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„Wer macht die Arbeit? Wir, wir, wir!“ – Aufstand des Mittelbaus an Hochschulen beginnt

Das Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) hat heute Morgen bei der Hochschulrektor*innenkonferenz an der Universität Potsdam eine Kundgebung organisiert. Auf der Aktion, an der auch studentische Beschäftigte (TVStud) teilgenommen haben, wurde ein deutliches Signal gesetzt, dass die Hochschulbeschäftigten die voranschreitende Prekarisierung nicht einfach so hinnehmen werden.

„Wer macht die Arbeit? Wir, wir, wir!“ – Aufstand des Mittelbaus an Hochschulen beginnt

Schon um 8 Uhr versammelten sich etwa 30 Menschen vor dem Audimax der Universität Potsdam am Neuen Palais. Obwohl es ziemlich kalt und nass war, waren die Kolleg*innen sehr motiviert. Als die Rektor*innen mit ihren „dicken“ Autos einzeln zum Gebäude kamen, wo die Konferenz stattfinden sollte, fing auch die Kundgebung an.

Fabian Frenzel, Mitglied des NGAWiss hielt das Megafon und rief die ersten Parolen: „Hochschulrektoren hört mal her, wir haben kein Bock mehr auf prekär!“ Der akademische Mittelbau umfasst das meist graduierte, wissenschaftliche Personal an Hochschulen, das keinen Lehrstuhl vertritt. Bei der Kundgebung waren auch studentische Beschäftigte aus Berlin dabei, um die Aktion zu unterstützen. Sie betonten den gemeinsamen Kampf und drückten ihre Solidarität aus. Auch Beschäftigte und Studierende der Universität Potsdam beteiligten sich an der Aktion.

Nach der Kundgebung gingen die Kolleg*innen in den Saal, wo die Konferenz stattfinden sollte. Sie stellten sich mit ihren Transparenten vor der Bühne auf und hielten eine Rede, in der sie die Rektor*innen mit ihrer Politik für das Elend des Mittelbaus verantwortlich machten. Sie forderten die Demokratisierung der Hochschulen, die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes sowie unbefristete Beschäftigung durch Dauerstellen. Mit lauten Parolen und der Ankündigung wieder zu kommen, verließen sie den Audimax.

Hochschulbeschäftigte: Befristet, unterfinanziert und in Teilzeit

Eine der Hauptforderungen von NGAWiss ist die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG). Dieses Gesetz erlaubt den Hochschulen wissenschaftliches Personal mit akademischer Ausbildung ohne besonderen Sachgrund bis zu sechs Jahre befristet zu beschäftigen.

Außerdem sind nach dem WissZeitVG beliebig viele Befristungen möglich, wenn die Beschäftigung aus „Drittmitteln“ finanziert wird und es sich um eine „bestimmte“ Aufgabe handelt. Wenn man bedenkt, dass die Hochschulen viele „Daueraufgaben“ durch spezielle Forschungs- und Exzellenzprojekte zu Dritten auslagern, zeigt die Rechtslage ihr Gesicht deutlicher: Ermöglichung der Ausbeutung billiger akademischer Arbeitskraft.

90 Prozent aller wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen an Hochschulen sind befristet beschäftigt und mehr als die Hälfte haben Zeitverträge mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Das bedeutet, dass die Kolleg*innen nicht wissen, ob sie am Ende des Semesters weiterhin beschäftigt werden. Diese unsicheren Arbeitsverhältnisse nutzen den Hochschulen einerseits dadurch, dass eine Organisierung unter der Kolleg*innen schwieriger wird, da es ständig zu einem Personalwechsel kommt. Andererseits dient es auch dazu, dass die Hochschulen kritische Akademiker*innen bei Bedarf nicht mehr weiterbeschäftigen. Bis auf wenige Ausnahmen steigt der Anteil der befristeten Stellen in Hochschulen immer weiter.

Die Politik der Hochschulen durch die Exzellenzstrategie dient dazu, dass anhand der neuen Stellen in einzelnen Projekten Konkurrenz zwischen den Beschäftigten aufgebaut wird, anstatt eine Grundfinanzierung der Lehre durch Dauerstellen zu ermöglichen. NGAWiss fordert deswegen unbefristete Beschäftigungsverträge nach der abgeschlossenen Promotion.

Was tun?

Die heutige Aktion war der Auftakt eines langen Kampfes. Ein Kampf gegen Ausbeutung, Prekarisierung und mangelnde Mitbestimmung an den Hochschulen. Dabei ist es sehr wichtig, dass die Solidarität zwischen Beschäftigungsgruppen weiterhin besteht. Dass die studentische Beschäftigten und der Mittelbau sich bei ihrer Aktionen jeweils gegenseitig solidarisiert haben, zeigt, dass der Wille da ist.

Auch die Solidarität der Studierenden ist sehr wichtig. Es ist auch ihr direktes Interesse, dass die Beschäftigten der Universität gute Arbeitsbedingungen haben. Eine große Aufgabe fällt dort auch den studentischen Hochschulgruppen und Asten zu, die Einheit der Studierenden und Beschäftigten hervorzuheben. Dabei können die studentischen Beschäftigten eine Schlüsselrolle spielen.

Was wir brauchen, ist die Selbstorganisierung der Hochschulangehörigen an den Universitäten, egal ob sie Studierende oder Beschäftigte sind. Wir müssen unsere Probleme besprechen, gemeinsame Forderungen aufstellen und dementsprechend Aktionen organisieren, kämpfen und streiken. Nur durch unseren gemeinsamen Kampf wird es möglich sein, die Universität in unserem Interesse neu zu gestalten.

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