Unsere Klasse

„Weder die Verletzungen, noch die Festnahmen sind zu akzeptieren“

Während einer Aktion der studentischen Beschäftigten und Gewerkschaften an der TU Berlin, wo es durch den Befehl des TU-Präsidiums einen Polizeieinsatz gab, wurden Studierende und Beschäftigte der Universität festgenommen und verletzt. Wir veröffentlichen den Erfahrungsbericht von einem studentischen Kollegen.

„Weder die Verletzungen, noch die Festnahmen sind zu akzeptieren“

Wir hatten uns mit mehr als 100 studentischen Beschäftigten von allen Berliner Universitäten und als Gewerkschaftsmitglieder bei der Kundgebung an der Technischen Universität versammelt. Am Anfang der Kundgebung gab es gute Stimmung, obwohl drei Polizeiwagen mitten am Platz standen, wo die Kundgebung stattfinden sollte.

Wir haben vor dem Hauptgebäude Reden gehalten, Slogans gerufen und mit Trillerpfeifen Lärm gemacht. Mit der Aktion wollten wir als Arbeiter*innen der Universität die „Queen’s Lecture“ stören, damit unser Kampf um einen neuen studentischen Tarifvertrag (TVStud III) wahrgenommen wird.

Die Hundertschaften der Polizei stellten sich als eine Reihe vor dem Hauptgebäude (zusammen mit Securitys von einem Sicherheitsunternehmen in der typischen Ausrüstung), als wir nach der Kundgebung in das Unigebäude reingehen wollten. Die Securitys haben uns daran verhindert, in dem sie sich vor uns stellten und die Haustüren hielten.

Wir wollten durch die Haupttüren in das Foyer gehen, das neben dem Audimax ist, wo die „Queen’s Lecture“ stattfand. Ein Polizist kam plötzlich vor uns, stand auf unserem Weg und hat unseren Durchgang verweigert. Er und seine Kolleg*innen durften das Gebäude betreten, aber wir Studierende nicht, obwohl sie nicht zur Universität gehören, aber wir schon. Sogar der Notausgang für Gefahrsituationen war gesperrt. Ich stand vor dem Polizisten und er hat mich grenzwertig körperlich bewegt. Ich habe dann versucht, ruhig mit ihm zu diskutieren.

Wir hatten bei der Kundgebung bereits gesagt, dass wir reingehen wollten. Ich akzeptiere diese Behandlung vonseiten der Polizei und der Securitys nicht. Es ist als Studierende und Beschäftigte von diesem Ort unser Recht in das Unigebäude reinzukommen. Keiner darf an dem Ort, wo wir arbeiten und studieren, uns daran verhindern oder gegen unseren Willen uns körperlich bewegen oder unsere Körper in Gefahr bringen.

Wir haben danach als eine große Gruppe versucht durch die anderen Eingänge in das Gebäude reinzukommen und haben es geschafft. Wir haben uns dann entschieden über den ersten Stock ins Foyer zu gehen und haben uns in dem Gebäude in mehrere Gruppen verteilt.

Nach einer Weile war ich mit vier anderen Kolleg*innen im Treppenhaus. Wir wollten einen Stock runtergehen. Plötzlich wurde ich von einem Security angegriffen, den ich nicht vorher sehen konnte. Er ist zu mir gesprungen und hat mich in Richtung meiner Kolleg*innen geschubst. Wegen ihm bin ich umgekippt und habe diese Wunde bekommen. Solche Fälle hätten nicht zustande kommen müssen.

Am Ende der Kundgebung wurden zwei studentische Mitarbeiter*innen gegen ihren Willen in den Polizeiwagen geführt und zur Polizeistation gefahren, ohne vorher den Leuten in irgendeiner Art und Weise die Vorwürfe zu erklären. Es ist lächerlich und inakzeptabel, dass Studierende und Arbeiter*innen nicht in das Unigebäude dürfen, während die Polizist*innen alles machen können, was sie wollen. Es ist skandalös, dass wir von Securitys verletzt werden. Es ist noch skandalöser, wenn wir auf unserem Arbeitsplatz festgenommen werden.

Was hat die Technische Universität Berlin darüber alles dazu sagen, dass die Arbeiter*innen und Studierende der Universität von der Polizei und von der Sicherheitskräften eines externen Unternehmens so behandelt werden? Wer hat der Polizei und den Securitys den Befehl und das Recht für solche Taten gegeben? Was haben die anderen Universitäten und die Polizei darüber zu sagen? Es war das TU-Präsidium, das der Polizei erlaubte in das Unigebäude zu kommen und denen das Recht gab uns von der Veranstaltung mit Gewalt fernzuhalten. Die Repression war übertrieben und die Arbeiter*innenrechte wurden ignoriert.

Das ist eine Schande für die TU Berlin, „ein weltweites Vorbild für die Forschung“, dass solche Ereignisse stattfinden. Weder die Verletzung der studentischen Arbeiter*innen von Securitys eines Unternehmens, noch die Festnahmen von zwei Arbeiter*innen und Gewerkschaftsmitgliedern vor der Tür des Hauptgebäudes sind zu akzeptieren. Vor allem am Ende der Kundgebung! Beim Rausgehen!

Keine Person darf uns an unserem Arbeitsplatz weder den Eingang in das Gebäude verweigern, noch körperliche Gewalt ausüben.

Die Universität, wo wir größtenteils unser Leben verbringen, ist für uns ein wichtiger Ort. Wir studieren dort und arbeiten auch da. Als studentische Beschäftigte haben wir bisher für bessere Studien und Arbeitsbedingungen an diesem Ort gekämpft. Und das werden wir weiter tun!

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