Frauen und LGBTI*

Stonewall was a riot! Und heute?

Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr für die LGBTQI*-Bewegung – wir erinnern uns an die Stonewall-Aufstände in New York, die vor 50 Jahren der "Zünder" der modernen LGBTQI*-Bewegung waren und derer bis heute in Form des jährlichen Christopher Street- Days gedacht wird. Doch was ist von den damaligen Kämpfen übrig geblieben?

Stonewall was a riot! Und heute?

Heutzu­tage ist der CSD eine eher fröh­liche Ver­anstal­tung mit viel Musik und ein­er bun­ten Parade, die auf die immer noch herrschende Ungle­ich­berech­ti­gung in der Gesellschaft hin­weist. Der ursprüngliche Stonewall-Auf­s­tand ent­stand in ein­er Zeit, in der LGBTQI* noch weitre­ichen­der krim­i­nal­isiert und unter­drückt wurde. Auss­chlaggebend war die mas­sive Repres­sion und Gewalt der Polizei gegenüber den LGBTQI*s, die zu einem Masse­nauf­s­tand führte.

Die Gewalt gegenüber LGBTQI* ist immer noch präsent. Die Recht­en wach­sen immer weit­er – nicht nur in Deutsch­land und greifen mas­siv die bis jet­zt gewon­nen Rechte für LGBTQI*s an. Geflüchtete, die auf­grund ihrer Sex­u­al­ität ver­fol­gt wer­den, sind in Lager einges­per­rt und jeglich­er Rechte beraubt und erfahren tagtäglich Gewalt durch Secu­ri­ty und Polizei. Und der deutsche Staat schiebt weit­er­hin auch diese Geflüchtete ab, denen auf­grund ihrer Sex­u­al­ität im Herkun­ft­s­land Ver­fol­gung, Krim­i­nal­isierung und der Tod dro­hen.

Der Para­graph 175, der seit dem Kaiser­re­ich gle­ichgeschlechtliche Kon­tak­te unter Strafe stellt, wurde zwar 1994 abgeschafft. Seit­dem ist es in Deutsch­land nicht mehr straf­bar, gle­ichgeschlechtliche Sex­u­al­part­ner zu haben, doch Gerechtigkeit für bere­its Verurteilte gab es bis heute nicht. Seit 2017 gibt es in Deutsch­land auch das Recht auf eine Ehe für homo­sex­uelle Paare, was als ein großer Sieg der Gle­ich­stel­lung gefeiert wurde.

Wenn die Gle­ich­stel­lung so präsent wäre, bräucht­en wir eigentlich auch keinen CSD mehr. Die gesellschaftliche und poli­tis­che Real­ität sieht allerd­ings anders aus.

Die Pathol­o­gisierung von Homo­sex­u­al­ität entspringt aus dem christlichen Welt­bild, das die klas­sis­che Fam­i­lie als die einzige richtige Lebensweise sieht. Auch heute gibt es immer noch Kündi­gun­gen von LGBTQI*s durch kirch­liche Träger und der Staat toleriert dies. Eben­so ist es LGBTQI*s trotz “Ehe für alle” bis heute nicht ges­tat­tet, kirch­lich zu heirat­en, ein Aus­druck der Ablehnung gegenüber gle­ichgeschlechtlich­er Paare ist.

Dies ist ein­er der Gründe für das weit­ge­hend ablehnende Bild gle­ichgeschlechtlich­er Paare in der Gesellschaft. Man sieht es schon an dem Wort „out­en“ sehr gut: Es ste­ht für ein Geständ­nis gegenüber dem Fam­i­lien- und Fre­un­deskreis mit Angst vor Reak­tio­nen oder Aus­gren­zung. Viele Jugendliche fall­en auch in Depres­sio­nen oder bege­hen sog­ar Suizid, da die Angst und der Druck zu groß ist.

Wir brauchen einen CSD, der auf diese und weit­ere Punk­te ver­stärkt hin­weist und genau­so kämpferisch und poli­tisiert ist wie vor 50 Jahren. Und wir soll­ten diesen Kampf nicht alleine führen, son­dern wir müssen uns mit allen Unter­drück­ten und Aus­ge­beuteten zusam­men­schließen. Mit Arbei­t­erIn­nen, mit Geflüchteten, mit Migran­tInnen und allen, die auf­grund sex­ueller Ori­en­tierung unter­drückt wer­den.

Der CSD ist zu ein­er Kult- und Kom­merzver­anstal­tung gewor­den und lange keine Protestver­anstal­tung mehr. Die Organisator*innen lassen Parteien wie die CSU, die die Unter­drück­un­gen und Gewalt an Geflüchteten vorantreibt und ihre christlichen Werte eines ver­meintlich klas­sis­chen Fam­i­lien­bildes ver­tritt, in München teil­nehmen. Die CSU hat bei so ein­er Ver­anstal­tung keinen Platz, der Protest beim CSD soll genau gegen diese Men­schen gehen. Es reicht nicht, sich einen Tag im Jahr gle­ichgestellt und anerkan­nt zu fühlen. Wir müssen für Forderun­gen wie Tren­nung von Kirche und Staat, sofor­tiger Stopp aller Abschiebun­gen geflüchteter Men­schen und für deren Rechte, gegen Staats- Polizeire­pres­sion und für die Abschaf­fung der staatlichen Kon­trolle über die Ehe auf die Straße gehen und kämpfen.

Nur gemein­sam kön­nen wir die Spal­tung und Unter­drück­ung been­den. Natür­lich kön­nen wir feiern beim CSD, jedoch sollte auch jed­er daran denken, dass es noch einen lan­gen Kampf braucht um all diese Forderun­gen umset­zen zu kön­nen. Das geht nur mit ein­er Organ­i­sa­tion und einem gemein­samen Kampf der Unter­drück­ten! Wir brauchen einen Stonewal­lauf­s­tand wie vor 50 Jahren!

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