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Schweiz: Smood-Lieferant:innen in einem unbefristeten Streik gegen Prekarisierung

Die Arbeiter:innen des Hauslieferdienstes Smood in der Schweiz streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Solidarität mit den Streikenden gegen ein Unternehmen, das Profit macht, indem es die Arbeitenden in prekäre Arbeitsverhältnisse drängt!

Schweiz: Smood-Lieferant:innen in einem unbefristeten Streik gegen Prekarisierung
Foto: Révolution Permanente

„Smood, Smood, du bist erledigt, die Lieferant:innen sind auf der Straße!“ Ein in der Stadt Yverdon begonnener Streik der Smood-Lieferant:innen hat sich in den letzten Wochen auf mehrere Städte in der Westschweiz ausgebreitet. Die Streikenden fordern die volle Bezahlung aller Arbeitsstunden für das Unternehmen (und nicht nur, wenn eine Bestellung vorliegt). Sie mobilisieren seit Anfang November mit Streikposten und werden dabei von den Gewerkschaften Unia und Syndicom unterstützt: „Wir werden bis zum Ende gehen – für uns, aber auch für die kommende Generation, die davon profitieren wird.“

Laut der Schweizer Tageszeitung Le Temps beschäftigt Smood, ein Genfer Unternehmen für die Lieferung von Mahlzeiten und Einkäufen, 1000 Lieferant:innen in der Schweiz und teilt sich den wachsenden Markt mit Uber Eats und Just Eat.

In Yverdon im Kanton Waadt begannen die Lieferant:innen am 2. November mit dem Streik, dem sich später auch Lieferant:innen aus anderen Städten der Romandie anschlossen. Hervorzuheben ist die mehrheitliche Beteiligung am Streik. So waren es laut einem Streikenden, der von Le Temps interviewt wurde, beispielsweise 13 von 20 Fahrer:innen in Yverdon oder 7 von 12 in Nyon. Die Solidarität der Kolleg:innen überwindet die regionalen Trennungen. „Wir sind ein und dasselbe Team“, sagt ein Streikender. Sie alle beklagen eine Diskrepanz zwischen der Zeit, die sie dem Unternehmen zur Verfügung stellen, und den Fahrten und Arbeitsstunden, für die sie tatsächlich entlohnt werden. So stellen sie sich zwischen 11 und 20 Uhr für Smood zur Verfügung, werden aber nur bezahlt, wenn sie Lieferungen ausfahren. Diese zur Verfügung gestellte Zeit umfasst u. a. das Warten in Restaurants oder Wartezeiten im Verkehr. Gegenüber der Zeitung Le Temps berichtet ein Lieferant auch über falsche Berechnungen der Fahrten durch die App: „Ich bin von Morges in Richtung La-Tour-de-Peilz gefahren, das sind 35 Minuten, aber ich wurde nur für 9 Minuten bezahlt.“

Dies hat zur Folge, dass sie ganz andere Löhne erhalten, als wenn die gesamte dem Unternehmen zur Verfügung stehende Zeit bezahlt würde. Darüber hinaus beklagen die Arbeiter:innen eine ungerechte Verteilung der Trinkgelder. Ein Streikender meinte, dass er in bar 150 Franken bekommen könnte, aber über die App nur 100. Wo ist der Rest geblieben?

Ein weiterer Punkt ist die Nutzung des Privatfahrzeugs und weitere berufsbedingte Kosten, die nicht vom Unternehmen bezahlt werden. Eine der Forderungen der Streikenden ist daher „eine Aufwandsentschädigung, die den tatsächlichen Preis für die Nutzung des Privatfahrzeugs oder die Mietkosten für Fahrzeuge, die für Lieferungen genutzt werden, abdeckt“. Diese Art von Plattformunternehmen tendiert auf internationaler Ebene dazu, sogenannte „unabhängige“ Kurier:innen einzusetzen, die es dem Unternehmen ermöglichen, keine Sozialabgabe zahlen zu müssen. Im Fall von Smood sind die Zusteller zwar rechtlich gesehen bei dem Unternehmen angestellt, aber der Einsatz von Privatfahrzeugen und eine Bezahlung nach Lieferungen bestehen weiterhin. Die Lieferant:innen wissen so nicht einmal, wie viel sie pro Monat verdienen werden; sie erfahren es erst am Ende.

Foto: Revolution Permanente

Die Streikenden lancierten eine Petition, die ihre Forderungen zusammenfasste und in nur wenigen Wochen 12.247 Mal unterschrieben wurde. Um die Petition einzureichen, versammelten sich am Dienstag, dem 23. November, Delegationen aus allen bestreikten Städten in Genf und reisten zum Sitz von Smood und Migros (dem größten Einzelhandelsunternehmen der Schweiz und Partner von Smood).

Der Fall von Smood in der Schweiz, derjenige von Uber-Eats-Lieferant:innen in Saint-Etienne [oder der Gorillas-Fahrer:innen in Deutschland, A.d.Ü.] zeugen von einer Zunahme der Klassenkonflikte in einem Sektor, der von den Kapitalist:innen zunehmend ausgebeutet wird. Das Beispiel Smood zeugt von der Absicht der Manager:innen, eine Wegwerfarbeitskraft zu haben, die atomisiert und 24 Stunden verfügbar ist – unabhängig von den Bedürfnissen der Arbeiter:innen nach Freizeit und Erholung. Diese Prekarisierung gilt gleichermaßen für den Liefersektor wie für viele andere Branchen, die auf Plattformen basieren, und entspricht einer allgemeinen Entwicklung (u.a. im Reinigungsgewerbe oder dem Einzelhandel).

Aber hier zeigen die Arbeiter:innen von Smood den Weg auf, wie man den spalterischen Kapitalist:innen die Stirn bieten kann. Sie zeigen, dass die Entschlossenheit der Arbeiter:innen stärker ist, dass sie die Isolation überwinden, indem sie Solidarität schaffen. Diese Entschlossenheit und diese Solidarität wird den Forderungen der Arbeiter:innen zum Erfolg verhelfen. Der Kampf geht weiter, unterstützt die streikenden Arbeiter:innen von Smood!

Foto: Révolution Permanente

Dieser Artikel erschien zuerst am 27. November 2021 auf Französisch bei Révolution Permanente.

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