Brot und Rosen

„Wenn wir uns organisieren, werden wir alle gemeinsam gewinnen“ – Interview aus dem Feminist Future Festival

Auf dem Feminist Future Festival, das vom 12.-16.09. in Essen stattfand, sprachen wir mit Marga und Amalia, zwei Hausarbeiterinnen und Aktivistinnen des Kollektivs territorio doméstico aus Madrid.

„Wenn wir uns organisieren, werden wir alle gemeinsam gewinnen“ - Interview aus dem Feminist Future Festival

Bild: Marga und Amalia auf dem Feminist Futures Festival.

Wer seid ihr und warum wart hier beim Feminist Futures Festival?

Marga: Ich bin Marga. Ich bin Ecuadorianerin, aber lebe in Madrid. Ich bin Hausangestellte. Wir sind zu diesem Festival gekommen, um uns mit Gruppen international zu vernetzen, damit sie uns kennenlernen und erfahren, dass Hausarbeit sehr wichtig ist. Wir sind gekommen, um Erfahrungen zu sammeln und viele Dinge von hier, von diesem Festival, mitzunehmen.

Amalia: Ich bin Amalia, ich bin Marga’s compañera [Kollegin, Genossin, Partnerin, Anm. d. Ü.]. Ich bin auch Ecuadorianerin. Ich lebe in Madrid. Und wie meine Kollegin gesagt hat, wir sind hier, weil wir von der Rosa Luxemburg Stiftung eingeladen worden sind. Dies wird uns in Zukunft helfen, Erfahrungen von anderen Kolleginnen zu sammeln und auch, damit sie unsere Erfahrungen nutzen können. Teilen ist für uns sehr wichtig, denn es ist das, was uns stark macht, damit wir siegen und unsere Ziele erreichen können.

Was ist für euch das wichtigste Ergebnis dieses Festivals? Was nehmt ihr mit nach Hause oder was sollten andere Leute mitnehmen?

Marga: Weil wir an einigen Workshops teilgenommen haben, haben wir gesehen, dass Haus- und Pflegearbeiten Aufmerksamkeit erregt haben. So haben wir das Gefühl, dass unsere Kämpfe in Madrid auch in anderen Ländern gesehen werden wollen. Wir wollen uns mit anderen Hausangestellten hier in Deutschland vernetzen und sie wissen lassen, dass es am Besten ist, sich zu Organisieren und wir damit alle gemeinsam gewinnen werden.

Um für Rechte zu kämpfen, die wir alle haben wollen. Nicht nur für uns aus dem Kollektiv territorio doméstico sondern für alle Hausangestellten wollen wir die gleichen Rechte, die gleichen Lohntabellen – die gleichen Rechte wie alle anderen Arbeiter*innen wollen wir für Hausangestellte.

Amalia: Für uns ist es äußerst wichtig, sichtbar zu machen, was wir in diesem Kollektiv tun und was wir erreichen. Jetzt ist es also unser Ziel, wie alle anderen Arbeiter*innen auch das Streikrecht zu haben, genauso wie alle Rechte, die andere Arbeiter*innen besitzen und von denen bekannt ist, dass die Hausarbeiterinnen sie nicht haben. Verstehst du?

Dass wir einen schriftlichen Vertrag haben, nicht nur mündlich, dass unsere Arbeitszeiten respektiert werden, unsere Aufgabenbereiche, dass wir unsere Ruhezeiten haben, wie es sein sollte. Das ist unser Kampf: dass die Hausarbeit und die Pflege genauso wie jede andere Arbeit anerkannt werden und dass wir in die Haushaltsplanung der Regierenden in Madrid und Spanien aufgenommen werden.

Diese Bewegung ist, wie ihr gesagt habt, nicht nur für euch, sondern für alle Hausangestellten. Wie kann es eurer Meinung nach erreicht werden, dass sie wächst und international gekämpft wird?

Marga: Zu aller erst Geld, weil wir ohne Geld keine Reisen unternehmen oder versuchen können, Kolleginnen zum Reisen zu bringen. Dann wäre es ein Projekt, das so geführt wird, dass es uns hilft. Wenn ich jedoch sage, dass ich mich mit Hausangestellten in Deutschland vernetzen will, aber nicht die Ressourcen dafür habe, ist es nicht möglich. Wir wollen, dass mehr Frauen an diesen Projekten teilnehmen, bis wir in Deutschland ein großes Treffen mit Hausangestellten haben.

Ein solches Treffen wäre nicht so wie dieses Festival, sondern ein Treffen von Hausarbeiterinnen, bei dem wir alle sagen, was unsere Themen sind und was wir erreichen wollen. Dass wir nicht nur sagen, was wir tun wollen, sondern auch mehr tun, um es zu erreichen.

Amalia: Wir haben diese Idee…. wir haben es schon einmal in Madrid gemacht: Wir haben einen Kongress von Haus- und Pflegearbeiterinnen durchgeführt und es war großartig. Unsere Idee ist es, genau das zu revolutionieren, indem wir uns vereinen, indem wir einen internationalen Kongress abhalten. Das ist unser Motto, unser Kampf jetzt, und wir werden es erreichen, denn darin sind wir alle miteinander verbunden, weil wir alle auf die eine oder andere Weise Sorgearbeit machen.

Nicht nur wir, die wir arbeiten, sondern auch die Frauen, die ohne Gehalt arbeitet. Sie verrichtet Sorgearbeit 24 Stunden am Tag, weil sie Mütter sind, Ehefrauen, Lebenspartnerinnen oder Töchter, um die sich gekümmert werden muss.

Marga: Die Politiker*innen lassen es von ihrer Agenda aus, sie meinen dass es sich um „Frauensache“ handelt, aber wir wollen auch den Mann einbeziehen. Pflege brauchen die Weißen, die Schwarzen, die Armen, die Reichen, die Großen, die Kleinen – jeder braucht sie. Das muss immer berücksichtigt werden, und die Politiker*innen in allen Ländern der Welt müssen berücksichtigen, dass sie, selbst wenn sie mächtig sind und viel Geld haben, morgen Pflege brauchen werden.

Und wenn sie ihre Häuser verlassen, brauchen sie Menschen in ihrem Haus, die diese Arbeit machen, diese Pflege macht, weil sie sich sonst nicht vollkommen auf ihre Arbeit konzentrieren können. Sie könnten nicht an ihrem Schreibtisch sitzen, wenn sie an die Dinge zu Hause denken müssten. Dann könnten sie nicht darüber nachdenken, was für Gesetze sie verabschieden. Sie brauchen eine Frau, die versteckt und unsichtbar ist und diese Arbeit macht. Das ist es, was wir wollen: anerkannt werden. So wie die, die das Streikrecht und so viele Privilegien haben in ihrer Arbeit. Wir wollen auch die gleichen Privilegien bekommen, weil wir eine sehr wichtige Arbeit leisten.

Ihr habt gesagt, dass ihr ein internationales Treffen von Hausarbeiterinnen wollt, während das in diesem Festival – offensichtlich – nicht der Fall war…

Marga: Es war mehr von allem. Ein bisschen von allem. Wir kommen auch deshalb, weil ein Netzwerk der Feministinnen für uns sehr wichtig ist. Wir sind Hausarbeiterinnen, aber wir sind auch Feministinnen. Deshalb haben wir auch am Festival teilgenommen, aber wir möchten auch – wie meine Kollegin sagt – einen internationalen Kongress der Hausarbeiterinnen, auf dem wir unsere Probleme auf die Agenda setzen. Wir wollen nicht, dass es wie bei den Gewerkschaften wird, die wie wir meinen uns leider nicht vertreten, sondern dass es ein internationaler Kongress mit unserer eigenen Stimme ist, mit unseren Gefühlen und Emotionen.

Wir wollen klarstellen, was unsere Probleme sind, was wir fühlen, was wir derzeit als Hausarbeiterinnen auf internationaler Ebene erleben. Es wäre spannend, nach Deutschland zurückzukehren, nach Berlin oder wo auch immer, aber als Hausarbeiterinnen. Es wäre sehr schön, nicht nur zu zweit zu kommen, sondern als viele. Wir sind Hausarbeiterinnen. Unser Motto ist: Marga und Amalia: Ohne uns bewegt sich die Welt nicht!

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