Welt

Vorwort zur 3. Auflage

Vorwort zur 3. Auflage

Occu­py! Beset­zen! Ende 2011, im vierten Jahr der Weltwirtschaft­skrise, schallte dieser Schlachtruf rund um die Welt. Inspiri­ert vom Ara­bis­chen Früh­ling und beson­ders von der Beset­zung des Tahrir-Platzes in Kairo – die eine Welle von Demon­stra­tio­nen und Streiks aus­löste, die im Sturz des Dik­ta­tors Mubarak gipfel­ten – haben junge Men­schen in hun­derten Städten öffentliche Plätze beset­zt und Zelt­städte aufge­baut. #Occu­py-Proteste gab es an sym­bol­is­chen Orten wie der Puer­ta del Sol in Madrid oder dem Platz der Repub­lik in Berlin, aber auch in Finanzzen­tren wie der New York­er Wall Street oder dem Frank­furter Banken­vier­tel.

Denn es ist unerträglich gewor­den, dass eine kleine Schicht von Kap­i­tal­istIn­nen und kap­i­tal­is­tis­chen Poli­tik­erIn­nen („1%“) die Kosten ihrer Krise auf die Arbei­t­erIn­nen und Jugendlichen („99%“) abwälzt. Doch sind diese ge-occu­py-ten Orte die wirk­lichen Zen­tren der Macht? Zeigen die Platzbe­set­zun­gen einen Weg auf, um die Kap­i­tal­istIn­nen für ihre Krise zahlen zu lassen?

Ende 2011 jährt sich auch zum zehn­ten Mal die Wirtschaft­skrise in Argen­tinien, die mit den rev­o­lu­tionären Tagen am 19./20. Dezem­ber 2001 offen zu Tage trat. Prak­tisch über Nacht hat­ten Mil­lio­nen Men­schen ihre Erspar­nisse und ihre Arbeit­splätze ver­loren. Die Proteste dage­gen waren vielfältig: Arbeit­slose haben Straßen block­iert, Arbei­t­erIn­nen haben hun­derte Unternehmen beset­zt, Ange­hörige der Mit­telschicht haben auf Töpfe gehauen („Cacero­la­zo“) und Volksver­samm­lun­gen organ­isiert. Diese Proteste kon­nten eine Rei­he von Präsi­den­ten stürzen, die mas­sive Senkung der Lebens­stan­dards der Bevölkerung jedoch nicht aufhal­ten.

Zum zehn­ten Mal jährt sich auch die Beset­zung der Keramik­fab­rik Zanon in der argen­tinis­chen Stadt Neuquén. Um sich gegen Ent­las­sun­gen zu wehren, haben die Arbei­t­erIn­nen ihre Fab­rik beset­zt und schließlich unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle zum Laufen gebracht. Aus ein­er Verzwei­flung­stat im Kampf um die eigene Exis­tenz ist ein lebendi­ges Beispiel gewor­den, dass die Pro­duk­tion auch ohne Kap­i­tal­istIn­nen funk­tion­ieren kann. Vor allem zeigt diese Erfahrung, dass es möglich ist, sich gegen die Auswirkun­gen der Krise zu wehren: Eben nicht indem man im Camp­ingzelt aushar­rt, son­dern indem man die Pro­duk­tion­s­mit­tel der Kap­i­tal­istIn­nen enteignet. Anders aus­ge­drückt: Occu­py fac­to­ries! Occu­py work­places! Occu­py means of pro­duc­tion!

Auch in anderen Teilen der Welt und selb­st in Deutsch­land hat es Ver­suche gegeben, Fab­riken zu beset­zen und unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle zu betreiben. Meis­tens jedoch fehlte es diesen Abwehrkämpfen an ein­er klaren Strate­gie, und deswe­gen mussten sie früher oder später dem Druck des Sys­tems nachgeben. Das war beispiel­sweise auch bei der Fahrrad­fab­rik „Bike Sys­tems“ in Nord­hausen* der Fall. Zanon hielt aber diesem Druck stand.

Dieser mit­tler­weile zehn­jährige Kampf war auf­grund der Selb­stor­gan­isierung der Arbei­t­erIn­nen möglich, die jeden Schritt des Kampfes in Ver­samm­lun­gen disku­tierten und entsch­ieden – aber auch wegen ein­er trotzk­istis­chen Organ­i­sa­tion, die ein rev­o­lu­tionäres Pro­gramm in die Ver­samm­lun­gen ein­brachte und Mehrheit­en dafür gewin­nen kon­nte. Es han­delt sich um das Pro­gramm, das 1938 von der Welt­partei der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion, der Vierten Inter­na­tionale, aufgestellt wurde. Mit dieser Broschüre wollen wir einen beschei­de­nen Beitrag dazu leis­ten, im Rah­men der his­torischen Krise des Kap­i­tal­is­mus die Vierte Inter­na­tionale wieder­aufzubauen und dieses Pro­gramm weltweit umzuset­zen.

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