Unsere Klasse

Reptil der Sozialpartnerschaft

Der ausdauernde Arbeitskampf der Beschäftigten der Vivantes Service GmbH hat etwas zu Tage befördert, was sich nicht mehr kitten lässt. Ein Kommentar von Lasse Reinboeng.

Reptil der Sozialpartnerschaft

Es ist in etwa wie nach einem Fußball­spiel, bei dem der FC Bay­ern in der 96 Minute noch einen strit­ti­gen Elfme­ter erhält und wieder mal gewin­nt. Spiel­er und Fans ver­lassen mis­strauisch das Sta­dion. Die einen in einem Freuden­taumel, bei denen ihnen jed­er Jubel­chor vor Scham im Halse steck­en bleibt, die anderen mit einem Gefühl bet­ro­gen wor­den zu sein. Einem Gefühl, das nicht mehr weg geht.

Wir alle müssen den Kol­legin­nen und Kol­le­gen dankbar sein. Sie haben dafür gesorgt, dass die Masken fie­len, bei den Mächtig­sten, bei denen son­st alles abperlt und bei den weniger Mächti­gen, die sich dieses Mal zu sich­er fühlten, ent­deckt zu wer­den. Das Rep­til der Sozial­part­ner­schaft, das uns mit dem Arbeit­skampf an den Strand gespült wurde, riecht von Tag zu Tag ein biss­chen mehr. Ein Geruch, der nicht mehr weg geht.

Der harte Stahl, der die Beschäftigten in einen Käfig von ungle­ichem Lohn für gle­iche Arbeit zwängte, fing in den let­zten Wochen an zu glühen und wurde weich. Es gab die große und ein­ma­lige Chance diesen zu biegen und sie ein für alle Mal aus der Aus­beu­tungs­falle zu befreien. Wäre da nicht eine mächtige Allianz aus Sen­at und ewigen Verfechter*innen der Sozial­part­ner­schaft gewe­sen, die das heiße Eisen rechtzeit­ig und mit beacht­enswert­er poli­tis­ch­er Pro­fes­sion­al­ität, genau zum richti­gen Zeit­punkt, ins Abkling­beck­en beförderten. Ein äußerst schwieriger Akt, der höch­ste Präzi­sion und vor allem eine von vie­len Seit­en aus­gek­lün­gelte Strate­gie erforderte.

Doch das Abkling­beck­en erfüllt seinen Zweck nicht. Wie ein Brennstab köchelt nicht das Ergeb­nis, aber der Her­gang der Tar­ifeini­gung vor sich her. Eine Offen­barung von Geschicht­en von Politiker*innen und deren starken Ver­bün­de­ten, den Fürsten der Sozial­part­ner­schaft im falschen Gewand. Und der Arbeit­skampf hin­ter­lässt einen Finanzse­n­a­tor, der jet­zt “schlafend­er Dagob­ert” heißt, ver­ant­wortlich für einen Koali­tionsver­trags­bruch, der für viele exem­plar­isch für Koali­tionsver­trags­brüche ste­ht. Aus dieser Geschichte ler­nen wir, dass es etwas zu verän­dern gilt. Wie schon Erich Fried tre­f­fend sagte: “Die Ver­hält­nisse, die dich klein­er machen als deine Fre­unde dich ken­nen, die Ver­hält­nisse, in denen du den Kopf einziehen und die Knie beu­gen musst, um ste­hen zu bleiben — diese Ver­hält­nisse musst du verän­dern oder ver­lassen.”

Unsere Erken­nt­nis aus diesem Kampf ist, es gilt jeden Stein scho­nungs­los umzu­drehen. Jeden!

Dieser Kom­men­tar erschien ursprünglich bei Labour­Net Ger­many.

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