Frauen und LGBTI*

70.000 Menschen gegen Gewalt an Frauen und LGBTI [mit Videos und Fotogalerie]

Vom 8. bis 10. Oktober fand in Argentinien ein weltweit einzigartiges Treffen statt: 70.000 Frauen diskutierten in über 200 Workshops und demonstrierten mit einem 40 Blöcke langen Marsch gegen sexualisierte Gewalt und für die Rechte von Frauen und LGBTI-Personen.

70.000 Menschen gegen Gewalt an Frauen und LGBTI [mit Videos und Fotogalerie]

Es war eine Reko­rd­beteili­gung: Bis zu 70.000 Men­schen ver­sam­melten sich am ver­gan­genen Woch­enende in Rosario, der drittgrößten Stadt Argen­tiniens, zum #Encuen­troNa­cional­Mu­jeres – dem lan­desweit­en Tre­f­fen der Frauen­be­we­gung, welch­es schon zum 31. Mal stat­tfand.

Höhep­unkt des Tre­f­fens war eine riesige Demon­stra­tion, die in die Geschichte einge­ht: Mehr als 40 Blöcke zog sich der Marsch hin, zehn­tausende Frauen schrien mit “Ni una menos – keine weniger!” ihre Wut gegen die anhal­tende Gewalt an Frauen und LGBTI-Per­so­n­en her­aus. Sie forderten das Recht auf Abtrei­bung, die Tren­nung von Kirche und Staat, und demon­stri­erten gegen die Kürzungspoli­tik der Regierung – sowohl der recht­en Macri-Regierung als auch der früheren Kirch­n­er-Regierung.

An dem Tre­f­fen und der Demon­stra­tion nah­men fast alle Frauenor­gan­i­sa­tio­nen Argen­tiniens, Studieren­de­nor­gan­i­sa­tio­nen, Frauensek­tio­nen der großen Gew­erkschaften und selb­stor­gan­isierte Frauenkomi­tees selb­stver­wal­teter Betriebe wie Zanon und Mady­graf teil. Eine der größten Del­e­ga­tio­nen des Tre­f­fens war die sozial­is­tis­che Frauenor­gan­i­sa­tion Pan y Rosas (Brot und Rosen), in der die Frauen unser­er argen­tinis­chen Schwes­t­eror­gan­i­sa­tion PTS sich gemein­sam mit unab­hängi­gen kämpferischen Frauen organ­isieren.

Am Ende der Demon­stra­tion griff die Polizei die Menge an. Diese Pro­voka­tion war von langer Hand vor­bere­it­et: Stun­den vorher hat­ten sich die Ein­satzkräfte schon im Dom ver­steckt, um beim Vor­beiziehen des Marsches aus ihrem Ver­steck zu strö­men und mit Knüp­peln und Gum­migeschossen auf die Demon­stra­tion loszuge­hen.

Mehr als 200 Workshops mit strategischen Debatten

Während des gesamten Woch­enen­des gab es über 200 Work­shops, in denen über sex­u­al­isierte Gewalt, Morde an Frauen, das Recht auf Abtrei­bung, Sex­u­alerziehung, Arbeits­be­din­gun­gen und Arbeit­skämpfe von Frauen, Pros­ti­tu­tion, Jugend und andere Dinge disku­tiert wurde. Zu den Work­shops, die zum ersten Mal gegeben wur­den, gehörte auch ein Work­shop zu schwarzen Frauen in Lateinameri­ka. Mehr als ein­hun­dert Men­schen aus Argen­tinien, Peru, Bolivien, Kolumbi­en und Brasilien nah­men daran teil.

Dieses Tre­f­fen war das erste Tre­f­fen unter der recht­en Macri-Regierung, die mit ein­er neolib­eralen Kürzungspoli­tik, Ent­las­sun­gen, Preis­er­höhun­gen der öffentlichen Dien­stleis­tun­gen und Repres­sion gegen die Bevölkerung vorge­ht. Während des Tre­f­fens gab es Debat­ten zwis­chen der Linken und den kirch­ner­is­tis­chen Sek­toren, die im ver­gan­genen Jahrzehnt die vorherige Regierung unter­stützt haben – ohne dass das Recht auf Abtrei­bung einge­führt oder die Sit­u­a­tion beson­ders arbei­t­en­der Frauen sich sub­stanziell verbessert hätte.

Brot und Rosen

Ein wichtiger Teil der Del­e­ga­tion von Brot und Rosen bei dem Tre­f­fen bestand aus kämpferischen Arbei­t­erin­nen aus Druck­erei­be­trieben, Call­cen­tern, Lebens­mit­telfab­riken, U‑Bahnen, dem Flugverkehr, dem öffentlichen Dienst, der Tex­tilin­dus­trie und der Lehrerin­nen, neben Kämpferin­nen gegen die Repres­sion und für Men­schen­rechte und Del­e­ga­tio­nen von mehr als 30 Uni­ver­sitäten.

Unsere argen­tinis­chen Genossin­nen forderten bei dem Tre­f­fen, dass ein neues Gesetz gegen sex­u­al­isierte Gewalt einge­führt wird, welch­es die Front der Linken und der Arbeiter*innen im Par­la­ment einge­bracht hat. Außer­dem fordern sie die Legal­isierung der Abtrei­bung und die Tren­nung von Staat und Kirche. Sie lehnen die Kürzungs­maß­nah­men und die Repres­sion der Macri-Regierung ab, verurteilen die Prekarisierung und fordern von den Gew­erkschafts­führun­gen einen lan­desweit­en Kampf­plan bis hin zu einem Gen­er­al­streik. Weit­er­hin fordern sie eine Quote für Trans-Frauen am Arbeit­splatz, die beson­ders von Diskri­m­inierung bei der Ein­stel­lung betrof­fen sind, sowie vom Staat und den Bossen bezahlte Kindertagesstät­ten. Dies sind für sie Ele­mente im viel weit­erge­hen­den Kampf gegen das Patri­ar­chat und den Kap­i­tal­is­mus.

“Wir sind überzeugt, dass nur die Organ­isierung ein­er kämpferischen Kraft mobil­isiert­er Frauen, unab­hängig von den Parteien des Regimes, des Staates und sein­er Insti­tu­tio­nen, unsere Rechte erkämpfen kann”, erk­lärte Andrea D’A­tri, Grün­derin von Brot und Rosen.

Mehr Fotos: www.laizquierdadiario.com/Las-fotos-del-EncuentroNacionalMujeres

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