Frauen und LGBTI*

Sudan: Frauen in der ersten Reihe des Kampfes

Die sudanesischen Frauen sind heute die herausragenden Protagonistinnen des Kampfes gegen ihre Unterdrückung als Frauen, aber auch gegen die prekären Lebensumstände aller Arbeiter*innen und Armen, die unter der Herrschaft Al- Bashirs und des Imperialismus leiden. Dabei zeigen sie auch deutlich, dass anti-muslimischer Rassismus und Feminismus niemals zusammengehen können.

Sudan: Frauen in der ersten Reihe des Kampfes

Die Geschichte des Sudans ist wie die viel­er ander­er afrikanis­ch­er Län­der tief mit dem Kolo­nial­is­mus ver­bun­den. Die Herrschaft des britis­chen, franzö­sis­chen und deutschen Kolo­nial­is­mus bedeutete für das sudane­sis­che Volk nichts als Über­aus­beu­tung, Armut, Gewalt, Unter­drück­ung und Leid. Tausende Frauen wur­den unter der Kolo­nial­herrschaft ermordet, über­aus­ge­beutet und unter­drückt. Auch nach der formellen Unab­hängigkeit gehen diese Ver­hält­nisse weit­er. Auch heute wer­den Men­schen mit dem exportierten deutschen Schnellfeuergewehr G3 im Sudan und im Süd­su­dan ermordet.

Die Geschichte der sudane­sis­chen Frauen beschränkt sich aber nicht auf Aus­beu­tung, kolo­niale und patri­ar­chale Unter­drück­ung, son­dern sie ist auch begleit­et von ihren hero­is­chen Kämpfen sowie ihrem muti­gen Wider­stand gegen die britis­che Kolo­nial­macht.

Die sudane­sis­chen Frauen sind heute wieder Pro­tag­o­nistin­nen der Proteste im Land. Die Preis­er­höhun­gen für Nahrungsmit­tel, ins­beson­dere für Brot, war der Aus­lös­er der seit Sep­tem­ber 2018 stat­tfind­en­den Proteste im Sudan. Seit Monat­en ver­sam­meln sich nun Tausende Men­schen, organ­isieren Sitzblock­ade vor der Res­i­denz von Dik­ta­tor Omar Al- Bashir, der seit drei Jahrzehn­ten regiert.

Unter sein­er Herrschaft hat sich die Lage der Frauen noch ver­schlechtert. Aus­peitschun­gen und Folter durch das dik­ta­torische Regime sind im Sudan All­t­ag für die Frauen, die sich nach Auf­fas­sung des Regimes und sein­er Jus­tiz nicht „angemessen“ klei­den oder benehmen. Aber sie lassen sich nicht ein­schüchtern und spie­len eine zen­trale Rolle bei den aktuellen Protesten im Land. So wie diese kämpferische und mutige Frau, die Alaa Salah heißt. Sie ist 22 Jahre alt und studiert Inge­nieur­we­sen und Architek­tur an der Uni­ver­sität in Khar­tum.

Sie ste­ht auf einem Auto mit ihrer weißen Klei­dung, welche tra­di­tionell von den arbei­t­en­den Frauen in den Städten getra­gen wird, singt ein ara­bis­ches Lied und ruft nach der Rev­o­lu­tion. Ein his­torisch­er Moment für die Frauenkämpfe im Land und inter­na­tion­al. Das Video aus der sudane­sis­chen Haupt­stadt geht in den sozialen Medi­en um die Welt.

Sudane­sis­che Frauen sind Opfer von ein­er spez­i­fis­chen Art der sex­uellen Gewalt, die „Gen­i­talver­stüm­melung“ genan­nt wird. Sie lei­den unter der nicht anerkan­nten Gewalt in der Ehe. Zwangsver­heiratung von Min­der­jähri­gen ist wie viele andere For­men der Diskri­m­inierung und Unter­drück­ung im Land ver­bre­it­et. Diese Unter­drück­ungsmech­a­nis­men, deren Wurzel in der wirtschaftlichen Lage der Fam­i­lien dieser Mäd­chen und Frauen zu suchen ist, dür­fen wir nicht ein­fach mit “Kul­tur“ begrün­den. Denn wir soll­ten nicht vergessen, dass die herrschende Kul­tur die Kul­tur der Herrschen­den ist — das heißt konkret die Kul­tur des patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus. Ein Sys­tem, in dem über­all auf der Welt die Frauen und Mäd­chen die Mehrheit der Armen aus­machen und ihre Kör­p­er zur Ware gemacht wer­den.

Nach Angaben der Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion lei­den 87 Prozent der Frauen und Mäd­chen unter „Gen­i­talver­stüm­melung“. Es ist zynisch und ras­sis­tisch, dass die Unter­drück­ung der Frauen im Sudan oder in allen anderen halb-kolo­nialen und kolo­nialen Län­dern in den west­lichen bürg­er­lichen Medi­en mit der „rück­ständi­gen Kul­tur“ begrün­det und mit der „fortschrit­tlichen“ west­lichen in Kon­trast geset­zt wird – dabei sind es die impe­ri­al­is­tis­chen Län­der, die die herrschende Kul­tur über­all begrün­den, indem sie den patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus ver­bre­it­en. Noch absur­der wird es, wenn weiße impe­ri­al­is­tis­che „Frauenrechtler*innen“ damit ihren anti-mus­lim­is­chen Ras­sis­mus zu begrün­den ver­suchen. Genau im Namen der „Men­schen- und Frauen­rechte“ wer­den die Län­der der Periph­erie mith­il­fe der Kolo­nial­trup­pen der impe­ri­al­is­tis­chen Mächt­en aufs Neue kolo­nial­isiert. Dieses Mal nen­nt sich das Ganze aber „human­itäre Inter­ven­tion“.

Die Ursprünge der bru­tal­en Tra­di­tion der Gen­i­talver­stüm­melung liegt nicht im Islam, sie ist viel älter. Eine erste Erwäh­nung weib­lich­er Gen­i­talbeschnei­dung wurde in einem griechis­chen Papyrus in Ägypten von cir­ca 163 v. Chr. gefun­den. Und noch ein Hin­weis für die anti-mus­lim­is­chen Rassist*innen: Diese soge­nan­nte „Gen­i­talver­stüm­melung“, die im wahrsten Sinne sex­uelle Gewalt gegen Kinder und Frauen ist, wird eben­so von Christ*innen ver­schieden­er Glauben­srich­tun­gen, äthiopis­chen Juden und Anhänger*innen tra­di­tioneller Reli­gio­nen prak­tiziert.

Die prekären Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen unter dem kor­rupten Regime Al-Baschirs führten zu mas­siv­en Protesten und Demon­stra­tio­nen, bei den Frauen die führende Rolle spie­len. Ins­beson­dere in Khar­tum, der Haupt­stadt organ­isieren Frauen ständig Protest­märsche und Sitzblock­aden vor der Res­i­denz von Dik­tatur Omar Al- Bashir. Gemein­sam mit den Män­nern fordern sie Brot und protestieren gegen geschlechtsspez­i­fis­che Missstände, aber auch gegen die gesamte Mil­itärherrschaft. Diese Proteste haben Al- Bashir zum Rück­tritt gezwun­gen. Heute wurde über einen mil­itärischen Putsch berichtet, eine tragis­che Wieder­hol­ung des „Ara­bis­chen Früh­ling“, bei dem eine neue Dik­tatur mit der Unter­stützung der impe­ri­al­is­tis­chen Län­der die alten erset­zt.

In der Epoche des Wider­spruchs zwis­chen den reifen objek­tiv­en Bedin­gun­gen für den Sozial­is­mus, aber den unreifen sub­jek­tiv­en Bedin­gun­gen, näm­lich der Führung des Pro­le­tari­ats, der Partei und der rev­o­lu­tionären Strate­gie, reichen Mut, hero­is­ch­er Wider­stand und berechtigte Forderun­gen nicht aus, um Aus­beu­tung, Unter­drück­ung und Herrschaft der Dik­ta­toren been­den. Dafür braucht es die unab­hängig organ­isierte Arbeiter*innenklasse, die den Massen ein rev­o­lu­tionäres Pro­gramm anbi­eten kann. Der Kampf der Frauen im Sudan zeigt auf, was alles möglich wäre, wenn sich ihr Mut mit einem solchen Pro­gramm verbindet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.