Welt

Von Berlin nach Teheran – studentische Solidarität

Bei der studentischen Vollversammlung an der Freien Universität Berlin wurde auch die Solidarität mit den aktuellen Protesten im Iran thematisiert.

Von Berlin nach Teheran – studentische Solidarität

Street Roots: “Unsere gemeinsamen Erfahrungen sind nicht nur in den Straßen Berlins verwurzelt, sondern auch in Teheran”

Protestierende Student*innen!

Wir in Street Roots, eine Berlin­er Gruppe von linken Aktivist*innen aus dem Iran, die nach vere­inzel­ten Teil­nah­men unser­er Mit­glieder an euren Ver­samm­lun­gen und Protes­tak­tio­nen von stu­den­tis­chen Beschäftigten in Berlin mit­bekom­men haben, verkün­den unsere Sol­i­dar­ität mit diesen Protesten. Was uns miteinan­der verbindet, ist nicht unser Wohnort, son­dern die sys­tem­a­tis­che Unter­drück­ung, die in Form der Pri­vatisierung des öffentlichen Raums – unter anderem Bil­dung, Reduzierung der Arbeit­skräfte ohne Lohn-Update – und Vernei­n­ung unseres Rechts auf Protest stat­tfind­et. Unsere gemein­samen Erfahrun­gen sind nicht nur in den Straßen Berlins ver­wurzelt, son­dern auch in Teheran, Istan­bul, San­ti­a­go, Bei­jing, Paris usw.

Vor ein paar Wochen gab es mas­sive Proteste im Iran, wo mehr als hun­dert­fün­fzig aktive Student*innen, auf dem Cam­pus, im Café oder im eige­nen Schlafz­im­mer festgenom­men wur­den; Stu­dentIn­nen, die gegen Trans­for­ma­tion der Studieren­den in bil­lige Arbeit­skräfte, Pri­vatisierung von Hochschulen und deren Trans­for­ma­tion zu den Prof­it-Unternehmen und zum Tre­ff­punkt von Per­son­al­ab­bau und Spar­maß­nah­men für Reduzierung des öffentlichen Bud­gets, protestiert haben. Sind diese Besorgnisse zu bekan­nt? Es ist nicht zufäl­lig! Das ist der glob­ale Lib­er­al­is­mus, der zuerst die Leibe von Arbeiter*innen, Lehrer*innen, Rentner*innen und Student*innen von dem wilden Neolib­er­al­is­mus beißt, um die Nachricht des Tages ver­sich­ern zu kön­nen: „82 Prozent des weltweit­en Ver­mö­genswach­s­tums geht an das reich­ste Prozent der Bevölkerung.“ Sol­i­dar­ität entste­ht, wo jede/r Unter­drück­te sich unbe­wusst an die Seite ander­er Unter­drück­ter stellt, und wir dort, wo wir sind, gegen Unter­drück­ung und Aus­beu­tung aktiv wer­den.

Hoch die transna­tionale Sol­i­dar­ität!

Mina Khani: “Solidarität in Wort und Praxis ist das Schlüsselwort”

Seit Monat­en streiken die Arbeiter*innen in ver­schiede­nen Klein- und Groß­fab­riken des Irans. Es geht um nicht aus­bezahlte Löhne, Pri­vatisierun­gen, Neolib­er­al­isierungs­maß­nah­men, Kor­rup­tion und Repres­sio­nen des Staates. Während der Massen­proteste im Iran wur­den halb-organ­isierte Stu­dentIn­nen gezielt festgenom­men. Es geht dort auch um einen Kampf gegen Pri­vatisierun­gen, Lib­er­al­isierungs­maß­nah­men, Unter­drück­ung etc. – ja den sel­ben Scheiß halt. Es geht um den deutschen und europäis­chen Impe­ri­al­is­mus, genau­so wie die Etablierung des Irans als Regional­macht, es geht um Stel­lvertreterkriege – und ja, es geht um Prof­ite und Kap­i­tal. Haft Tapeh, die größte Zuck­er­fab­rik des Lan­des, deren Arbeiter*innen seit Monat­en einen der pro­gres­sivsten Arbeiter*innenkämpfe im Iran führen, hat viele Kämpfe angestoßen. Sie haben sich den Massen­protesten angeschlossen und die Sol­i­dar­ität mit den kämpfend­en Massen angekündigt. Im Zuge dessen wurde Haft Tapeh selb­st radikaler und hat den Staat und die Besitzer*innen der Fab­rik mit der Selb­stver­wal­tung der Fab­rik bedro­ht. Die Student*innen, die das Gelände der Teheran­er Uni beset­zt hat­ten, riefen: Arbeiter*innen, Student*innen, vere­int euch. Haft Tapeh spricht sich gegen die poli­tis­che Unter­drück­ung und Repres­sio­nen aus.

Na Kolleg*innen? Was kön­nen wir aus diesen Kämpfen in einem der Dritte-Welt-Län­der ler­nen? Sol­i­dar­ität in Wort und Prax­is ist das Schlüs­sel­wort. Lass uns sol­i­darisieren mit den Student*innen, den Auf­stän­den der Unter­schicht­en, pro­gres­siv­en Arbeiter*innen und kämpfend­en Frauen und allen Unter­drück­ten im Iran, sowie den Geflüchteten, die aus den Län­dern wie iran herkom­men und als “Wirtschafts­flüchtlinge” erniedrigt wer­den – die Geflüchteten, die teil­weise dann wiederum für Hunger­löhne hier arbeit­en.

Ist die Rede zu poli­tisch? Ist sie zu radikal, ist sie zu “old­school”, zu ortho­dox? So reden teil­weise Student*innen und Arbeiter*innen im Iran abseits dieser „tollen west­lichen Demokratie“ hier, die ihr Leben mit Sank­tio­nen, Kriegen und inter­na­tionalen Abkom­men ruiniert. Wollen wir ihnen Gehör ver­schaf­fen?

One thought on “Von Berlin nach Teheran – studentische Solidarität

  1. Akbar sagt:

    Liebe Genossin­nen und Genossen,
    Liebe Fre­undin­nen und Fre­unde,

    Am Mon­tag, den 12. Feb­ru­ar 2018 will die iranis­che Botschaft in Berlin die 39-jährige Machter­grei­fung des islamistis­chen Regimes im Hotel Mar­itim in Berlin feiern. Das ” Net­zw­erk der iranis­chen Linken AktivistIn­nen” in Berlin ruft auf zur Protestkundge­bung.
    Hier ist link zu Peti­tion:

    http://chn.ge/2Fx5NWR

    Am Mon­tag, den 12. Feb­ru­ar 2018 will die iranis­che Botschaft in Berlin die 39-jährige Machter­grei­fung des islamistis­chen Regimes im Hotel Mar­itim in Berlin feiern.
    39 Jahre islamis­che Repub­lik Iran sind bis heute ver­bun­den mit sys­tem­a­tis­ch­er Entrech­tung, Ras­sis­mus, mas­siv­er Aus­beu­tung und Liq­ui­dierung der Oppo­si­tionellen, Ander­s­denk­enden und Ander­s­gläu­bi­gen, Steini­gun­gen, Ver­haf­tun­gen und Massen­hin­rich­tun­gen. Nach Bericht­en iranis­ch­er Medi­en wur­den allein in einem Monat 4000 Per­so­n­en ver­haftet, 30 getötet und einige hin­gerichtet. 90 Inhaftierten dro­ht zur Zeit die Hin­rich­tung als “Feinde Gottes”, weil sie für ihre Frei­heit gegen das Regime gekämpft haben.

    Die Protest­be­we­gung hat sich bis jet­zt jedoch nicht ein­schüchtern lassen. Tausende Fre­unde und Fam­i­lien­ange­hörige der Gefan­genen sitzen Tag- und Nacht lang vor den Gefäng­nis­sen und fordern die Freilas­sung ihrer Fre­unde bzw. Ver­wandten. Die geplanten Protes­tak­tio­nen richteten sich nicht nur gegen das islamis­che Regime im Iran, son­dern auch gegen dessen Spon­soren. Sämtliche Tech­nolo­gien, die das iranis­che Regime zur Zeit zum Zweck der Masse­nun­ter­drück­ung ver­wen­det stam­men von europäis­chen, ins­beson­dere von deutschen Fir­men wie Atlas, Daim­ler, Siemens, Heck­ler & Koch, Nokia und Linde.

    Diese deutsche und europäis­che Poli­tik sichert die Macht des islamistis­chen Regimes!

    Zeigt eure prak­tis­che Sol­i­dar­ität mit dem iranis­chen Wider­stand und set­zt euch für die Inhaftierten ein!

    AK Asyl Göt­tin­gen
    email: akasylgoe@emdash.org [PGP Pub­lic Key]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.