Unsere Klasse

“Solidarität statt Konkurrenz!”

Der U-Bahn-Fahrer Aimo Belling von der kritischen Gewerkschafter*innen-Gruppe ver.di aktiv überbrachte beim Schulstreik gegen Rassismus am 19. November eine Grußbotschaft von kämpferischen Gewerkschafter*innen.

Liebe Schü­lerin­nen und Schüler! Liebe Studierende! Liebe Kol­legin­nen und Kol­le­gen, egal welch­er Herkun­ft!

Ich möchte euch die sol­i­darischen Grüße mein­er Gruppe über­mit­teln, der Basis­gew­erkschafts­gruppe ver.di aktiv bei der BVG.

Ich möchte nicht groß über Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart reden, über Niedriglöhne, Ent­las­sun­gen, befris­tete Arbeitsverträge, Lei­har­beit, prekäre Arbeitsver­hält­nisse, steigende Steuern, steigende Mieten, Armut­srenten, Bil­dungsmis­ere, Woh­nungsnot, Jugen­dar­beit­slosigkeit, Waffen­export, Aus­land­sein­sätze, die Rolle deutsch­er Konz­erne in der Welt, und so weit­er und so weit­er… Ihr seid die Jugend, hier demon­stri­ert heute die Jugend, und deshalb will ich auf die Zukun­ft schauen.

Es ist gut, sehr gut, dass ihr hier gegen Ras­sis­mus und Frem­den­feindlichkeit in Poli­tik und Gesellschaft demon­stri­ert. Es ist gut, dass ihr streikt, gegen die Entrech­tung unser­er geflüchteten Kol­legIn­nen. Ich finde das vor­bildlich!

Nicht ohne Grund ver­bi­etet der deutsche Staat uns Lohn­ab­hängi­gen den poli­tis­chen Streik. Nicht ohne Grund hat die Poli­tik dieses Jahr nicht nur mas­siv das Asyl­recht, son­dern auch das Streikrecht eingeschränkt. Denn der Streik ist das stärk­ste Macht­mit­tel der Arbeit­erk­lasse, er legt die Hand an das Heilig­ste dieser Gesellschaft: an den Prof­it.

Ein mas­siv­er Gen­er­al­streik kön­nte nicht nur das Lager- und Abschiebesys­tem zusam­men­brechen lassen, son­dern der Ver­schlechterung der Lebens- und Arbeitsver­hält­nisse ins­ge­samt Ein­halt gebi­eten.

Aber die organ­isierten Beschäftigten haben auch noch andere Mit­tel zur Ver­fü­gung: Meine Gew­erkschaft ver.di gehört nicht ohne Grund zur Inter­na­tionalen Trans­portar­beit­er-Föder­a­tion. Wer kann bess­er Abschiebun­gen ver­hin­dern, als Beschäftigte im Flugverkehr? Wie wäre es, wenn die Besatzun­gen der Schiffe auf den sieben Welt­meeren ihre kämpferischen, inter­na­tion­al­is­tis­chen Tra­di­tio­nen wieder aufleben lassen und Flüch­t­ende an Bord der Schiffe nehmen um sie vor den tödlichen Fluchtwe­gen zu bewahren, auf die sie die Regierun­gen der reichen Län­der zwin­gen? Eine Kam­pagne für solche Aktio­nen ist längst über­fäl­lig.

Zwei wichtige Prob­leme will ich dazu noch ansprechen:

Erstens: Es ist eine Lüge, dass es ein gemein­sames nationales Inter­esse von uns und unseren Bossen geben würde. Diese schädliche Ide­olo­gie, über­all gepredigt, in den Schulen und auch in den Medi­en, reicht mit ihrem Ein­fluss bis in die Arbeit­eror­gan­i­sa­tio­nen hinein.

Zweit­ens: „Geflüchtete“, „Refugees“, „Flüchtlinge“. Das sind nicht die Objek­te unser­er wohlmeinen­den Poli­tik. Es muss klar sein, dass jede geflüchtete Kol­lege und jede geflüchtete Kol­le­gin ein selb­st­ständi­ges poli­tis­ches Sub­jekt ist.

Es ist also zen­tral, dass wir gemein­sam für unsere gemein­same Zukun­ft kämpfen!

Zwei The­men scheinen mir dafür zu Zeit entschei­dend: Arbeit und Wohnen.

Wir brauchen all­ge­meine Arbeit­szeitverkürzung bei vollem Lohn­er­halt, zur Schaf­fung von aus­re­ichend guter Arbeit für alle! Und wir brauchen eine schnelle Besei­t­i­gung der Woh­nungsnot durch die Enteig­nung der Immo­bilien­speku­lan­tInnen und ein mas­sives staatlich­es Woh­nungs­baupro­gramm. Eine solche Kam­pagne aufzubauen hat großes Poten­tial – auch großes anti­ras­sis­tis­ches Poten­tial.

Es muss wieder klar wer­den, was in diesem Land schon viel zu lange vergessen ist:

Die Arbeit­erk­lasse ist eins und ohne Gren­zen!

Diese Rede auf dem Blog von ver.di aktiv

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