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Trumps Schokoladentorte und der Krieg in Syrien: Warum jeder Tag im Kapitalismus einer zuviel ist

Jeder Tag der kapitalistischen Weltherrschaft ist die Fortsetzung höllischer Barbarei. Ein Kommentar zu Trumps Bombenwürfen auf Syrien beim Dinner.

Trumps Schokoladentorte und der Krieg in Syrien: Warum jeder Tag im Kapitalismus einer zuviel ist

Wir hören oft, der Sozialismus sei gescheitert . Was sollten wir antworten? Dass es in Wahrheit der Stalinismus war, der gescheitert ist, wie es Trotzki richtig vorhersah ? Sicherlich. Wir sollten aber auch entgegnen, dass der Kapitalismus ebenfalls gescheitert ist. Wie? Leben wir nicht immer noch unter dem Joch der Lohnsklaverei? Sacken die Kapitalist*innen nicht immer noch den Mehrwert ein, sodass die acht reichsten Menschen so viel besitzen wie die Hälfte der Menschheit? Natürlich.

Gleichzeitig sorgt die kapitalistische Weltherrschaft in der imperialistischen Epoche für noch mehr Kriege, Elend und Armut. Innerhalb der marktwirtschaftlichen Logik gibt es keine Lösung für die Probleme der lohnabhängigen Klasse, jener überwältigenden Mehrheit der Menschheit – übrigens größer als zu Marx und Engels’ Zeiten. Der Klassenkampf geht unvermindert weiter. Arbeiter*innen stoßen mit den bewaffneten Terroreinheiten der Bourgeoisie, genannt Polizei, zusammen, wie in Frankreich. Unterdrückte Völker wie in Guayana kämpfen um ihre Freiheit. In Syrien findet ein reaktionärer Stellvertreter*innenkrieg statt, wo sich die verschiedenen Weltmächte gesammelt haben, um den Nahen Osten unter sich aufzuteilen.

Syrien – das ist gleichzeitig Gegenwart und Zukunft des Kapitalismus.

Warum ich das schreibe? Weil jeden Tag ausgesprochen werden muss, dass es so nicht mehr weitergehen darf: Das System Kapitalismus ist gescheitert. In Syrien tobt seit sechs Jahren ein blutiger Krieg, der schon jetzt zum größten Geflüchtetenstrom seit dem Zweiten Weltkrieg führte. Es läuft einem den kalten Schauer über den Rücken, wenn mensch die Aktualität der Worte Trotzkis begreift, besonders in Bezug auf die Geflüchtetenfrage:

Die Welt des verfaulenden Kapitalismus ist überfüllt. Die Frage der Zulassung von hundert zusätzlichen Flüchtlingen wird ein großes Problem für eine Weltmacht vom Range der Vereinigten Staaten. In der Zeit des Flugzeugs, Telegraphs, Radios, Fernsehens wird das Reisen von Land zu Land durch Pässe und Visen lahmgelegt. (…) Inmitten der ungeheuren Landflächen und der Wunder der Technik, die dem Menschen Himmel und Erde erschließen, hat es die Bourgeoisie fertiggebracht, unseren Planeten in ein widerwärtiges Gefängnis zu verwandeln.

Jeden Tag werden dort Bombardements durchgeführt, sei es von Assad, Putin, oder der „Anti-IS-Koalition“. Am Boden kämpfen verschiedene reaktionäre Gruppen (mit der progressiven Ausnahme der kurdischen Bewegung) gegeneinander, finanziert und hochgerüstet von den imperialistischen und reaktionären Staaten wie Deutschland, die Türkei oder Saudi-Arabien. Es gibt nahezu keine Macht, die nicht in diesen Krieg auf die eine oder andere Art und Weise involviert wäre.

In den letzten Tagen beschoss die US-Luftwaffe den syrischen Militärflughafen Al Shayrat. An dieser Stelle geht es nicht darum, den Angriff zu analysieren und aus antimilitaristischer Sicht abzulehnen. Es geht mir hier nicht darum, ob laut Trump alle 59 Raketen zielgenau einschlugen oder nur 23 wie das russische Militär behauptete. Nein, was uns die Barbarei des niedergehenden Kapitalismus vergegenwärtigt, ist das Interview, das der US-Präsident mit seinem Haussender Fox-News führte.

 

Es ist der passende Zynismus des Oberbefehlshabers der größten Militärmacht. Es ist die Ignoranz gegenüber den Völkern des Nahen Ostens, wenn dieser Massenmörder nicht einmal zwischen Irak und Syrien unterscheiden kann – jene Grenze, die vor hundert Jahren mit dem kolonialistischen Stift von Frankreich und Großbritannien gezogen wurden. Es ist die blanke Verachtung für Menschenleben, wenn abends nach dem Dinner (Trump: „das schönste Stück Schokoladentorte, das Sie je gesehen haben“) der Befehl eines Bombenhagels gegeben wird. Nicht, dass wir den Schlächter von Damaskus, Baschar Al Assad, verteidigen würden. Doch das ändert nichts, für den US-Angriffs gibt es keine Entschuldigung, die imperialistischen Interventionen müssen konsequent abgelehnt werden.

Die kapitalistische Herrschaft wird nicht von alleine untergehen. Sie muss durch die Arbeiter*innenklasse gestürzt werden. Jeder Tag, der auf dem Weg der Revolution vergeht, ist ein verlorener, ist eine weitere Demütigung. Wir dürfen aber auf den wiederholenden Zynismus eines Trump nicht gleichgültig reagieren – wir müssen kämpfen! Ja, es hat sich seit den Tagen des jungen Leo Trotzki scheinbar nicht viel verändert, aber dies sollte Motivation genug sein, uns der Worte des damals jungen Revolutionärs zu vergegenwärtigen und die Botschaft für uns aufzunehmen, denn…

Wäre ich einer der Himmelskörper, so würde ich völlig unbeteiligt auf diesen elenden Ball von Staub und Schmutz herabblicken… Ich würde die Guten und Schlechten in gleichem Maß bescheinen… Aber ich bin ein Mensch. Die Weltgeschichte, die für dich kaltherzigen Genießer der Wisschenschaft, für dich, du Buchhalter der Ewigkeit, nur ein unbedeutender Augenblick im Kommen und Gehen der Zeiten ist – für mich bedeutet sie alles! So lange ich lebe, werde ich für die Zukunft kämpfen, die strahlende Zukunft, in der der Mensch, stark und schön, Herr über den dahineilenden Strom der Geschichte sein wird, um seine Wasser dem grenzenlosen Horizont der Schönheit, der Freude und des Glücks entgegenzuführen!

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