Jugend

Red Brain Nr. 8: Ein „kommunistischer“ König ist tot

Red Brain Nr. 8: Ein „kommunistischer“ König ist tot

Red Brain ist eine linke, antikapitalistische SchülerInnenzeitung, die von einer unabhängigen SchülerInnengruppe (in Zusammenarbeit mit RIO) am John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte her­aus­gegeben wird. Die Ausgabe gibt es als PDF, die einzelnen Artikel gibt es unten:

Auf ein revolutionäres neues Jahr!

Auch in diesem Jahr wollen wir euch über die Missstände in der Schule und der gesamten kapitalistischen Gesellschaft informieren.

Das letzte Jahr war geprägt von sozialen Bewegungen. Dies wird sich auch in diesem Jahr aufgrund der immer größeren Ungleichheiten in der Gesellschaft fortsetzen. Die Widersprüche des Kapitalismus, die die Krise noch verstärken, werden möglicherweise größere Konsequenzen haben. Wer weiß, ob es den Euro und die Europäische Union am Ende dieses Jahres noch gibt? Was passiert mit dem BürgerInnenkrieg in Syrien? Was passiert mit den vielen empörten Jugendlichen in den USA und Europa? Was passiert mit der Krise? Wir werden Euch durch das Jahr aus einer revolutionären Perspektive begleiten.

Auch der wutentbrannte Anruf des Bundespräsidenten Wulff, der uns eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zurückließ, wir sollten die kritische Berichterstattung unterlassen (er drohte mit dem endgültigen Bruch der Beziehung zu uns) wird uns nicht daran hindern!

Wir wünschen Euch ein schönes, revolutionäres neues Jahr!

Eure Red Brain-Redaktion

Auf unserer Website könnt ihr einige neue Artikel auch noch einmal in der Uncut-Version lesen: redbrain.blogsport.de

Ein „kommunistischer“ König ist tot

Kim Jong-il ist gestorben. Der selbst­ernannte „geliebte Führer“ Nordkoreas gehört wohl zu den schrägsten Figuren in der Geschichte des Stalinismus. Laut der staatlichen Geschichtsschreibung soll seine Geburt 1942 von einem doppelten Regenbogen und einem leuchtenden Stern begleitet worden sein. An seinem Todestag sollen hunderte Vögel vor dem Regierungssitz geweint haben – interessant, dass Vögel sich extra zum Tod Kim Jong-ils ummutieren und Tränen produzieren konnten.

Seine außergewöhnlichen Begabungen waren in allen Lebensbereichen – vor allem der Kunst – wieder zu finden, bis hin zu Golfsport ging das: So soll Kim Jong-Il bei seiner ersten Golf­runde gleich elf Runden jeweils mit dem ersten Schlag geschafft haben – ein neuer Weltrekord! Allerlei Wunder, die rund um den „König“ Nordkoreas zu finden sind, wollen wir jedoch erstmal anderen überlassen, und uns den Staat Nordkorea genauer angucken.

Nordkorea ist neben Kuba das einzig verbliebene Land der Erde, das eine Planwirtschaft hat. Diese steht aber nicht unter der Kontrolle der arbeitenden Menschen sondern unter der Kontrolle einer privilegierten Bürokratie. Lebt man in Nordkorea, das von vielen als kommunistischer Staat bezeichnet wird, wirklich den Kommunismus? Die Antwort ist: Nein! Die Macht ist weder in den Händen der arbeitenden Bevölkerung noch gibt es in Nordkorea Gleichberechtigung. Die Abhebung der Regierung über den Rest der Bevölkerung erinnert eher an ein feudales System. Während die 22 Millionen EinwohnerInnen Nordkoreas sich in bitterster Armut und brutalster Unterdrückung wieder finden, sühlen sich die Staatschefs in großen Palästen und Limousinen. Außerdem gibt es eine Art Thronfolge: Erster Staatschef war Kim Il-Sung, nach seinem Tod übernahm sein Sohn Kim Jong-Il das Amt, sein Nachfolger ist wiederum sein Sohn Kim Jong-Un. Wenn das eine freie, klassenlose Gesellschaft sein soll, dann bin ich der Kaiser von Nordkorea!

Dieses Regime, das mit seiner Repression, seinem absurden Personenkult und seiner quasi-religiösen Ideologie eine Verhöhnung für den Begriff „Sozialismus“ darstellt, muss gestürzt werden! Es muss aber durch eine politische Revolution der nordkoreanischen ArbeiterInnen und Bauern/Bäuerinnen beseitigt werden – jener also, die am meisten unter dieser Regierung leiden – um die Lebensstandards und Freiheiten zu erhöhen.

Naziaufmarsch in Magdeburg

In Magdeburg marschierten am 14. Januar zum 13. Mal FaschistInnen unter dem Motto: „Ehrenhaftes Gedenken statt Anpassung an den Zeitgeist!“ Der diesjährige Aufmarsch war mit 1.300 Nazis der größte seit Jahren. Als Anlass für ihre faschistische Propaganda nutzten die Nazis die Bombardierung Magdeburgs durch die Alliierten am 16. Januar 1945.

Tausende AntifaschistInnen waren aus ganz Deutschland angereist, um den Aufmarsch zu blockieren. Doch durch die hohe Polizeipräsenz und -repression war es den BlockiererInnen fast unmöglich, zur Route der Nazis vorzudringen und wenn, dann nur mit verhältnismäßig wenig Menschen. Durch das harte Vorgehen der Polizei konnten die Nazis ihre Route vollständig laufen, auch wenn sie dafür vier Stunden brauchten.

Es fehlte keineswegs an der Entschlossenheit der AntifaschistInnen, sondern vielmehr an der Anzahl der Entschlossenen.

Auch in Prenzlauer Berg gab es vor wenigen Wochen einen Naziübergriff. Und gerade deswegen ist es umso wichtiger, am 13. und 18. Februar die Faschist­Innen in Dresden zu blockieren, die die Bombardierung Dresdens ebenfalls für ihre faschistische Hetze verwenden. Falls Ihr Interesse habt, Euch an den Massenblockaden gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen und ein klares Zeichen gegen Nazis zu setzen, könnt ihr Euch an das Aktionskomitee und Red Brain wenden.

Zanon gehört den Arbeitern

Es ist der 13. August 2009. Das Parlament der Provinz Neuquén in Argentinien beschließt die Enteignung der Keramikfabrik Zanon. Dies ist das Produkt eines langen Kampfes. In den 90ern ließ sich Argentinien die Wirtschaftspolitik von den USA diktieren. Infolge dessen kam es 2001 zu einer Staatspleite. Daraufhin versuchte auch Luigi Zanon, seine nach ihm benannte Fabrik zu schließen und alle 380 ArbeiterInnen zu entlassen, sogar ohne ihnen die noch ausstehenden Löhne zu zahlen.

Im August 2001 besetzten dann die ArbeiterInnen das Betriebsgelände und begannen, die Waren aus dem Lager zu verkaufen. Als im März des darauf folgenden Jahres die Bestände ausgingen, beschlossen sie, die Produktion unter eigener Leitung wieder aufzunehmen. Seitdem steht der Betrieb unter der Selbstverwaltung der ArbeiterInnen. Wozu der Kapitalist Zanon behauptete, nicht imstande zu sein, erreichten die ArbeiterInnen: Allen wird ein existenzsichernder, gleich hoher Lohn gezahlt, die Arbeitsplätze sind fast verdoppelt worden und Keramik-Produkte werden Schulen und Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Auch ist die Moral der ArbeiterInnen ungleich höher – sie haben Spaß und empfinden Stolz am Geschaffenen.

Zanon, auch wenn es nur ein sehr kleines Beispiel darstellt, zeigt, dass eine Fabrik ohne KapitalistInnen und BesitzerInnen erfolgreich sein kann.

* klassegegenklasse.org/zanon

Red Brain-Glossar
S wie Sozialismus

Sozialismus bezeichnet ein gesellschaftliches System. Es gibt keine feste Definition des Begriffes, sehr grundlegend kann man jedoch sagen, dass im Sozialismus soziale Gleichheit durch die Abschaffung des Kapitalismus hergestellt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Modelle: durchgesetzt haben sich der Reformismus und der dazu gegensätzliche revolutionäre Sozialismus.

Der Reform-Sozialismus möchte schrittweise die gesellschaftlichen Verhältnisse sozialisieren. Dieses Modell hat absolut versagt.

Daher geht der revolutionäre Sozialismus, vor allem der, der auf der Lehre von Karl Marx basiert, davon aus, dass der Kommunismus nur durch eine Revolution mit anschließendem Neuanfang und durch die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln erreicht werden kann.

Dieser Neuanfang wurde in der Vergangenheit sehr verschieden interpretiert. Stalin ging davon aus, dass der Sozialismus in einem Land alleine erreicht werden könne. Um seine Macht und seine Bürokratie zu verteidigen, musste Stalin zu drakonischen Methoden greifen, was letztendlich die Sowjetunion und abhängige Staaten in den Abgrund führte. Mit der Auflösung der Sowjetunion starb daher der Stalinismus, nicht jedoch der Sozialismus.

* ungekürzte Version auf unserer Website

Das Leben von Kindern im Asylheim

Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, wie viele Flüchtlinge jährlich nach Deutschland kommen. Nur 15% von den 41.000 bekommen eine Aufenthaltsgenehmigung (AHG). Bis 1993 bekam nahezu jeder eine AHG. Damals kam es mehrfach zu tödlicher rechter Gewalt gegen Flüchtlinge. Anstatt das rechtsextreme Problem im eigenen Land zu lösen, beschlossen CDU/CSU, FDP und die SPD, das Grundgesetz zu ändern und den Artikel 16a einzuführen, der besagt, dass nur noch politisch Verfolgte Asylrecht genießen. Aber was ist mit den Flüchtlingen, die vor der Armut und der schlechten wirtschaftlichen Lage fliehen, an der die westlichen Länder nicht ganz unbeteiligt sind?

Ich gehe wöchentlich ein paar Mal in ein Asylheim, um mich dort mit Kindern zu beschäftigen. Was einem/r als erstes auffällt ist der beißende Geruch nach altem Fett und kalten Zigaretten. Auf dem Weg zu Apartment 405 verirre ich mich mal wieder. Angekommen klopfe ich an der Tür. Eine junge Frau, die kein Deutsch spricht, öffnet. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer.

Milans Lieblingsspiel ist es, sich die Ohren auf- und zuzumachen, während seine Mutter staubsaugt. Laila liebt es zu malen: Da sie kein Papier hat, gibt sie sich mit Klopapier zufrieden. Auch ohne Spielzeug kann man die Beiden zum Lachen bringen. Da stellt man sich doch die Frage, wieso Deutschland Milliarden für Kriege in Afghanistan ausgibt, jedoch keines für die daraus entstehenden Flüchtlinge.

Zitat des Monats…

Stalin ist der Totengräber der Revolution.

Leo Trotzki, Kommunist

Termine von Red Brain

* Treffen des JLG-Aktionskomitees
jeden Montag, 16 Uhr, vor der Schule

* offenes Treffen von Red Brain
jeden Freitag, 16 Uhr, BAIZ

* Massenblockaden gegen Nazis
18. Februar, Dresden

Wir beginnen bald mit einem offenen Lesekreis zu Staat und Revolution von W.I. Lenin. Wenn du Interesse hast, melde dich bei Red Brain!

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