Jugend

Red Brain Sondernummer: Gegen Sexismus – auch in der Schule!

Red Brain Sondernummer: Gegen Sexismus – auch in der Schule!

Red Brain ist eine linke, antikapitalistische SchülerInnenzeitung, die von einer unabhängigen SchülerInnengruppe (in Zusammenarbeit mit RIO) am John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte her­aus­gegeben wird. Diese Sondernummer gibt es als PDF, die einzelnen Artikel gibt es unten:

Geschichte des Frauentags

Diese Ausgabe steht ganz unter dem Zeichen des Internationalen Frauentages, der seit 1921 jährlich am 8. März gefeiert wird. Doch wie kam es zu diesem Tag?

1910 wurde auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz, vor allem unter der Leitung Clara Zetkins, die Einführung eines internationalen Frauentages beschlossen. Im Jahr darauf gingen am 19. März erstmals Millionen Frauen in den europäischen Ländern und den USA für ihre Rechte auf die Straße. Schon dieses Datum sollte den revolutionären Charakter des Tages widerspiegeln, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen der Pariser Kommune.

Hauptlosungen damals waren das Wahlrecht für die Frau, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die Ablehnung des drohenden imperialistischen Krieges. Für Clara Zetkin, die sich schon lange für die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft und der von Männern dominierten ArbeiterInnenbewegung eingesetzt hatte, hing die Frauenbewegung und die Befreiung aller ArbeiterInnen aus der kapitalistischen Ausbeutung eng zusammen. Doch zum Beispiel 1917 zeigten proletarische Frauen, dass sie sich an die Spitze der ArbeiterInnenbewegung stellen könne.

Als am 8. März 90.000 Textilarbeiterinnen in Petrograd (dem heutigen St. Petersburg) streikten, lösten sie somit die ersten Demonstrationen der Februarrevolution in Russland aus, wodurch sie gleichsam Vorboten der Oktoberrevolution wurden.

Eure Red Brain-Redaktion

Gegen Sexismus – auch in der Schule!

In unserem Land werden Frauen wohl als emanzipiert angesehen. Sie haben die selben Rechte wie Männer, verdienen das selbe, werden behandelt wie Männer. Deutschland hat sogar eine Kanzlerin und neuerdings dürfen Frauen sogar zur Bundeswehr. Ist doch alles super, nicht? Doch sind Frauen wirklich so emanzipiert, wie der erste Blick vielleicht vermuten lässt? Alleine die Tatsache, dass viele nicht weiter über die ersten Sätze dieses Textes nachdenken würden, zeigt, dass dem doch nicht so ganz ist. Warum sind Frauen wie Männer, warum nicht Männer wie Frauen oder beide wie Menschen?

Schaut man sich den Alltag an, gibt es viele konkrete Hinweise auf eine Andersbehandlung. Während man bei Babys noch keine unterschiedlichen Verhaltensmuster erkennen kann, sind doch Mädchen und Jungs mit dem Beginn des Sprechens schon „anders“. Jungs fangen an, Bob der Baumeister cool zu finden und mit Spielzeugautos große Crashes zu machen, während Mädchen anfangen, ihre Babies zu kämmen und Vater, Mutter, Kind zu spielen. Diese Unterscheidung ist nichts „natürliches“, sondern wird gesellschaftlich vermittelt. Kinder bekommen zum Beispiel schon von ihren Eltern unterschiedliche Farben zum Anziehen, andere Spielsachen von den Großeltern geschenkt und schlafen vielleicht schon bald im ersten Autobett bzw, Prinzessinnenbett.

Aber ist das nicht etwas Schönes? In der Arbeitswelt findet man eindeutige Benachteiligungen. Frauen verdienen heute durchschnittlich 22% weniger als ihre männlichen Kollegen. Dieses Lohngefälle ist in Deutschland höher als in jedem anderen Land in Europa. Zudem wird etwa 80% der Hausarbeit (Kochen, Waschen, Putzen) von Frauen erledigt. In der Werbung lachen uns halb nackte Frauen an, die perfekt gestylet sind. Warum sieht man eher selten halb nackte Männer?

Doch es geht nicht nur um diese offensichtlichen Dinge. Krankenpfleger. Mechaniker. Denk mal über das nach, woran Du gerade gedacht hast. Bestimmt zuerst eine Krankenpflegerin und anschließend einen Mann, vielleicht vor einem Auto mit Blaumann? Diese Berufsunterschiede sind auch im Bildungssystem zu sehen: In den KiTas und Grundschulen arbeiten fast nur Frauen (für sehr wenig Lohn), aber bei Schulleiter­Innen an Gymnasien oder ProfessorInnen an den Universitäten (für viel mehr Geld) sind Männer stärker vertreten.

Diese Rollenbilder werden an die Kinder weitergegeben. Auch wenn mittlerweile mehr junge Frauen ein Abitur bekommen, besteht ein Bild von Jungs als „intelligent aber faul“ und von Mädchen als „unbegabt aber fleißig“. Das führt dazu, dass Jungs im Unterricht mehr als zweimal öfter von den LehrerInnen rangenommen werden.

Aus den Rollenbildern entwickeln sich schnell fast unumerziehbare Phänomene, die oftmals zu Problemen führen. Auch für Jungs gibt es zum Beispiel an Grundschulen eher eine Benachteiligung. Da es dort viel mehr Lehrerinnen gibt, fehlen den Jungs oft männliche Vorbilder. Und durch gesellschaftliche Rollenbilder sind Jungs eher hibbelig und motorisch unterentwickelt, was auf der auf Fleiß und Eingliederung ausgelegten Grundschule zur Benachteiligung führen kann.

Es geht weiter mit der Sexualität. Viele Menschen bevorzugen Sex ohne Kondome. Das macht einigen einfach mehr Spaß. Das Resultat ist, dass Frauen die Pille nehmen muss, wenn eine Schwangerschaft unerwünscht ist. Schon wieder muss die Frau ran. Selten beteiligen sich Männer an den Kosten für Verhütungsmittel, und Frauen unter einem gewissen Alter bekommen sie überhaupt nur mit Zustimmung ihrer Familie oder ihres Arztes. Zudem ist die „Pille danach“ in Deutschland, im Gegensatz zu den meisten Entwicklungsländern, nur mit einer Verschreibung erhältlich.

Um eine Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu schaffen, sollten wir diese Probleme bedenken und angehen. Reden wir doch über MechanikerInnen und KrankenpflegerInnen. Gesetzlich müssten Frauen gleich viel verdienen wie Männer. Wir von Red Brain fordern kostenlose Verhütungsmittel und auch Abtreibung auf Verlangen. Zudem sollte Hausarbeit als gesellschaftliche Aufgabe erledigt werden.

Doch eines sollte man nicht aus dem Hinterkopf verlieren: Wenn die Emanzipation eines Tages erfolgreich sein soll, muss sie auch Männer umfassen. Der absolute Großteil der Bevölkerung, Frauen wie Männer, stehen nach wie vor in der Lohnabhängigkeit, für echte Gerechtigkeit muss auch diese aufgehoben werden. Die einzige Emanzipation, die weibliche Arbeiterinnen im Kapitalismus zu erwarten haben, besteht darin, auf dem gleichen Niveau ausgebeutet zu werden, wie männliche Arbeiter. Um auf die Widersprüche der Geschlechter und gleichzeitig des Systems aufmerksam zu machen, gibt es in Anlehnung des Streikes der Textilarbeiterinnen 1917 in Russland, der die russische Revolution auslöste, den internationalen Frauenkampftag.

Die Hurenbewegung – Vom Strich auf den Punkt gebracht

Was hat ein Bäcker mit einer Hure gemein?

Beides sind in Deutschland gesetzlich anerkannte Berufe des Dienstleistungssektors.

Und trotzdem, „Prostitution“ ist noch lange nicht zu einem moralisch neutralen Alltagsbegriff geworden, sondern löst im Gegenteil zu ursprünglichen Berufsbildern bei der breiten Masse eine starke emotionale Reaktion aus. Um herauszufinden, wie liberalisiert die Sexualität als Geschäft in den Köpfen der Allgemeinheit wirklich ist, habe ich eine kleine Umfrage gestartet: „Wie stehst du zu Prostitution?“ Die Spanne der Antworten war überraschend klein. Sie begann bei „Solln’ se halt machen bzw. wenn man das Geld dringend braucht“ und endete dann beim höchsten der Gefühle mit einem „Ist doch ungefähr so wie Fußballspieler, kein richtiger Job, macht nur Spaß“.

Auf die Frage, ob es folglich vollkommen in Ordnung sei, wenn die eigene Mutter eine Prostituierte wäre, gab es dann sogar nur noch eine Reaktion: Peinlich berührte Empörung. Keiner der Befragten wollte ein „Hurensohn“ sein. Oder gar eine Beziehung mit einem „Sexworker“ – unvorstellbar. Spätestens an dieser Stelle verzogen die meisten angeekelt ihr Gesicht.

Bedeutet eine Hure zu sein also keine Möglichkeit zu haben, sich ein soziales System aufzubauen? Ist der Sexverkauf so verwerflich, dass er die Macht hat, eine intakte Beziehung oder eine gute Kindererziehung in den Bereich des Unmöglichen zu rücken?

Das Tabu gegen das die Hurenbewegung ankämpft, scheint aktueller denn je. Der gute alte Begriff der Doppelmoral hat noch nicht ausgedient, letztendlich ist Frau doch nur eins: Heilige oder Hure. Während Frauen aus Schutz vor Diskriminierung oft ein Doppelleben aufrecht erhalten müssen, gilt diese Moral entgegen aller Emanzipation, nicht für das „starke Geschlecht“. So schätzt die Organisation Hydra, dass bis zu 75% aller Männer in D. schon einmal für Geschlechtsverkehr bezahlt haben.

Aber nicht alle Feministinnen sind erfreut über den „Hurenstolz“. Denn von 200.000 Prostituierten landesweit sind 70.000 angeblich „freie“ Ausländerinnen (man beachte, dass Armut durchaus einen Zwang darstellt) und 10.000 Zwangsprostituierte, Opfer des Menschenhandels.

Doch Hydra weist darauf hin, dass es ein fataler Fehler ist, Prostitution im selben Atemzug mit Frauenhandel und Zwangsprostitution zu nennen. Denn sexuelle Ausbeutung hat nichts mit Sexarbeit zu tun. Nur wenn dies verinnerlicht wird, können angemessene Arbeitsverhältnisse mit Arbeitsregelungen, Arbeitsschutzbestimmungen, Verträgen über Löhne und Urlaubszeiten, Gewerkschaften und Schulungen erreicht werden. Denn trotz der Verbesserungen der Verhältnisse durch die Legalisierung 2002 gibt es diese Selbstverständlichkeiten in diesem Beruf so gut wie gar nicht – obwohl es eine Arbeit ist.

Die Hurenbewegung wird im Feminismus von ihren eigenen Reihen gedämpft, die unwillig sind diese Differenzierung anzuerkennen, und bleibt so zu leise um das öffentliche Bewusstsein zu erreichen.

Zitat des Monats…

Kein Sozialismus ohne Frauenbefreiung – keine Frauenbefreiung ohne Sozialismus!

– unbekannt (möglicherweise Clara Zetkin)

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