Jugend

Red Brain Nr. 3: London’s Burning

Red Brain Nr. 3: London’s Burning

Red Brain ist eine linke, antikapitalistische SchülerInnenzeitung, die von einer unabhängigen SchülerInnengruppe (in Zusammenarbeit mit RIO) am John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte her­aus­gegeben wird. Die Ausgabe gibt es als PDF, die einzelnen Artikel gibt es unten:

Mach mit bei Red Brain!

Hey Leute!

Auch in diesem Schuljahr wird euch Red Brain über die Missstände in der Schule und in der kapitalistischen Gesellschaft insgesamt informieren.

Dabei stellen wir uns keineswegs in den Vordergrund. Wir arbeiten immer noch an unserem Ziel, dass sich viele SchülerInnen an dem Zeitungsprojekt beteiligen und somit Meinungsaustausch und Kommunikation auf politischer Ebene entsteht. Das funktioniert aber nur, wenn Ihr uns Rückmeldungen, Kritik und Artikel (die anonym veröffentlicht werden) schreibt. Selbst im Deutschunterricht wurde die Zeitung schon besprochen und analysiert! Wer grundsätzliches Interesse hat, bei Red Brain mitzuwirken und/oder die Zeitung zu verbessern, muss uns einfach kontaktieren.

Red Brain macht nicht nur Zeitung, sondern beteiligt sich nebenbei auch an Veranstaltungen (zuletzt die Veranstaltung mit RIO über die Massenproteste im Spanischen Staat). Wir haben auch das Streik-Komitee am JLG mit ins Leben gerufen, das letztes Schuljahr zum Schulstreik eine spontane Zubringerdemo mit circa 60 SchülerInnen durchführte.

Auch dieses Jahr wird es wieder einen Bildungsstreik geben, am 17. November 2011. Und diesen Samstag findet auch eine Demonstration für bessere Bildung von der GEW statt. Das Streikkomitee fängt jetzt schon an, Aktionen zu planen und vorzubereiten. Wer Kontakt zum Streikkomitee sucht, kann auch uns kontaktieren. Auf ein revolutionäres neues Schuljahr mit Red Brain und dem JLG-Streikkomitee!!

Eure Red Brain-Redaktion

London’s Burning

Als der junge Mann Mark Duggan in London von einem Polizisten erschossen wurde, war das der Funke, der die erhitzen Gemüter der armen Bevölkerung und insbesondere der Jugend in England zur Explosion brachte.

Sie haben oft weder Zugang zu Arbeit noch Bildung oder Ausbildung. Der Bezirk Tottenham in Nord-London gilt als typischer ArbeiterInnenbezirk. Hier wohnen Menschen verschiedenster benachteiligter Minderheiten, die auf unsichere Lohnarbeit angewiesen sind.

Die sozialen Kürzungen, mit denen die Herrschenden Englands sie attackiert, sind in Tottenham wohl am Stärksten zu fühlen. Krankenhausbesuche werden zum Luxus und Alten- und Behindertenpflege zum untragbaren Kostenfaktor. Nur die drastische Erhöhung der Studiengebühren dürfte hier niemanden stören, denn der Weg in die oberen Bildungsbereiche ist den Meisten unter ihnen eh verwehrt.

Teile und Herrsche…

…war schon immer das Motto der Herrschenden und so auch in London. Rassistische Polizeiarbeit ist besonders in Tottenham nicht neu. Gesellschaftliche Minderheiten werden hier Tag für Tag besonders benachteiligt.

Vor einigen Jahren wurde schon einmal jemand von ihnen von einem Polizisten niedergeschossen. Wie in Deutschland stehen auch in England die Chancen schlecht, dass der verantwortliche Polizist dafür angemessen verurteilt wird.

Plünderungen & Proteste

Durch die neoliberalen Angriffe der letzten Jahrzehnte fehlt in Großbritannien wie auch hierzulande eine gut organisierte Bewegung der ArbeiterInnen und der Jugend. Sie könnte die Ohnmacht der Jugendlichen in schlagkräftige, gemeinsame Aktionen gegen die Regierung verwandeln. Ohne so eine Bewegung konnten die Jugendlichen ihren Frust gegen den sozialen Ausschluss, den sie täglich erfahren, nur in Plünderungen und Gewalt ausdrücken, bei denen leider einige Menschen ums Leben kamen, die sich vor Plünderungen schützen wollten. Diese blinde Gewalt, die letztlich auch die eigenen Viertel der Jugendlichen zerstört, ist nicht richtig, aber der Frust und die Wut, die die Jugendlichen spüren, haben einen sozialen Hintergrund. Dabei richtet die Gewalt des Sparpakets der Regierung größere Schäden an als die chaotische Reaktion der Jugendlichen.

Dazu kommt, dass die Regierung in London jetzt die Proteste mit der gleichen Medizin bekämpft, die erst zum Ausbruch der Unruhen geführt hat: mehr Repression, Streichung von Sozialwohnungen und Schnellverfahren mit überharten Strafen (wie mehreren Jahren Haft für das Klauen von ein paar Wasserflaschen). Ein betrunkener Jugendlicher, der scherzhaft auf Facebook zu Krawallen in einer ruhigen Kleinstadt aufgerufen hatte, wurde (ohne dass etwas passierte) zu vier Jahren Gefängnis verurteilt! Insgesamt wurden 3.000 Leute verhaftet und über 1.000 verurteilt. Jetzt wissen wir, wofür die Sparpaket-Regierung Gelder ausschüttet!

Die Doppelmoral der Herrschenden kennt keine Grenzen. Einerseits kritisiert Premierminister Cameron die Gewalt der perspektivlosen Jugend, andererseits bombardierte die britische Armee Afghanistan, den Irak und zuletzt Libyen. Angeblich tut sie das, um der armen Bevölkerung zu helfen – warum unterstützt sie nicht die RebellInnen von Tottenham?

Gegen diese Politik müssen die ArbeiterInnen und Jugendlichen in England sich gemeinsam organisieren und gegen die Repression und für eine Perspektive für die Jugend kämpfen. Nur dann kann der Frust in eine Kraft zur Veränderung der Gesellschaft umgewandelt werden.

Gemeinsamer Kampf

Der Kampf der englischen Lohnabhängigen und Jugendlichen ist auch unser Kampf. Daher gilt es, Solidarität zu zeigen. Aber auch Perspektive: Auch wir wollen soziale Veränderung. Doch wir setzen an die Stelle von Ausschreitungen und vereinzelten Plünderungen in unserer eigenen Nachbarschaft den organisierten Protest der vereinten ArbeiterInnenklasse.

Nicht Willkommen!

Am 22. September wird der ehemalige Hitlerjunge, NS-Flakhelfer und jetziger Papst Joseph Ratzinger Berlin besuchen.

Papst Benedikt XVI ist einer der rückständigsten und intolerantesten Päpste der jüngsten Geschichte. Er verbietet den AnhängerInnen der katholischen Kirche zum Beispiel den Gebrauch von Kondomen, die laut Papst Benedikt überhaupt nicht gegen die Verbreitung von HIV wirken. Des weiteren betreibt er seine ultrakonservative Hetzte gegen Homosexuelle und Transgender die er als „das Böse“ bezeichnet.

Ratzinger hält auch überhaupt nichts von Frauenrechten. So verbietet er Frauen zum Beispiel, sich gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden.

Damit noch nicht genug, nahm er die Exkommunikation (Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft) des antisemitischen Bischofs Richard Williamson zurück, der den Holocaust leugnet. Williamson behauptet, der Holocaust sei eine Erfindung der Juden und wäre niemals passiert.

An der Spitze der katholischen Kirche steht ein konservativer, homophober und rechter Mann. Deswegen sollten wir Ratzinger am 22. September zeigen das er in Berlin keinesfalls willkommen ist.

Wahlen in Berlin

Am 18. September wird in Berlin gewählt. In einer Demokratie – so lernt man es in der Schule – herrscht das Volk. Und so ist es: Alle vier oder fünf Jahre dürfen wir ein Kreuz neben dem Namen einer Partei machen.

Doch nicht ganz… Die meisten an dieser Schule dürfen nicht wählen. Zwar darf man ab 16 die Bezirksparlamente wählen, jedoch nicht das Abgeordnetenhaus. Erst im Mai sorgten SPD und Linkspartei mit ihrer Stimmenthaltung dafür, dass das Wahlalter nicht von 18 auf 16 gesenkt wurde.

Und Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft – selbst wenn sie seit Jahrzehnten in Berlin leben und ackern – haben auch kein Wahlrecht. Überhaupt fragt man sich, wenn das Demokratie ist: wer bestimmt den Lehrplan? Wer wählt den Direktor? Wer kontrolliert die Betriebe? Sicherlich nicht wir!

Tja, tolle Demokratie.

Also lohnt es sich zu wählen? Und wenn ja, wen? Lasst uns darüber diskutieren, schreib uns eine Mail oder poste etwas auf Facebook.

„Slutwalk“ in Berlin

Angefangen hat das Ganze in Toronto in Kanada: Dort erzählte ein (männlicher) Polizist vor Studentinnen, dass „Frauen sich nicht wie Schlampen anziehen sollten, um nicht zum Opfer“ von sexueller Gewalt zu werden. Als ob ein bestimmtes Outfit eine Vergewaltigung rechtfertigen würde! Als ob es OK wäre, eine Frau zu attackieren, nur weil sie ihre Haut zeigen will!

So kam es im April dieses Jahres zum ersten „Slutwalk“ in Toronto, wo Tausende Menschen das Recht verteidigten, sich so anzuziehen, wie man/frau will, und trotzdem nicht Opfer von Gewalt zu werden.

Am 13. August gab es auch einen Slutwalk in Berlin. Mehr als 5.000 Frauen und auch Männer versammelten sich, um für sexuelle Selbstbestimmung zu protestieren. Manche zeigten offensiv mit Schildern: „Nicht anfassen!“, „Keine Selbstbedienung!“ oder „Vergewaltigung gibt es nicht erst, seit es Miniröcke gibt.“

Im Gegensatz zu den Presseberichten ging es nicht um freizügige Klamotten, sondern um die größte Demonstration für die Freiheit der Frau in den letzten Jahren in Berlin.

Zitat des Monats…

Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.

Bertolt Brecht, Kommunist

Termine von Red Brain

* Demo für bessere Bildung von GEW und „Bildungsblocken einreißen!“
10. September, 11 Uhr, Alexanderplatz

* Demo „Freiheit statt Angst“
10. September, 15 Uhr, Brandenburger Tor

* Demo gegen Papstbesuch
22. September, 16 Uhr, Brandenburger Tor

* bundesweiter Bildungsstreik
17. November an allen Schulen und Unis

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