Welt

1. Mai in Chile

Zwanzig­tausend Men­schen demon­stri­eren in San­ti­a­go de Chile am 1. Mai für eine Arbeit­sre­form in ihrem Sinne.

1. Mai in Chile

// Zwanzig­tausend Men­schen demon­stri­eren in San­ti­a­go de Chile am 1. Mai für eine Arbeit­sre­form in ihrem Sinne. //

Auch in Chile rief der Gew­erkschafts­dachver­band (CUT) zu Demon­stra­tio­nen im ganzen Land anlässlich des inter­na­tionalen Tages der Arbei­t­erIn­nen­klasse auf. In der Haupt­stadt San­ti­a­go ver­sam­melten sich rund 20.000 Men­schen bei der zen­tralen Demon­stra­tion. Dieser 1. Mai wurde beson­ders durch den tiefen Kor­rup­tion­sskan­dal, in dem die Regierung der „Neuen Mehrheit“ steckt und die von ihr angestoßene Arbeit­sre­form geprägt.

Let­ztere bringt einige Verbesserun­gen für die Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung, indem sie den Gew­erkschaften mehr Rechte ein­räumt und beispiel­sweise den Ein­satz von Streik­brecherIn­nen inner- und außer­halb des Betriebes ver­bi­etet. Doch gle­ichzeit­ig ver­tieft sie die Ver­fol­gung von gew­erkschaftlichen AktivistIn­nen und sie lässt wichtige Forderun­gen der Gew­erkschafts­be­we­gung wie die Ver­hand­lun­gen auf Indus­trieebene außen vor. Ins­ge­samt ist sie eine Reak­tion der Regierung auf die ansteigen­den Streikzahlen, die kämpferischen Meth­o­d­en und die sich häufend­en Infragestel­lun­gen der Gew­erkschafts­bürokratie. Doch ist sie weit mehr ein „Reförm­chen“ und lässt das neolib­erale Mod­ell, das auf Prekarisierung und Armut beruht und in Zeit­en der Mil­itärdik­tatur einge­führt wurde, intakt.

Zu Beginn wurde die Reform noch ohne wenn und aber von der Führung der CUT, die in den Hän­den der Kom­mu­nis­tis­chen Partei liegt, unter­stützt. Die KP wurde zu den Präsi­dentschaftswahlen 2013 in das his­torische Mitte-Links-Bünd­nis Con­certación aufgenom­men, um die Forderun­gen der sozialen Bewe­gun­gen, wie der Studieren­den­be­we­gung, in par­la­men­tarische Wege zu lenken und so den Klassenkampf zu ver­langsamen. Durch den Druck der Basis musste sich die CUT jedoch kri­tis­ch­er zu den Refor­men äußert, auch wenn sie ihre Verän­derun­gen auf par­la­men­tarischem Wege ein­brin­gen will und nicht auf die Mobil­isierung set­zt.

In der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung hat sich eine wichtige Debat­te anhand der Arbeit­sre­form entwick­elt. So organ­isierten die Hafe­nar­bei­t­erIn­nen im ganzen Land schon Ende März einen Streik gegen die aktuelle Form der Reform. Am 21.April streik­ten alle strate­gis­chen Sek­toren der Indus­trie, von den Forstar­bei­t­erIn­nen über die Häfen und die Minen, in Ablehnung der Reform und auch die CUT musste formell den Streik unter­stützen.

Der Großteil dieser kri­tis­chen Sek­toren organ­isierten am 1.Mai eine alter­na­tive Demon­stra­tion und ließen damit die bürokratis­chen Führun­gen in Frieden, die zusam­men mit der Regierung auf der Abschlussver­anstal­tung der offiziellen Demon­stra­tion rede­ten. Die trotzk­istis­che Partei Rev­o­lu­tionär­er Arbei­t­erIn­nen (PTR) organ­isierte dahinge­gen einen antibürokratis­chen und klassenkämpferischen Block auf der zen­tralen Demon­stra­tion, in dem während des Ver­laufs ein Mod­ell des aktuellen Arbeit­srecht­es aus der Dik­tatur vor dem Regierungssitz ver­bran­nt wurde. In der alter­na­tiv­en Abschlusskundge­bung waren Arbei­t­erIn­nen aus der Post, der Nahrungsmit­telin­dus­trie, multi­na­tionalen Met­all­be­trieben, Mine­nar­bei­t­erIn­nen und aus dem Gesund­heitssek­tor sowie die klassenkämpferischen Studieren­den aus der Rev­o­lu­tionären Kämpferischen Grup­pierung (ACR) anwe­send. Sie trat­en für ein neues Arbeit­srecht ein, das nur durch die unab­hängige Mobil­isierung errun­gen wer­den kann und kämpfen für die Rücker­oberung der CUT aus den Hän­den der Gew­erkschafts­bürokratie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.