Frauen und LGBTI*

Wir haben die Kita-Krise

Was im Angesicht der Großdemos gegen die AfD am Sonntag untergeht und dennoch Erwähnung finden sollte, ist die Demo gegen die Kita-Krise am Vortag. Tausende Eltern, Erzieher, Gewerkschafter und Kinder gingen wegen der schlechten Betreuungssituation auf die Straße. Ein Gastbeitrag einer Betroffenen.

Wir haben die Kita-Krise

Angemeldet waren 1800, doch es wur­den wesentlich mehr. Auch dies zeigt, wie akut die ganze Sit­u­a­tion ist: Allein in Berlin fehlen derzeit fast 3000 Kita­plätze. In vie­len Regio­nen Deutsch­lands sieht es noch schlim­mer aus. Soviel zu den nüchter­nen Fak­ten. Die Real­ität für mich als Mama bedeutet ein­fach nur Stress und Job­ver­lustäng­ste.

Es war also so, dass ich schon während der Schwanger­schaft zu den Kitas gegan­gen bin und ver­sucht habe, mein Kind auf die ver­schiede­nen Wartelis­ten (ja, genau – es gibt keine Zen­trale Warteliste! Das ist auch Teil des Prob­lems!) zu set­zen. Schon dort habe ich über­all vernehmen müssen, wie schlecht es ausse­he. Und auch nach der Geburt wurde es nicht bess­er. Da man ja als Neu-Mama nicht schon genug damit zu tun hat, mit der völ­lig neuen Sit­u­a­tion zurechtzukom­men, dass man nun für ein vol­lkom­men hil­flos­es, von einem selb­st total abhängiges Wesen ver­ant­wortlich ist, bin ich also weit­er­hin zu noch mehr Ein­rich­tun­gen gelaufen und habe akribisch eine immer länger wer­dende Excel-Liste geführt, in welch­er ich fest­ge­hal­ten habe, wann ich welche Ein­rich­tung besucht habe und wie deren weit­er­er Wun­sch-Ablauf ist. Denn auch das ist von Ein­rich­tung zu Ein­rich­tung ver­schieden. Und bei gut über sechzig Ein­rich­tun­gen ver­liert man schon mal den Überblick. Und was hat es genutzt? Nichts. Keine dieser Ein­rich­tun­gen will mein Kind ab dem Som­mer betreuen.

Ich kenne mit­tler­weile viele Müt­ter, die zwangsweise ihre Elternzeit ver­längern mussten und nicht wis­sen, wie es weit­erge­hen soll. Die typ­is­chen „Frauen­prob­leme“ wie: zu lange Haus­frau sein – finanzielle Abhängigkeit vom Vater des Kindes – nur (wenn über­haupt) Teilzeitjob – und am Ende kaum Rente, wer­den so mal eben wun­der­schön vom Sen­at fest­geschrieben.

Und auch die Kita-Krise ist vom Sen­at haus­gemacht. Noch in den 2000ern kon­nte man nicht schnell genug viele Kitas und Schulen schließen und deren Grund­stücke veräußern. Schließlich waren die Geburten­rat­en ja rück­läu­fig. Und weil wir nun mal im anar­chisch funk­tion­ieren­den Kap­i­tal­is­mus leben, hielt kein­er der Ver­ant­wortlichen es für nötig, diese ein­mal getrof­fene Entschei­dung zu hin­ter­fra­gen und deren weit­ere Gültigkeit zu über­prüfen. Dass steigende Geburten­rat­en und sink­ende Kita­plätze sehr wohl miteinan­der zu tun haben, fällt also erst jet­zt auf.

Das es immer weniger Kita­plätze gibt, liegt nicht zulet­zt auch daran, dass die Arbeit der Erzieher*innen ein Knochen­job ist, welch­er mies bezahlt und null wert­geschätzt wird. Das sieht man nun auch daran, dass die „Lösung“ des Sen­ats aktuell so aussieht, ein­fach den Betreu­ungss­chlüs­sel zu erhöhen. Das ken­nt man ja auch aus der Pflege. Dass das dazu führen wird, dass noch mehr Erzieher*innen aus­bren­nen und das Hand­tuch wer­fen, oder eben erst gar nicht diese Aus­bil­dung anfan­gen wollen, kann man sich dabei an ein­er Hand aus­rech­nen.

Umso wichtiger fand ich das Sig­nal der Demo, dass Eltern gemein­sam mit den Erzieher*innen an einem Strang ziehen müssen. Nicht sel­ten war es in der Ver­gan­gen­heit ja gerne auch mal so, dass Eltern die ver­schiede­nen Schwierigkeit­en den jew­eili­gen Trägern oder Erzieher*innen zuschrieben und sich mas­siv beschw­erten, wenn die Erzieher*innen während der Tar­i­fau­seinan­der­set­zun­gen in den Streik gin­gen. Doch dass der Fehler im Sys­tem liegt, war bei den Teilnehmer*innen der Demo weitver­bre­it­eter Kon­sens. Nicht umson­st hat­te neben dem Lan­desel­ter­nauss­chuss auch die GEW zur Demo aufgerufen. Ein richtiger Weg­weis­er, wie ich finde. Denn um das Prob­lem lösen zu kön­nen, brauchen wir mehr gesamt­ge­sellschaftlichen und ökonomis­chen Druck. Und den erre­ichen wir am besten mit gemein­samen Streiks der Erzieher*innen und Eltern. Ich bin dabei!

2 thoughts on “Wir haben die Kita-Krise

  1. Nora sagt:

    Geil­er Artikel!! Mehr zum The­ma pls!!!

  2. Nora sagt:

    Kri­tik: dass dies bei “Frauen und LGBTQI*” als rubrik unterge­bracht ist. Warum nicht bei “Unsere Klasse”? Hier wird sug­eriert, dass dies ein Frauen­prob­lem ist — wird es auch bleiben, wenn wir es weit­er­hin so behan­deln, und nicht als Klassen­prob­lem!

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