Unsere Klasse

Unser Werkblatt Nr. 25

Unser Werkblatt Nr. 25

“Unser Werkblatt” wird regelmäßig in der Mensa der Freien Universität Berlin verteilt. Auslöser war der gemeinsame Arbeitskampf von Studierenden und Mensa-Beschäftigten während des Bildungsstreiks 2009. Ab dieser Ausgabe erscheint das Werkblatt wieder unter dem Namen der AG Arbeitskämpfe der FU Berlin. Die neuste Ausgabe wirbt im Angesicht des Bildungsstreiks um praktische Solidarität zwischen Arbeitenden und Studierenden. Die Ausgabe gibt es als PDF, die einzelnen Artikel gibt es unten:

Donnerstag: Gemeinsam Kämpfen!

Streik! – aber diesmal von der Uni aus. Am Donnerstag ist bundesweiter Bildungsstreik. SchülerInnen, Auszubildende und Studierende sind aufgerufen, ihren Frust gegen die schlechten Zustände im Bildungssystem auf die Straße zu tragen. Die Solidarität der lohnabhängig Beschäftigten ist nötig!

Wessen Bildungssystem?

Schule ist heute weniger systematische (Aus-)Bildung als systematische Verarschung. Verschiedene Schultypen sollen „gezielt fördern“ – aber nur die Sprösslinge von AkademikerInnen. Für alle anderen gilt die Einbahnstraße der Haupt-, Real- oder „Gesamtschulen“. Das höhere Rentenalter der LehrerInnen verhindere „Fachkräfte-Mangel“. Statt ältere Pädagogen zu stressen, könnte man ja neue einstellen – doch Profite gehen vor. Die Bologna-Reformen sollen das „Studiensystem vereinheitlichen“. In der Praxis bedeutet Bologna nur, dass den Unternehmen die Türen an allen Unis gleich weit offen stehen.

Aber es muss sich ja nicht jedeR von Coca-Cola die Lehrpläne diktieren lassen. Die KapitalistInnen bauen Ihren Schösslingen Privatschulen. Und wir…Wir gehen auf die Straße!

Lohnarbeit an der Uni

„Wir“ sind nicht nur Studierende, sondern auch Arbeitende. Die Grenzen verschwimmen: Viele Studierende müssen neben dem Studium arbeiten, oft in prekären Verhältnissen. Aber auch an der Uni selbst wird gearbeitet. Das Lehrniveau der Jugend ist direkt von den Arbeitsverhältnissen der Schul- und Uni-Beschäftigten abhängig.

Ob gestresste LehrerInnen an den Schulen oder NiedriglöhnerInnen im Uni-Betrieb. Die Lohnabhängigkeit der Einen ist das Bildungssystem der Anderen. Ein echter Grund, am Donnerstag mit auf die Straße zu gehen!

Gemeinsamer Kampf

Die weltweiten sozialen Kämpfe haben gezeigt, was ein Bündnis zwischen Arbeitenden und Studierenden vollbringen kann. Die Generalstreiks von Frankreich bis Chile tragen die Politik der Ausgebeuteten auf die Straße. Der Mut der ArbeiterInnen-Jugend vereint sich mit den radikalen Ideen der Studierenden und den schlagkräftigen Streiks der lohnabhängigen Bevölkerung.

Dabei kommt der Elan der Jugend nicht von irgendwo: Die Mehrzahl der lernenden Jugend erwartet eine Zukunft in der Lohnarbeit. Die Kämpfe der Gegenwart sichern die Arbeitsverhältnisse der Zukunft. Darum: „SchülerInnen, Studierende, Arbeitende – Gemeinsam Streiken!“

Alte Erfolge…

2009 wurde hier, an der FU-Berlin, gemeinsam gestreikt. Während des Bildungsstreiks unterstützen Studierende den Streik der GebäudereinigerInnen. Auch der damalige Warnstreik der Mensa-Beschäftigten wurde unterstützt. So konnte damals die größte Mensa der FU vollständig blockiert und der Geschäftsführung ein enormer Schaden beigebracht werden. Die gemeinsamen Aktionen von Studierenden und Arbeitenden stärkten die Verhandlungspositionen beider Seiten, was sich schließlich auch in Lohnerhöhungen widerspiegelte.

…neue Perspektiven

Im Angesicht der Wirtschaftskrise steht der Bildungsstreik 2011 vor ganz neuen Perspektiven. Rund um den Erdball treten Jugendliche, Studierende und Arbeitende in soziale Kämpfe. Die Krise der Banken- und Konzernbosse ist eine neue Chance für die breite, lohnabhängige Bevölkerung.

Soziale Kahlschläge gehen uns alle an – ob per „Reform“ aus Bologna oder als Kürzung aus Berlin. Darum am Donnerstag gemeinsam auf die Straße! Für die Lernbedingungen der Jugend und die Löhne der ArbeiterInnen! Gegen die Spardiktate der Herrschenden auf allen Ebenen!

Ganz schön voll hier…

Die Unis sind proppenvoll. Zwei Abi-Jahrgänge und die Abschaffung der Wehrpflicht – das brachte 100.000 zusätzliche Studierende an die Unis.

Auch an der FU ist das zu spüren. Vor allem in der überfüllten Mensa! Zur Mittagszeit kommt man kaum durch die Menschenmenge. JedeR Beschäftigte hat eigentlich nur zwei Hände – und deswegen ist die zusätzliche Arbeit manchmal einfach nicht zu erledigen. Die Lösung scheint einfach: zusätzliches Personal!

Leider achtet die Geschäftsführung nur auf ihre Profite, statt auf unsere Arbeitsbedingungen.

Arbeitsplatz sicher?

Leiharbeit, Halbtagsarbeit, befristete Verträge – sichere Arbeitsplätze sind Mangelware. Überall verschlechtern sich die Arbeitsverhältnisse. Manche müssen selbst mit drei Jobs noch beim Amt „aufstocken“. Der Mut zur Beschwerde scheint zu schwinden – wird der Vertrag denn sonst verlängert?

Doch es geht auch anders! Die KollegInnen von der Charité Facility Management (CFM) streiken seit zehn Wochen. Ziel sind Tarifvertrag und bessere Arbeitsbedingungen. Dabei gilt: Nur wenn Befristete und Unbefristete zusammenhalten, können wir bessere Bedingungen für alle durchsetzen.

Arbeitskampf und Zaubertrank

Wir schreiben die 10. Streikwoche an der Charité. Ganz Berlin ist von Präkarisierung betroffen. Ganz Berlin? Nein, denn eine kleine Schar unbeugsamer KollegInnen der „Charité Facility Management GmbH“ leistet Widerstand.

Die Situation ist allerdings schwierig. Hinter der CFM stehen der Berliner Senat und mächtige Dienstleistungskonzerne wie Dussmann. Der herrscht über ein profitables Reich der Lohnksklaverei. Sie wollen die Streikenden in die Knie zwingen! Denn sie wissen: Wenn die CFM-KollegInnen siegen, könnten auch andere ArbeiterInnen Mut fassen. Deshalb zieht die CFM beim Streikbruch alle Register. Die streikenden KollegInnen haben noch zu wenig vom siegbringenden Zaubertrank: Solidarität!

Wir kennen schlechte Löhne und Arbeitsverhältnisse nur zu gut! Lassen wir unsere KollegInnen nicht im Stich! Die Würfel sind gefallen!

Schöne Worte…

„Lohnuntergrenze“ sagt die CDU. „Mindestlohn“ sagt der DGB. Und was sagen Lohnabhängige: „Reinfall!“
Dem Mindestlohn-Versprechen der CDU ist nicht zu trauen. Jahrelang blockierten sie Reallohnerhöhungen. HartzIV öffnete der Prekarisierung allen Türen. Zeitarbeit droht überall.

Doch jetzt gehen arbeitende Menschen weltweit auf die Straße – und Merkel und co. bekommen kalte Füße. Sie fürchten uns Lohnabhängige, unsere Forderungen und unsere Streiks!

Daher der Quatsch der „LohnunterGrenze“. Sie wollen uns mit Krümeln abspeisen, bevor wir das ganze Brot verlangen. Doch damit müssen wir uns nicht zufrieden geben! Wir haben mehr verdient. Schließlich sind wir es, die täglich arbeiten gehen…

Neue Krisen, alte Mittel

Merkel diktiert Griechenland Auflagen nach Kolonialherrenart. Die Volksbefragung des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou (eine Wahl zwischen Pest und Cholera) heizte den deutschen Imperialismus zusätzlich an. Man droht Griechenland mit dem Rauswurf aus dem Euro.

Papandreou beugte sich: Er strich die Befragung und trat zurück. Ohne Wahlen wurde eine parteienübergreifende Übergangsregierung gebildet. Die übernimmt jetzt den Sozialkahlschlag. Danach (!) gibt es dann Wahlen.

Zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg wird ein europäisches Land wieder von einem Anderen direkt politisch unterworfen. Die griechischen arbeitenden Massen dürfen sich dieser Erpressung nicht beugen. Wir Lohnabhängigen in Deutschland müssen unsere KollegInnen unterstützen.
Hoch die internationale Solidarität!

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