Unsere Klasse

VSG: Mehr als sechs Wochen Streik!

Es ist der längste Streik seit Jahren in Berlin: Mehr als sechs Wochen sind die Kolleg*innen von der Vivantes Service GmbH im Ausstand. Sie kämpfen nicht nur für sich selbst, sondern für alle Lohnabhängigen in der Hauptstadt.

VSG: Mehr als sechs Wochen Streik!

Die Vivantes Ser­vice GmbH ist kein Einzelfall. In vie­len Berlin­er Lan­desun­ternehmen gibt es Tar­if­flucht durch aus­gegliederte Tochter­fir­men. Unzäh­lige Kolleg*innen müssen mit Niedriglöh­nen und befris­teten Verträ­gen auskom­men – und das in Ver­ant­wor­tung des Berlin­er Sen­ats.

Aber seit mehr als sechs Wochen kämpft ihr, die VSG-ler*innen, dage­gen. Ihr erhebt eine Forderung, die vie­len Lohn­ab­hängi­gen in der Haupt­stadt am Herzen liegt: Gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit!

Das ist nicht der erste Arbeit­skampf dieser Art. Die Kolleg*innen vom Tech­nikmu­se­um kon­nten mit Streiks Tar­i­flöhne für alle durch­set­zen. Die „Harten vom Garten“ haben nicht nur einen ein­heitlichen Tar­ifver­trag, son­dern die Wiedere­ingliederung in den Mut­terkonz­ern erkämpft.

Aber euer Streik ist der läng­ste. Seit sechs Wochen ste­ht ihr jeden Tag am Streik­lokal. Und das ist wirk­lich beein­druck­end: Seit 2011 hat es keinen so lan­gen Streik in Berlin gegeben.

Man fragt sich: Warum will Vivantes, warum will der Sen­at ein­fach nicht nachgeben? Die Erfül­lung der Forderun­gen, näm­lich TVöD für alle VSG-Beschäftigten, würde laut einem SPD-Abge­ord­neten nur „Peanuts“ kosten – höch­stens ein paar Mil­lio­nen, was im Haushalt des Lan­des Berlin oder des Vivantes-Konz­erns gar nicht weit­er auf­fällt.

Aber es geht hier ums Prinzip. Die Politiker*innen und Manager*innen wis­sen: Wenn die VSG-ler*innen hier einen Sieg errin­gen, wer­den viele weit­ere Kolleg*innen eben­falls ein Ende der prekären Arbeits­be­din­gun­gen fordern. Das gilt für Kranken­häuser, Nahverkehrsun­ternehmen, Museen und vieles mehr.

Der Finanzse­n­a­tor Matthias Kol­latz-Ahnen (SPD) behauptet immer wieder, dass er und der Sen­at keine Tar­if­parteien seien. Sog­ar Abge­ord­nete der SPD mussten ihm erk­lären, dass das Unsinn ist. Denn Vivantes gehört zu 100 Prozent dem Land Berlin. Kol­latz-Ahnen sitzt genau­so wie Gesund­heitsse­n­a­torin Dilek Kolat im Auf­sicht­srat.

(Neben­bei: Wieviel ver­di­ent Kol­latz-Ahnen eigentlich? Nach unseren Berech­nun­gen bekommt er etwa 16.650 Euro – im Monat.)

Let­zte Woche haben wir einen ersten Durch­bruch erlebt. Sechs Wochen lang wurde der Streik in den großen Medi­en der Bosse tot­geschwiegen. Aber nun seid ihr in vie­len Zeitun­gen und im Fernse­hen. Radikalere Aktions­for­men, zum Beispiel die Block­ade ein­er Straße, waren da sehr hil­fre­ich. Die Verbindun­gen mit anderen Arbeit­skämpfen, vor allem mit den stu­den­tis­chen Beschäftigten von TVS­tud, wer­den immer enger. Wie Yunus von TVS­tud sagte: „Alle prekär Beschäftigten in Berlin wer­den zusam­men kämpfen!“ 

Diesen Weg musst ihr weit­er gehen. Beson­ders müssen wir uns an den Sen­at wen­den. Im Koali­tionsver­trag haben sie Tar­i­flöhne in Tochter­fir­men ver­sprochen. Die SPD, die Linkspartei und die Grü­nen sind direkt für diesen Arbeit­skampf ver­ant­wortlich.

Immer wenn wir mit Patient*innen oder der nor­malen Bevölkerung reden, erfahren wir, dass dieser Streik Unter­stützung genießt. Schließlich haben alle ein Inter­esse daran, dass qual­i­fiziertes und aus­re­ichen­des und zufriedenes Per­son­al im Kranken­haus arbeit­et.

Der Streik bei der VSG muss siegen! Streiken ist nicht ein­fach. Aber ihr musst durch­hal­ten. Denn ihr kämpft nicht nur für euch selb­st, son­dern für alle Lohn­ab­hängi­gen in Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.