‘elles berichteten von ihren Kämpfen – Abwehrkämpfen gegen einen mit zunehmender Härte geführten Klassenkampf von oben. Denn auch wenn sich Mil­lio­nen franzö­sis­ch­er Arbei­t­erIn­nen und Jugendlich­er Illu­sio­nen über den neuen „sozial­is­tis­chen“ Präsi­den­ten François Hol­lande gemacht haben, ver­sucht die herrschende Klasse natür­lich auch unter dieser Regierung, die Kosten der von ihr selb­st verur­sacht­en Krise auf die lohn­ab­hängige Bevölkerung abzuwälzen.

Die Arbei­t­erIn­nen, die an dem Tre­f­fen teil­nah­men, sind VertreterIn­nen einzel­ner, aber auf­se­hen­erre­gen­der Kämpfe – erste Anze­ichen ein­er sich ver­schär­fend­en Sit­u­a­tion. Phillipe Julien, ein Arbeit­er von PSA Aulnay, wies auf die geplanten Ent­las­sun­gen allein in der Auto­mo­bilin­dus­trie hin: 11.000 bei PSA und über 8.000 bei Renault. Dies führt zur Per­spek­tivlosigkeit bei ein­er gewalti­gen Anzahl von Fam­i­lien. Mikaël Wamen, Kom­mu­nist und führen­der Kopf des Kampfes der Arbei­t­erIn­nen von Goodyear Amiens gegen die Schließung ihres Stan­dortes, bekam sog­ar Mord­dro­hun­gen, die die CGT der UnternehmerIn­nen­seite zurech­net!

Unsere franzö­sis­chen GenossIn­nen in der Trotzk­istis­chen Frak­tion, die AktivistIn­nen der Rev­o­lu­tionären Kom­mu­nis­tis­chen Strö­mung (CCR) in der NPA, haben eine treibende Rolle bei der Organ­isierung dieses Tre­f­fens – auch gegen Wider­stände der Parteirecht­en der NPA – gespielt. Ein stu­den­tis­ch­er Aktivist der CCR mod­erierte den Abend, weit­ere Studierende der CCR trat­en mit Unab­hängi­gen als Teil ein­er Kam­pagne sol­i­darisch­er Studieren­der auf, die für die Verbindung der Kämpfe der Jugend mit denen der Arbei­t­erIn­nen­klasse ein­tritt, mit dem Ziel, eine klassenkämpferische Studieren­den­be­we­gung aufzubauen, die wie im Paris­er Mai 1968 gemein­sam mit der Avant­garde des Pro­le­tari­ats eine Offen­sive gegen die herrschende Klasse startet.

Manu Geor­get von der CGT Dreux und der CCR zeigte dabei auch ein Beispiel des hart geführten Klassenkampfes von unten auf: Als Arbeit­er der mit­tler­weile geschlosse­nen Fab­rik von Philips in Dreux war er ein führen­der Teil­nehmer der ersten Erfahrung von Pro­duk­tion unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle in Frankre­ich seit Jahrzehn­ten. Als dieser Stan­dort 2009 geschlossen wer­den sollte, um die Pro­duk­tion in das für die Bosse bil­ligere Ungarn auszu­lagern, beset­zten die Arbei­t­erIn­nen die Fab­rik und pro­duzierten für zehn Tage unter ihrer eige­nen Kon­trolle weit­er. Diese für alle Kol­legIn­nen lehrre­iche Erfahrung kon­nte let­ztlich nur durch den Ver­rat der gel­ben Gew­erkschaft Force Ouvrière been­det wer­den, stieß aber damals schon eine Verbindung der kämpferischsten Sek­toren der Klasse in Frankre­ich an, wie beispiel­sweise die Arbeit des „Kollek­tivs gegen die ver­brecherischen Bosse“. Wie Manu bei dem Tre­f­fen in der Sci­ences Po betonte, hat­te dieser Kampf auch nichts mit dem Stan­dort­pa­tri­o­tismus der Gew­erkschafts­bürokratie zu tun, denn „der ungarische Arbeit­er ist mein Klassen­brud­er, und der franzö­sis­che Boss, der uns hier aus­beutet, ist der gle­iche, der die ärmeren Län­der über­fällt und aus­plün­dert“.

Auch die VertreterIn­nen der Arbei­t­erIn­nen von Vir­gin und Sanofi erk­lärten, dass es nicht darum gehen könne, eine „nationale Indus­trie“ gegen Aus­lagerun­gen zu vertei­di­gen. Vielmehr gin­ge es darum, die Lebens­grund­lage der großen Mehrheit der Bevölkerung zu vertei­di­gen, und dafür müsse man kollek­tiv kämpfen, gegen die Regierung, auch eine „linke“ wie die Hol­lan­des. Die Teil­nehmerIn­nen des Tre­f­fens unter­strichen dies, als sie schließlich am Ende des Abends gemein­sam die Inter­na­tionale san­gen.

Am fol­gen­den Dien­stag, den 29. Jan­u­ar, tru­gen die kämpfend­en Arbei­t­erIn­nen ihre Botschaft auch auf die Straße. Wiederum gut 500 Men­schen demon­stri­erten vor dem Arbeitsmin­is­teri­um. Viele aus der Auto­mo­bilin­dus­trie waren anwe­send, von PSA Aulnay, von Ford Blan­que­fort und anderen. Eine Del­e­ga­tion aus Arbei­t­erIn­nen von Goodyear Amiens, Ford Blan­que­fort, der Kam­pagne Licenci‘elles und anderen Belegschaften wurde vom Kabi­nettschef des Min­is­ter­präsi­den­ten, Michel Sapin, emp­fan­gen. Sie mussten allerd­ings – wenig über­raschend – mit leeren Hän­den wieder gehen, denn natür­lich ist nicht viel zu erwarten von ein­er Regierung, die, Hand in Hand mit der Gew­erkschafts­bürokratie der CFDT, das Recht auf Arbeit zer­set­zt, die Atom­isierung der Beschäftigten vorantreibt und Ent­las­sun­gen begün­stigt. Schließlich schlossen sich die Demon­stran­tInnen den Arbei­t­erIn­nen von Vir­gin an, die auf­grund polizeilich­er Repres­sion nicht an der Demon­stra­tion teil­nehmen kon­nten, wodurch 600 Men­schen vor ein­er Fil­iale von But­ler, dem Haup­tak­tionär von Vir­gin, demon­stri­erten.

Wie Guil­laume Loïc von der CCR betonte, soll sich hier­aus eine starke, klassenkämpferische Strö­mung entwick­eln, denn das Tre­f­fen und die Demon­stra­tion seien, nach dem Mot­to des Mai 1968, „nur der Anfang“!

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