Jugend

Red Brain Nr. 13: Bildung für dich und mich?

Red Brain Nr. 13: Bildung für dich und mich?

Red Brain ist eine linke, antikap­i­tal­is­tis­che Schü­lerIn­nen­zeitung, die von ein­er unab­hängi­gen Schü­lerIn­nen­gruppe (in Zusam­me­nar­beit mit RIO) am John-Lennon-Gym­na­si­um in Berlin-Mitte und nun auch am Immanuel-Kant-Gym­na­si­um in Berlin-Licht­en­berg her­ausgegeben wird. Die Aus­gabe gibt es als PDF, die einzel­nen Artikel gibt es unten:

Ein neues Schuljahr

Wir genießen die let­zten Som­mertage des Jahres und die Schule läuft schon fast wieder nor­mal – mit ein­er Aus­nahme: Red Brain!

Wir haben im let­zten Monat diese Aus­gabe für euch erar­beit­et. Und es ist eine beson­dere Aus­gabe, denn Red Brain wird jet­zt gemein­sam von Schüler*innen des Immanuel–Kant–Gymnasiums und des John–Lennon–Gymnasiums aus­gear­beit­et. Auch von der Freien Wal­dorf­schule Kreuzberg kom­men tolle Neuigkeit­en! Dort gibt es das neue Zeitung­spro­jekt Banana Repub­lic. Langfristig möcht­en wir eine schulüber­greifende und antikap­i­tal­is­tis­che Schüler*innengruppe grün­den.

Endlich öffnet auch Lennon­grad, der selb­stver­wal­tete Raum aller Schüler*innen, seine Türen.

Ende Sep­tem­ber gibt es eine Red Brain Soli­par­ty in der KvU, ihr seid alle her­zlich ein­ge­laden.

Viel Spaß beim lesen und rote Grüße an alle Erstleser*innen!

Eure Red Brain-Redak­tion

Bildung für dich und mich?

Während Kinder bei der Ein­schu­lung noch mit strahlen­den Gesichtern die Schul­ge­bäude betreten, sehen sie in höheren Klassen­stufen schon weit weniger glück­lich aus, wenn man das Wort Schule nur erwäh­nt. Selt­sam, oder? Schließlich kann doch jede*r in Deutsch­land froh darüber sein, dass sie*er so gute Bil­dung zur Ver­fü­gung gestellt bekommt.

Wenn ich mir die Sit­u­a­tion in der Schule angucke, sehe ich über­füllte Klassen, über­forderte Lehrer*innen, Stress und Leis­tungs­druck. Lern­stoff der inner­halb von kurz­er Zeit auf einem bre­it­en Feld von unter­schiedlichen Fäch­ern eingeprägt wer­den muss, um bei den Prü­fun­gen brav alles zu wis­sen. Das dabei wirk­lich etwas im Detail hän­gen bleibt, ist meist nicht der Fall. Zusät­zlich wurde die Abiturzeit von 13 auf 12 Jahre ver­ringert, der zu ler­nende Stoff allerd­ings nicht.

Laut ein­er Umfrage der Süd­deutschen Zeitung wür­den 54% der Eltern in Deutsch­land ihre Kinder lieber auf eine Pri­vatschule, als auf eine staatliche Schule schick­en, wenn sie sich es leis­ten kön­nten.

91% nen­nen dabei als einen der Haupt­punk­te die Spal­tung in Haupt‑, Real- und Gym­nasialschulen, bei der Kinder schon im Alter von 8–9 Jahren, in Berlin von 10–11 Jahren in „gut“, „schlecht“ und in „irgend­was dazwis­chen“ sortiert wer­den. Durch diese Selek­tion bessere Bil­dungs- und Lernbe­din­gun­gen für die Schüler zu schaf­fen, scheint allerd­ings nicht nahe zu liegen, denn son­st kön­nte man gle­ich­falls Kurssys­teme ein­führen, wie auf Gesamtschulen.

Die Illu­sion, die erzeugt wird, ist, dass Men­schen, die einen höheren Abschluss erre­ichen, von Natur aus klüger sind als andere; schließlich haben sie ja den gle­ichen Stoff in gle­ich­er Zeit, mit den gle­ichen Tests durch­laufen. Das vere­in­facht das Auswahlver­fahren im Arbeitswe­sen zwis­chen lei­t­en­den Auf­gaben und aus­führen­den Auf­gaben.

Außer­dem bringt die Illu­sion, dass die Men­schen mit ungle­ichen natür­lichen Vor­raus­set­zun­gen die Schul­lauf­bahn durch­laufen und man am Ende, zuge­spitzt gesagt, die Klu­gen von den Dum­men gefiltert hat, ein Ein­ver­ständ­nis mit der ungle­ichen Verteilung an Macht, Bil­dung und Zugang zu Gütern her­vor. Gefördert wird ein „Es ist nun­mal so“ Ver­hal­ten, anstatt Selb­st­ständigkeit zu ler­nen find­et eine Sen­si­bil­isierung mit Autoritäten und eine Anpas­sung an beste­hende Ver­hält­nisse statt.

Das Sys­tem hat den Anspruch Arbeit­skräfte und Bosse zu schaf­fen, die Konkur­ren­z­druck aushal­ten und möglichst Leis­tungs­fähig sind. Hausauf­gaben, Klausuren und Abistress sind nur ein Aus­ruck davon. Daher wird die Einzelleis­tung der Schüler*innen und nicht der gemein­same Erfolg gefördert, im Fall des JLGs durch des Schulleit­ers Top 20 Liste der besten Schüler*innen. Darunter lei­den alle, aber ins­beson­dere „sozial schwache“ Schüler*innen, sowie Migrant*innen oder deren Kinder.

Wir wollen deshalb eine Bil­dung, die von den Schüler*innen und Lehrer*innen gemein­sam bes­timmt und organ­isiert wird.

Soll­test Du eben­falls nicht mit dem beste­hen­den Sys­tem ein­ver­standen sein, komm zum JLG-Aktion­skomi­tee, zu unseren offe­nen Red­Brain-Tre­f­fen oder zum Antifaschis­tis­chen Bund Immanuel Kant, um dich mit anderen Schüler*innen zu ver­net­zen. Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wäre nur deine Schuld wenn sie so bleibt.

Olympische Ausbeutung

Die Olymp­is­chen und Par­a­lymp­is­chen Spiele sind ein großes Spek­takel, bei dem rund um den Globus Mil­lio­nen von Men­schen begeis­ternde Leis­tun­gen von Athlet*innen aus der ganzen Welt ver­fol­gen kön­nen. Dem Inter­na­tionalen Olymp­is­chen Komi­tee zufolge ist „das Ziel der Olymp­is­chen Idee, den Sport in den Dienst der har­monis­chen Entwick­lung der Men­schheit zu stellen und eine friedliche Gesellschaft zu schaf­fen, in der die men­schliche Würde gewahrt bleibt“.

Die Spiele in Lon­don, die in diesem Som­mer stat­tfan­den, waren der Gipfel der Kom­merzial­isierung der Oylmp­is­chen Spiele. Die Ein­trittspreise waren so hoch wie nie, was nur einem gerin­gen Teil der Bevökerung über­haupt die Möglichkeit gab, direkt am Geschehen zu sein. Die Spiel­stät­ten wur­den zu großen Teilen vom Staat, also den Steuerzahler*innen, bezahlt und wer­den mit­tel- und langfristig in den Hän­den multi­na­tionaler Konz­erne für deren Prof­ite sor­gen. Auch aus den Ver­sprechen, möglichst viele Woh­nun­gen zu „bezahlbaren Preisen“ anbi­eten zu kön­nen, wird nichts – ein Großteil des Lon­don­er Ostens wird kün­ftig pri­vatisiert und ver­teuert. Die diesjähri­gen Spiele soll­ten beson­ders „ethisch“ sein, doch wurde beim Bau des Olymp­is­chen Parks, der alls­bald in pri­vate Hand überge­ht, eine gew­erkschaftliche Organ­i­sa­tion ver­boten. Die Arbeiter*innen auf der ganzen Welt, die die Pro­duk­te für die Sportler*innen usw. her­stellen, wer­den in so genan­nten. Swat­shops von Adi­das, Nike und co. bru­talst aus­ge­beutet. Gle­ichzeit­ig fand eine enorme Mil­i­tarisierung Lon­dons und Umge­bung statt – soviel zur „friedlichen Gesellschaft“. Auch die Athlet*innen beka­men diesen Druck zu spüren. Noch nie wurde so viel gedopt, wie dieses Jahr.

Unter den fünf Rin­gen, die für Völk­erver­ständi­gung und Frieden in der Welt ste­hen, wird der Prof­it Weniger auf den Schul­tern der Massen gesichert und ver­mehrt.

Die Kumpels von Asturien streiken wieder

Ende Mai, Asturien. Im Nord­west­en des spanis­chen Staates treten die Minenarbeiter*innen in den unbe­fris­teten Streik. Denn der Staat ste­ht unter Druck, soll sparen, um von der EU Geld zur Ret­tung sein­er Banken zu erhal­ten. Also beschließt er, bis 2018 alle Kohlem­i­nen zu schließen und stre­icht dieses Jahr bere­its 63% der Zuschüsse. Den Betreiber*innen der Minen wird deren erhalt nun zu teuer, und so ver­suchen sie, 8 000 Arbeiter*innen zu ent­lassen – was tausende indi­rek­te, weit­ere Arbeit­splatzver­luste zu Folge hätte. Und das ist nicht der erste Angriff des spanis­chen Staates auf die Arbei­t­erIn­nen. In den let­zten Jahren wurde das Rentenal­ter erhöht, Ent­las­sun­gen vere­in­facht (heute liegt die Arbeit­slosigkeit der 18–29 jähri­gen bei 50%), Lohnkürzun­gen durchge­set­zt, im Bil­dungs- und Gesund­heitswe­sen ges­part. Den Arbeiter*innen wird das Leben also ziem­lich schw­er gemacht — oder bess­er gesagt, die Las­ten der Wirtschaft­skrise sollen von ihnen getra­gen wer­den. Die Minenarbeiter*innen streiken also. Genau­so wie 1934, als Fran­co ver­suchte, die Minen zu schließen, bewaffnen sie sich heute, mit Feuer­w­erk­skör­pern und Dyna­mit. Mit täglichen Bar­rikaden und Straßen­schlacht­en gegen die Polizei ver­suchen sie, ihre Arbeit­splätze zu vertei­di­gen. Denn falls sie diese ver­lieren, dro­ht eine Massen­vere­len­dung.

Der Höhep­unkt der Proteste wurde beim „schwarzen Marsch“ erre­icht, als Bergarbeiter*innen nach drei Wochen Fußweg am Abend des 10. Juli in Madrid ein­trafen und es zu ein­er Kundge­bung mit etwa 100.000 Men­schen kam.

Die Gew­erkschaften wärend­dessen ver­suchen, eine friedliche Lösung zu find­en. Doch warum soll­ten die Besitzer*innen der Minen mit den Gew­erkschaften ver­han­deln (mit dem spanis­chen Staat und der EU im Nack­en), wenn mit den Minen keine Prof­ite mehr erzielt wer­den kön­nen?

So ist die einzige Alter­na­tive für die Kumpels, ihre Minen in die eige­nen Hände zu nehmen, die gesamte Wirtschaft demokratisch zu kon­trol­lieren, statt für das ver­sagen des Kap­i­tal­is­mus zu bezahlen.

Zitat des Monats

Dem Stu­den­ten wird ein über- triebenes Konkur­ren­zstreben einget­richtert und er wird dazu aus­ge­bildet, raf­fgieri­gen Erfolg als Vor­bere­itung für seine zu- kün­ftige Kar­riere anzuse­hen.

– Albert Ein­stein, Wis­senschaftler

Termine von Red Brain

* offenes Tre­f­fen des Antifaschis­tis­chen Bun­des Imanuel Kant
jeden Fre­itag, 13:45 Uhr, A203

* offenes Tre­f­fen des JLG-Aktion­skomi­tees
jeden Dien­stag, 16:30 Uhr, Lennon­grad (Raum 008)

* offenes Tre­f­fen von Red Brain
jeden Don­ner­stag, 16 Uhr, Lennon­grad

* Red Brain Par­ty: 28. Septe­ber, 21 Uhr,
K.v.U. (Kremmen­er Str. 9–11)
Mit PACS, Lea-Won und DnB.

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