Jugend

Warum sind die Universitäten in Deutschland so langweilig?

Schon lange sind die Universitäten nicht mehr der Ort des Widerstands. Dabei sind Studierende gerade heute von Sexismus, Rassismus und Prekarisierung betroffen. Ein Aufruf zum Handeln!

Warum sind die Universitäten in Deutschland so langweilig?

Die Universitäten in Deutschland befinden sich in einem tiefen Schlaf. Seit den letzten Bildungsprotesten 2009 haben sich die Unis kaum bewegt. Die Universitäten waren hundert Jahre lang zentrale Orten der außerparlamentarischen Opposition und der politische Bewegungen. Die ‘68er-Bewegung, die Proteste gegen Privatisierungen, die Anti-Kriegsbewegung – alle entstanden an den Universitäten.

In letzter Zeit war an den Unis in Frankreich, Argentinien oder Griechenland wieder einiges los. Aber warum nicht hier in Deutschland? Hat Deutschland weniger Widersprüche oder Probleme als diese Länder?

Der Neoliberalismus, der sich als die herrschende Ideologie an vielen Universitäten tief verwurzelt hat, trägt die Hauptverantwortung für die Befriedung und Isolation der deutschen Universitäten. Die Illusion, dass alle Rechte erkämpft worden seien und alles stabil und gefestigt sei, herrscht unter vielen Studierenden.

Eine Illusion, die tagtäglich von Präsidien der Unis, der Presse und den bürgerlichen Parteien geschürt wird. Und wir lassen uns einlullen, als ob wir sowieso nicht die Kraft hätten, etwas zu verändern oder gegen die „unangreifbaren” Institutionen zu gewinnen.

Dabei merken wir gerade zur Zeit, dass diese vermeintliche Stabilität erste Brüche erhält, und zwar nicht zu unseren Gunsten. Auch wenn sie uns weiß machen wollen, dass wir Studierende von den allgemeinen politischen Entwicklungen – vom Rechtsruck, von Rassismus, Sexismus und Prekarisierung – nicht betroffen seien. Aber natürlich sind wir betroffen. Wir sind diejenigen, die nebenbei in sehr prekären Jobs arbeiten. Es ist unser Recht auf Abtreibung, auf ein Leben frei von Unterdrückung, das von AfD und den bürgerlichen Parteien angegriffen wird. Wir sind die Menschen, die wegen unserer Hautfarbe oder unseres Akzents tagtäglich von Rassismus betroffen sind.

Die Universität ist kein über der Gesellschaft stehender Ort. Sie ist genau einer der Orte, wo wir uns gegen die kriegstreibende und rassistische Politik der Regierung und gegen den Aufstieg der AfD organisieren müssen. Wir können uns nur dann gegen die Angriffe der AfD oder dem Staat verteidigen, wenn wir uns als Ausgebeutete und Unterdrückte dort organisieren, wo wir einen Großteil unserer Zeit verbringen.

Wir wollen eine Universität und eine Gesellschaft, die in der Tat frei von Sexismus, Rassismus und Prekarisierung sind. Und dafür müssen wir das wieder zum Brennen bringen, was seit langem in uns schläft: den Willen zur Veränderung und das Vertrauen in unserer Kraft und unsere Kämpfe.

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