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Unibeschäftigte in ganz Großbritannien im Ausstand

Universitäten in ganz Großbritannien werden bestreikt. Wofür kämpfen Dozent*innen, Forscher*innen, Administrator*innen, Informatiker*innen, Bibliothekar*innen und Doktorand*innen?

Unibeschäftigte in ganz Großbritannien im Ausstand

Der Bericht erschien letzte Woche bei Leftvoice, dem englischsprachigen Schwestermagazin von Klasse Gegen Klasse. Die Streiks dauern weiter an. Von den insgesamt vier Wochen, in denen gestreikt wird, sind bis jetzt zwei abgeschlossen.

Am Donnerstag, den 22. Februar, starteten die Beschäftigten der britischen Universitäten eine Welle von Streiks zur Verteidigung ihrer Renten. Dies ist der größte Arbeitskampf, der je von der University and College Union (UCU/ Gewerkschaft der Hochschulbeschäftigten) unternommen wurde. Dozent*innen, Forscher*innen, Administrator*innen, Computerpersonal, Bibliothekar*innen und Doktorand*innen sind in den Kampf involviert und werden vierzehn Tage lang unregelmäßig über vier Wochen hinweg streiken. Während des gesamten Zeitraums werden sie sich auf Dienst nach Vorschrift (DnV) beschränken, was bedeutet, dass die Beschäftigten keine freiwilligen Tätigkeiten übernehmen. Dieses Arbeitskampfmittel wird häufig im Öffentlichen Dienst verwendet, so auch beim Kampf der Studentischen Hilfskräfte für einen neuen Tarifvertrag an den Berliner Hochschulen.

Der Streik ist eine Reaktion auf die Pläne zur Kürzung der Leistungen des Rentenversicherungssystems der britischen Hochschulen (USS/Universities Superannuation Scheme). Nach Angaben der UCU würde nach diesen Kürzungsplänen ein*e typische*r Dozent*in fast 10.000 britische Pfund (umgerechnet 11.276 Euro) weniger Rente pro Jahr bekommen. So ist es nicht überraschend, dass die Gewerkschaftsmitglieder der UCU Widerstand dagegen fordern. In der Abstimmung zur Genehmigung des Streiks stimmten 88 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder für den Streik. Die Wahlbeteiligung lag bei 58 Prozent.

Waseem Yaqoob, Dozent an der University of Cambridge, argumentiert in einem Artikel der London Review of Books vom 16. Februar: „Das Rentenversicherungssystems der britischen Hochschulen (USS) hat mehr als 400.000 Mitglieder. Nach Angaben des Verbandes der Universitätsleitungen im Vereinigten Königreich ist das USS mit einem Defizit konfrontiert, was die Umwandlung von einem leistungsorientierten System mit garantiertem Renteneinkommen in ein beitragsorientiertes System erfordert, das sich aus einzelnen Rentenfonds zusammensetzt, die den Schwankungen der Aktienmärkte unterliegen. Diese Änderungen, die trotz des Widerstands der Verhandlungsführer*innen der Gewerkschaften aufgezwungen wurden, werden jeden, der derzeit in das Rentensystem der britischen Hochschulen einzahlt, schlechter dastehen lassen als bisher.

Der Verband der Hochschulleitungen will die Änderungen um jeden Preis durchsetzen und hat sich geweigert, mit der UCU zu verhandeln. Das angebliche Rentendefizit, das zur Rechtfertigung des Angriffs herangezogen wurde, basiert auf einem Worst-Case-Szenario, bei dem jede Universität des Systems Pleite ginge. Dieses Argument ist lächerlich, denn es besteht fast keine Chance, dass die zahlreichen Organisationen und Universitäten, die mit dem britischen Rentensystem der Hochschulen verbunden sind, gleichzeitig untergehen.

In Wirklichkeit werden britische Universitäten immer reicher und diese Reichtümer bündeln sich an der Spitze. Seit 2009 sind die Reallöhne der Dozent*innen um 16 Prozent gesunken, während Vizekanzler*innen und leitende Angestellte, immer höhere Gehälter erhalten. Über das Personal hinaus erhalten die Studierenden auch weniger von den florierenden Universitäten. Wenn sie ihre Abschlüsse erhalten sind sie massiv verschuldet und haben wenig Aussicht auf einen anständigen Arbeitsplatz, obwohl sie jährlich 9.250 britische Pfund (umgerechnet 10.436 Euro) an Gebühren zahlen.

In fast jeder Universität im ganzen Land wurden Streikposten und Kundgebungen organisiert. In einigen Städten wurden“Teach-out-Aktionen“ [eine Aktionsform, wo die Streikenden und ihre Unterstützer*innen außerhalb der Universität über die Fortführung des Streiks debattieren] von Lektor*innen und Studierenden einberufen, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Die Unterstützung der Studierenden war felsenfest und beeindruckend Dabei sind sie es, die am stärksten vom Streik betroffen sind.

Die Bedingungen, die dem Streik zugrunde liegen, sind die Vermarktung der Bildung – durch die Waffe der Privatisierung -, um den Charakter der Bildung zu transformieren und Studierende zu Kund*innen zu machen, also zu Käufer*innen der zur Ware gemachten Bildung. Wenn es den Bossen gelingt, das Rentensystem der britischen Hochschulen auseinanderzunehmen, wird dies Schule machen und alle öffentlichen Rentensysteme bedrohen. Deshalb müssen wir den Streik unterstützen!

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