Frauen und LGBTI*

8M: Strukturen aufbauen, um die Gesellschaft umzuwälzen!

Der heutige Tag ist ein großer Schritt: Auch in Deutschland schließen wir uns an diesem 8. März mit einem Streik der neuen weltweiten Frauen*bewegung an. Wir veröffentlichen hier das gemeinsame Flugblatt von Brot und Rosen, organize:strike und der marxistischen jugend münchen zum 8. März.

8M: Strukturen aufbauen, um die Gesellschaft umzuwälzen!

Der heutige Tag ist ein großer Schritt: Auch in Deutsch­land schließen wir uns an diesem 8. März mit einem Streik der neuen weltweit­en Frauen­be­we­gung an. Sie stellt heute die wichtig­ste Ten­denz gegen den Recht­sruck von Kräften wie der AfD, Bol­sonaro und Trump dar – während die deutsche Regierung eben­falls Frauen*rechte angreift, Prekarisierung vorantreibt und Geset­ze gegen Geflüchtete beschließt, wom­it sie Ras­sis­mus struk­turell weit­er ver­ankert. Die weltweite Krise herrscht seit mehr als zehn Jahren und drückt sich u.a. in steigen­der Ungle­ich­heit, Armut, Stress, dem Pflegenot­stand und der Kli­makatas­tro­phe aus. Sie wird immer weit­er auf dem Rück­en der Arbeiter*innen, der Frauen*, aller Men­schen, die auf­grund ihres Geschlechts oder ihrer Sex­u­al­ität unter­drückt wer­den, der Migrant*innen und allen Unter­drück­ten aus­ge­tra­gen – vor allem in den Län­dern, die vom Impe­ri­al­is­mus aus­ge­beutet wer­den, aber auch in Deutsch­land. Hier arbeit­et und lebt ein Großteil der Frauen* unter prekären Bedin­gun­gen. Vor allem Migran­tinnen wer­den in die schlecht­esten Jobs gedrängt. Dazu kommt noch die Last der unbezahlten Hausar­beit und sex­is­tis­ch­er, ras­sis­tis­ch­er und ander­er diskri­m­inieren­der Geset­ze und Ide­olo­gien. Inmit­ten dieses reak­tionären Kli­mas zeigt die Bewe­gung von Mil­lio­nen Frauen* weltweit eine Alter­na­tive auf.

Für einen klassenkämpferischen Feminismus!

Der inter­na­tionale Frauen*kampftag erin­nert seit über 100 Jahren an die Kämpfe der pro­le­tarischen Frauen*. Zu einem Zeit­punkt, an dem so viele Frauen* wie noch nie zuvor direkt lohn­ab­hängig beschä­figt sind, knüpfen wir heute wieder an diese Tra­di­tion an. Trotz­dem ist die Frauen*bewegung noch viel zu oft getren­nt von den Kämpfen der Lohn­ab­hängi­gen und damit weit weg von den täglichen Prob­le­men und Kämpfen der Mehrheit der Frauen*. Sie ist so in ihrer Kraft beschränkt, Dabei sind es doch wir Arbeiter*innen, die die tat­säch­liche Macht haben, die Welt aus den Angeln zu heben. Deswe­gen set­zen wir uns in der Frauen*bewegung für eine klassenkämpferische Per­spek­tive ein und kämpfen zugle­ich in der Arbeiter*innenbewegung dafür, dass sie sich fem­i­nis­tis­che Forderun­gen zueigen macht.

So müssen wir beispiel­sweise heute in Berlin die Therapeut*innen der Char­ité unter­stützen, die out­ge­sourct wur­den und sich inzwis­chen seit 23 Tagen im Streik befind­en. Denn Out­sourc­ing und Befris­tung trifft vor allem Frauen*. Der Kampf der Kol­legin­nen des CPPZ (Char­ité Phys­io­ther­a­pie- und Präven­tion­szen­trum) zeigt den Weg, wie wir gegen die Poli­tik der Prekarisierung kämpfen kön­nen. Zugle­ich ver­weisen sie auf eine Rei­he weit­er­er Prob­leme, die beson­ders Frauen* und Arbei­t­erin­nen im Gesund­heits­bere­ich tre­f­fen.

Beson­ders die Sit­u­a­tion von Hebam­men und Schwan­geren illus­tri­ert diese: Nicht nur wer­den Hebam­men trotz der enor­men Ver­ant­wor­tung, die sie tra­gen und der extrem anges­pan­nten Per­son­al­si­t­u­a­tion in den Kliniken extrem schlecht bezahlt, son­dern sind es am Ende des Tages aus­gerech­net Schwan­gere, die den Sparkurs im öffentlichen Dienst zu spüren bekom­men.

Bei all diesen Fra­gen wollen wir nicht nur die Ver­ant­wortlichen in den konkreten Betrieben unter Druck set­zen, son­dern ger­ade die poli­tisch Ver­ant­wortlichen in Bun­des- und Lan­desregierun­gen. Sie sind es, die mit Hartz IV, Kitakrise und fehlen­der sozialer Infra­struk­tur, der Pri­vatisierung von Wohn­raum und dem Fes­thal­ten an den reak­tionären Abtrei­bungspara­graphen 218 und 219a StGB maßge­blich zur Aufrechter­hal­tung der Unter­drück­ung von Frauen* beitra­gen. Deswe­gen verbinden wir den Kampf für konkrete Verbesserun­gen in den ver­schiede­nen Betrieben mit dem Kampf für ein Ende der Prekarisierungspoli­tik über­all. Dafür müssen auch die stat­tfind­en­den Arbeit­skämpfe zusam­menge­führt wer­den, wie z.B. in Berlin der Kampf bei der BVG mit dem in den Kranken­häusern. Wir soll­ten dies auch mit weit­eren poli­tis­chen Forderun­gen verknüpfen: Forderun­gen nach kosten­los­er und aus­re­ichen­der Kinder­be­treu­ung für alle, die in Deutsch­land leben und dem kosten­losen und legalen Zugang zur Abtrei­bung inner­halb eines Gesund­heitssys­tems, das nicht im Inter­esse der Prof­ite ste­ht.

Antirassistisch und internationalistisch gegen den Kapitalismus

Beson­ders in Deutsch­land ist unsere Klasse eine mul­ti­eth­nis­che, in der migrantis­che Frauen* oft am meis­ten aus­ge­beutet wer­den. Genau­so wie Sex­is­mus erfüllt Ras­sis­mus im Kap­i­tal­is­mus die Funk­tion, die Arbeiter*innenklasse zu spal­ten. AfD und Co. kommt die ökonomis­che Struk­tur dieser Gesellschaft gele­gen: Auch sie spie­len uns gegeneinan­der aus, um auf dieser Grund­lage schlechte Arbeits­be­din­gun­gen legit­imieren zu kön­nen. Entschlossen set­zen wir dem die Ein­heit der gesamten Klasse ent­ge­gen. Dabei ist eine wichtige Forderung, dass endlich alle, die in Deutsch­land leben, hier auch wählen kön­nen. Der Kampf dafür und gegen alle For­men vom Ras­sis­mus ist ein zen­traler Schritt auf dem Weg zu mehr Ein­heit in unseren Rei­hen. Nur als geeinte Klasse ist es uns let­ztlich möglich, die Basis jeglich­er Unter­drück­ung zu beseit­i­gen: den Kap­i­tal­is­mus, der alle seine For­men dafür nutzt, uns noch effek­tiv­er auszubeuten.

Das ist umso wichtiger in einem impe­ri­al­is­tis­chen Land wie Deutsch­land. Denn das deutsche Kap­i­tal beutet nicht nur uns, son­dern auch Mil­lio­nen Men­schen in anderen Län­dern aus. Deshalb stellen wir uns auch gegen Kolo­nial­is­mus, Chau­vin­is­mus und Impe­ri­al­is­mus. Wir ver­ste­hen die Arbeiter*innenklasse als uni­ver­sales Sub­jekt, das nur durch die Ein­heit aller Unter­drück­ten den Sturz des Kap­i­tal­is­mus ermöglichen kann. Inter­na­tion­al­is­mus ist für uns dabei kein moralis­ches human­itäres Ele­ment, son­dern eine strate­gis­che Notwendigkeit, um den patri­ar­chalen und ras­sis­tis­chen Kap­i­tal­is­mus als ein glob­ales Sys­tem zu besiegen.

Heute bedeutet dies vor allem, inter­na­tion­al­is­tis­che Sol­i­dar­ität mit dem Wider­stand gegen Besatzung und Kolo­nial­is­mus in Palästi­na und Kur­dis­tan auszu­drück­en und diese mit den Kämpfen unser­er jüdis­chen Genoss*innen gegen Zion­is­mus und Anti­semitismus zu verbinden. Unsere Auf­gabe in Deutsch­land ist es, gegen die impe­ri­al­is­tis­che Ein­mis­chung des deutschen Staates in andere Län­der zu kämpfen sei es anhand von aus­beu­ter­ischen Han­delsabkom­men, Mil­itärin­ter­ven­tio­nen oder Waf­fen­ex­porten. Außer­dem lassen wir die Krim­i­nal­isierung der kur­dis­chen Organ­i­sa­tio­nen nicht zu.

In Deutsch­land ste­hen wir an der Seite der Geflüchteten, die in den let­zten Jahren helden­hafte Kämpfe geführt haben. Die Bun­desregierung bedi­ent sich nicht zulet­zt rhetorisch des Ras­sis­mus, um die zivilge­sellschaftliche Sol­i­dar­ität mit den Geflüchteten zu brechen und Abschiebun­gen zu nor­mal­isieren. Gegen die Abschot­tungs- und Abgren­zungspoli­tik vertei­di­gen wir die Rechte der Geflüchteten – begin­nend mit der sofor­ti­gen Anerken­nung aller Asy­lanträge.

Die Jugend im Kampf gegen das System

Par­al­lel zur wach­senden Frauen*bewegung entste­ht aktuell weltweit auch eine neue kämpferische Jugend, die von Ras­sis­mus, Sex­is­mus, Prekarisierung und Umweltzer­störung die Schnau­ze voll hat und dage­gen antikap­i­tal­is­tis­che Antworten sucht. Zum einen macht sie mit ein­er weltweit­en Schul­streik­be­we­gung gegen kap­i­tal­is­tis­che Umweltzer­störung und für eine andere Klimapoli­tik mobil. Zum anderen sind es junge Frauen* selb­st, die gegen Sex­is­mus in Schulen und Uni­ver­sitäten, für kosten­lose Ver­hü­tungsmit­tel, eine bessere sex­uelle Aufk­lärung und das Recht auf Abtrei­bung ein­treten und ein Recht auf die Mit­gestal­tung der Lehrin­halte ent­ge­gen kon­ser­v­a­tiv­er het­ero­sex­is­tis­ch­er Norm ein­fordern.

Sie sind klare Ver­bün­dete sowohl der Frauen*- als auch der Arbeiter*innenbewegung im Kampf gegen Unter­drück­ung und Aus­beu­tung. An Schulen und Uni­ver­sitäten gilt es deshalb, gemein­same Basis­struk­turen von Schüler*innen bzw. Studieren­den und Beschäftigten sowie Frauen*komitees aufzubauen. Der gemein­same Uni-Block von ver­schiede­nen Hochschu­lange­höri­gen, den wir für diesen 8. März in Berlin organ­isiert haben, stellt einen Schritt in diese Rich­tung dar.

Selbstorganisiert und demokratisch gegen die Bürokratie

Noch ver­suchen reformistis­che Parteien und NGOs sowie bürokratis­che Appa­rate in den Gew­erkschaften, unsere Kampfkraft zu begren­zen und uns mit leeren Worten abzus­peisen. Dage­gen beto­nen wir die Notwendigkeit ein­er Frauen*bewegung, die sich an der Basis organ­isiert und auf den Straßen sicht­bar wird. Wir wollen uns demokratisch organ­isieren und selb­st durch Abstim­mungen über unsere Forderun­gen und Kamp­fak­tio­nen entschei­den. Nur so kön­nen wir die Gew­erkschaften zu Orga­nen machen, die beson­ders für die Forderun­gen von Frauen*, Migrant*innen, Prekarisierten und let­ztlich aller Arbeiter*innen kämpfen, um dieses Sys­tem von Grund auf umzuwälzen.

Lasst diesen 8. März einen Auf­takt sein, um Struk­turen in Betrieben, Schulen, Unis und Nach­barschaften aufzubauen, um bald für die Durch­set­zung unser­er Forderun­gen die gesamte Gesellschaft lah­mzule­gen!

Durch das Sternchen wollen wir darauf aufmerk­sam machen, dass Geschlecht und Geschlecht­si­den­tität auseinan­der­fall­en kön­nen. Wir meinen damit also alle, die sich als Frau iden­ti­fizieren — auch wenn die Gesellschaft und/oder der Staat sich weigert, ihr Frau­sein anzuerken­nen.

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