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Selbstmord an türkischer Universität

Die Repression in der Türkei nimmt zu: Ein entlassener Wissenschaftlicher Mitarbeiter hat sich das Leben genommen. Ein Gastbeitrag von Minas Berberian.

Selbstmord an türkischer Universität

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Mehmet Fatih Traş an der Universität Çukurova in Adana nahm sich am Freitagabend das Leben. Er war vom Öffentlichen Dienst entlassen worden, weil er einen Friedensappell an die türkische Regierung unterschrieben hatte. Sein Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert. Die anderen Universitäten haben ihm Absagen geschickt. Sein Reisepass wurde ungültig gemacht, sodass er nicht mehr ins Ausland reisen konnte. Er verzweifelte und litt unter dem ökonomischen und gesellschaftlichen Druck. In dieser Verzweiflung beschloss er, sich das Leben zu nehmen.

Vor seinem Suizid äußerte sich Mehmet Fatih Traş im Internet:

Weil die Regierung die Spannung in den Gebieten der kurdischen Bevölkerung erhöhen und die akademische Welt tiefst gegeneinander spalten will, sehe ich für mich (nach meinen wissenschaftlichen objektiven Leistungen) keine akademische Zukunft, solange ich mich von den Werten, die meine Persönlichkeit ausmachen, nicht trenne.

Staatschef Erdoğan will vor dem Referendum über das geplante Präsidialsystem die kurdische und linke Opposition unterdrücken. Deshalb begann er eine „Säuberung“ des Staatsapparats und erklärte einen Ausnahmezustand. Nach dem gescheiterten Militärputsch im Juli des letzten Jahres wurden bisher 128.625 Menschen entlassen, 92.554 Menschen festgenommen, 45.882 ins Gefängnis gesteckt. 7.316 Akademikerinnen an den Universitäten verloren ihre Arbeit, 162 Journalistinnen sind im Gefängnis. Viele Abgeordnete der linken Partei HDP, darunter auch die beiden Vorsitzenden der Partei, sind im Gefängnis.

Der Friedensappell, den Mehmet unterschrieben hatte, forderte, die Militäroperationen zu beenden, die Friedensgespräche mit den kurdischen Organisationen wiederaufzunehmen, sowie die Grundlage für einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Dieser Appel allein hat ausgereicht, Akademiker*innen wie Mehmet ohne gerichtlichen Beschluss zu entlassen.

Die ebenfalls gefeuerte Akademikerin Güneş Gümüş erklärte zur Situation der gefeuerten Akademiker*innen:

Die AKP will oppositionelle Stimmen vernichten. Gegen diesen politischen Angriff können wir nur mit einem organisierten Widerstand erfolgreich sein. Wenn jede*r sein oder ihr Schicksal allein lebt, wird die AKP auf jeden Fall siegen.

Die GEW Bayern hat inzwischen einen Solidaritätsaufruf verabschiedet, der bereits zirkuliert und bald auf der eigenen GEW-Webseite veröffentlicht wird.

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